170 Mahnblumen für Frieden

Installation des Künstlers Dr. Walter Kuhn steht bis 8. Mai vor dem Badehaus

Hielten Ansprachen aus dem Fenster des Badehauses (v. l.): Dr. Walter Kuhn, Dr. Sybille Krafft und Dr. Ludwig Spaenle.
+
Hielten Ansprachen aus dem Fenster des Badehauses (v. l.): Dr. Walter Kuhn, Dr. Sybille Krafft und Dr. Ludwig Spaenle.

Waldram – Als sichtbares Zeichen der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und gleichzeitig als Appell für den Frieden sind bis zum 8. Mai rund um das Badehaus 170 Mahnblumen zu sehen.

Die aus Kunstseide angefertigte Installation beeindruckte auch den bayerische Antisemitismusbeauftragten Dr. Ludwig Spaenle.

Mit Musik der jungen Münchner Oboistin Miriam Hanika begann am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust eine Veranstaltung, zu der sich aufgrund der coronabedingten Auflagen nur wenige Mitglieder des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald am Kolpingplatz versammeln durften. „Unter normalen Bedingungen wären heute wahrscheinlich rund 150 Menschen gekommen“, bedauerte Dr. Sybille Krafft.

Die Badehaus-Vorsitzende erinnerte zunächst an die Bedeutung des ehemaligen Lagers Föhrenwald. „Hier hat sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der Rest der Geretteten getroffen, um ein neues Leben zu beginnen“, erklärte Krafft. Sie wies darauf hin, dass die Mahnblumen bis zum 8. Mai – an diesem Tag endete vor 76 Jahren der Zweite Weltkrieg in Europa - vor dem Badehaus stehen werden. Danach können sie für 30 Euro pro Stück käuflich erworben werden (siehe unten).

Info

Wer eine Mahnblume erwerben will, überweist 30 Euro an: Erinnerungsort Badehaus, IBAN DE44 7005 4306 0011 2786 60, Verwendungszweck Mahnblumen.

Der Münchner Künstler Dr. Walter Kuhn erklärte in einem kurzen Vortrag, warum er ausgerechnet Mohnblüten ausgewählt hat. „Ich habe die Symbolik einem Gedicht von John McCrae entnommen“, verriet er. Der im Ersten Weltkrieg eingesetzte kanadische Sanitätsoffizier schrieb „In Flanders Fields“, weil dort ein Freund von ihm getötet wurde.

Auszüge daraus las Badehaus-Vorstandsmitglied Elisabet Voigt am Ende des Gedenkakts vor. Zuvor verurteilte der ehemalige bayerische Kultusminister und jetzige Antisemitismusbeauftragte Dr. Ludwig Spaenle die Verbrechen der Nationalsozialisten. „Der Erinnerungsort Waldram steht für einen Ort, von dem aus nach und trotz der Shoah jüdisches Leben neu begonnen hat. Die Mahnblumen sollen uns an das schrecklichste Verbrechen, das in deutschem Namen geschehen ist, erinnern und uns antreiben, uns gegen jegliche neu aufkeimenden judenfeindlichen Tendenzen zu stellen und Solidarität mit Jüdinnen und Juden zu üben“, hofft der CSU-Politiker. Spaenle plädierte in diesem Zusammenhang für eine „Kultur des Hinschauens“ und des „solidarischen Handelns“.

Neben der eindrucksvollen Außeninstallation hat Walter Kuhn auch eine Skulptur aus historischen Waldramer Bauteilen geschaffen. Das Werk „Neues Leben aus Ruinen“ steht im Foyer des Erinnerungsortes. Dr. Sybille Krafft wünscht sich nun, dass möglichst viele Menschen die Patenschaft für eine oder mehrere Mahnblumen übernehmen. „Pflanzen Sie die Blumen in den Garten oder auf den Balkon und tragen Sie damit die Friedensbotschaft weiter“, wünscht sie sich. Peter Hermann

Auch interessant

Kommentare