Interkommunales Hallenbad: Landrat rechtfertigt Beteiligung der Kommunen an Betriebskosten

„Es gibt so gut wie keine Alternative“

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Landrat Josef Niedermaier folgte der Einladung des Wolfratshauser Bürgermeisters Klaus Heilinglechner in den Stadtrat und bezog klar Stellung für den geplanten Bau des Interkommunalen Hallenbads und der dafür notwendigen Betriebskostenbeteiligung der Kommunen. Allein Wolfratshausen würde es hier mit zusätzlichen 105.000 Euro treffen – neben 130.000 Euro für den Bau und 120.000 Euro für den Schulschwimmbetrieb.

Wolfratshausen – Die Emotionen aus der Debatte nehmen wollte Landrat Josef Niedermaier und kündigte im Vorfeld der Sitzung am Dienstagabend schon einmal an, den Wolfratshauser Stadträten belastbare Zahlen liefern zu wollen. Einmal mehr ging es um das viel diskutierte Interkommunale Hallenbad.

Mit im Schlepptau hatte er den Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller, der seinen Nachbarn das veranschlagte Betriebskostendefizit von rund einer Million Euro vorrechnete. Die Wolfratshauser ihrerseits blieben trotz des detaillierten Vortrags von Müller skeptisch. Nun beraten die Fraktionen.

Am Ende war es Landrat Niedermaier selbst, der emotional wurde, nicht nur einmal skizzierte er den Stadträten, dass es zum Interkommunalen Hallenbad so gut wie keine Alternative gibt. Denn, ziehen die Wolfratshauser nicht mit, werde Geretsried ein kleineres Bad bauen, das sie selbst betreiben. Der Kreis wiederum baut – um seinen schulischen Verpflichtungen nachzukommen – „irgendwo ein Lehrschwimmbad“. Beide Vorhaben fallen jedoch teurer aus, als die große, interkommunale Lösung, die (Stand 2013) auf 11,9 Millionen Euro kommt (wir berichteten). Wegen des Lehrschwimmbeckens steige dann aber die Kreisumlage, so der Landrat weiter. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. „Es ist vollkommen legitim, wenn Sie aus ihren eigenen Gründen das Vorhaben ablehnen. Nur dann müssen Sie dazu auch politisch stehen. Dann müssen Sie den Bürgern auch sagen, wir wollen uns das nicht leisten“, verwehrte sich Niedermaier vor den immer wieder genannten Vorwürfen, der Kreis und die Stadt Geretsried würden immer wieder neue Zahlen ins Spiel bringen. Niedermaier räumte ein, es habe immer wieder Korrekturen im Zahlenwerk gegeben, „nur das muss man auch mal stehen lassen und sich auf das Neue konzentrieren“. Er habe sich mit Müller zu einer ­„Roadshow“ aufgemacht und werde gemeinsam mit dem Geretsrieder Rathauschef „in die Kommunen gehen“, um Überzeugungsarbeit zu leisten.

Die Zahlen, die Müller vorstellte – die staatliche Förderung von 4,2 Millionen Euro, der Geretsrieder Anteil von 6,9 Millionen Euro und die Kosten, die der Kreis und die beteiligten Kommunen sich teilen, von 800.000 Euro – waren in der Runde bekannt. Und auch, dass der Anteil Wolfratshausens rund 130.000 Euro betragen wird. Neu ist seit ein paar Monaten das mit einer Million Euro veranschlagte Betriebskostendefizit. Dazu nahm Müller umfangreich Stellung, seine Stadt werde davon zwei Drittel, also 750.000 Euro, tragen. Der Rest von 250.000 Euro entfalle auf die beteiligten Kommunen, entsprechend des Königsteiner Schlüssels. Demnach käme auf die Stadt ein Betrag von 105.000 Euro zu. Der Landkreis wiederum kann sich am Defizit nicht beteiligen, weil er nicht als Betreiber auftritt. Dafür übernimmt er den Posten für das Schulschwimmen. Aber auch die Stadt Wolfratshausen wird umlagemäßig für die 45 Klassen zur Kasse gebeten – mit rund 120.000 Euro. Vor allem die Summierung treibt den Wolfratshausern angesichts eines arg strapazierten Haushalts die Sorgenfalten auf die Stirn.

Welches Mitspracherecht hat Wolfratshausen, wird es einen Beirat geben, der gemeinsam mit den Schulen und den Vereinen den Belegungsplan bespricht und wie lange ist die Laufzeit? Mit einer ordentlichen Portion Skepsis reagierten Wolfratshausens Stadträte auf die Ausführungen ihrer beiden Besucher, vor allem Müller bemühte sich um Transparenz: Allein, dass Geretsried einen Eigenanteil von 750.000 Euro Defizit übernehme, sei doch ein deutliches Signal. „Und bei diesem Betrag sind wir auf Kante genäht“, unterstrich der Geretsrieder Rathauschef. Die Laufzeit soll vorerst zehn Jahre betragen, und wie Landrat Niedermaier betonte, wird es zwischen den Partnern wegen der staatlichen Förderung zu keinen Änderungen im Vertrag kommen. „Die Regierung schaut da sehr genau hin“, versicherte er, da werde sich die nächsten 25 Jahre nichts ändern. Als nächstes werden die Stadtratsfraktionen beraten, ob es zu einem Treffen mit den Geretsrieder Fraktionsführern kommen wird, wie von Grünen-Stadtrat Hans Schmidt angeregt, steht noch nicht fest. In einer der nächsten Sitzungen will das Wolfratshauser Gremium zu einer Entscheidung kommen. Fritz Schnaller (SPD) machte aus seinem Herzen keine Schlangengrube und richtete einen deutlichen Appell an alle Zweifler: „Für so wenig Geld so ein Bad zu bekommen, diese Chance kommt nie wieder.“    po

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