Gemeinsam plantschen in vier Becken

„Wasser marsch!“ im interkommunalen Schul- und Sportschwimmbad – Eröffnung im Sommer

Interkommunales Hallenbad Geretsried mit dem Bürgermeister Michael Müller
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Keine kalten Füße beim Temperaturcheck im interkommunalen Hallenbad haben: (v.l.) Bürgermeister Michael Müller, Hallenbad-Betriebsleiterin Madeline Schön, Rainer Goldstein (Stadt-Bauamtsleiter) und Christoph Otawa (städtischer Fachbereichsleiter).

Geretsried/Landkreis – Das neue und interkommunale Hallenbad in Geretsried öffnet seine Schleusen. Bürgermeister Michael Müller watete bereits durchs einlaufende Wasser und berichtete über den Status quo.

Am Dienstag überprüften die städtischen Bauamtsleiter die Dichte des Beckens. In Betrieb gehen wird das Bad nun im Sommer – da bekanntermaßen ein Brandschaden bei Bauarbeiten den angesetzten Eröffnungstermin im März nach hinten verschoben hat.

Eigentlich ist Michael Müller viel zu warm zum Fototermin angezogen: Sakko, gelbe Krawatte auf weißem Hemd und eine schwarze Anzughose. Denn in den geheizten Räumen des neu erbauten Hallenbades in Geretsried an der Adalbert-Stifter-Straße ist es warm und es wird auch gleich nass. Während draußen der restliche Schnee in der Sonne schmilzt, sprudelt im Innenbecken Wasser aus den Düsen, um es erstmals komplett zu füllen. Geretsrieds Bürgermeister hat sich schnell seiner Socken entledigt und seine Hose hochgekrempelt, bevor er zusammen mit den beiden Bauamtsleitern sowie der Bademeisterin in das rund 760 Kubikmeter fassende Sportbecken (25 Meter auf 12,5 Meter) hinabklettert und ruft„Wasser marsch!“

Das große Sportbad bietet Platz für vier Schwimmbahnen und kann einen Teil des Beckenbodens absenken (Vordergrund).

Während das Wasser im großen Sportbecken steigt, blickt Müller noch einmal zurück: Denn eigentlich hätte der jetzige Dichtungstesttermin für die Presse schon vor zwei Wochen stattfinden sollen – doch durch den Brandschaden im November vergangenen Jahres habe sich der Bauablauf insgesamt um zweieinhalb Monate verzögert.

Der Brandschaden vom November: Feuer hatte die Außenhülle des Edelstahlbeckens (Sportschwimmbad) beschädigt. Zu sehen ist noch der schwarze Ruß auf der Mauer.

„Wir gehen von 100.000 Euro aus“, berichtet Müller über den entstandenen Sachschaden. Wie berichtet, hatte sich bei Schweißarbeiten am Edelstahlbecken das dahinter liegende Dämmmaterial erhitzt und fing Feuer. Jetzt sind Beckenwand und die verbrannten Wasserleitungen erneuert und die Elektrobereiche zur Sicherheit durchgemessen worden.

„Teuer sind auch Wasserflächen“, versichert Müller weiter, als er über das interkommunale Hallenbad spricht. Die Kostentreiber seien dabei vor allem Heizkosten und Aufbereitung. „Eine Betriebsstunde in diesem Bad kostet uns ungefähr 360 Euro“, betont er. Daher sei das städtische und kommunale Ziel, so wenig Leerläufe beim Wechsel der Belegung zu haben, wie nur möglich. Die drei Zielgruppen für die Nutzung sind Schulen und Vereine, gefolgt vom „normalen Publikumsverkehr“, für den rund ein Drittel der regulären Eintrittszeit eingeplant seien. Vergeben werden die Slots zum Schwimmtraining und Plantschen vom Hallenbad selbst, das ab Start im Juni von den Geretsrieder Stadtwerken betrieben wird. Schulen melden ihren Bedarf beim städtischen Schul- und Sportamt. „Das gleiche gelte für die Vereine.“

„Alle sind eingeladen, das Bad zu nutzen“

Bürgermeister Michael Müller
Das Springerbecken mit einem Ein- sowie Drei-Meter-Turm.

Das neue Schul- und Sportschwimmbad an der Adalbert-Stifter-Straße in Geretsried wird das über 40 Jahre alte Hallenbad an der Jahnstraße ersetzen. Damit dieses zukünftig allen Sportklassen des angrenzenden Schulzentrums Gymnasium und Realschule sowie der Volks-, Grund und Mittelschulen der Städte und der Gemeinden ausreichende Nutzungen zur Verfügung stellen kann. „Ob das alte Hallenbad noch einmal aufmacht, entscheiden die kommenden Wochen“, berichtet Michael Müller. Die Entscheidung der Stadt ist abhängig vom Pandemieverlauf und den damit verknüpften Auflagen des geltenden Hygieneschutzkonzeptes. „Wenn wir keine Auflagen hätten, würden wir es noch einmal aufsperren“, so Geretsrieder Bürgermeister weiter, der betont: „Wir müssen ernsthaft überlegen, ob sich der Aufwand noch lohnt.“

Das Lehrschwimmbecken mit sechs Sprudelliegen befindet sich in einem separaten Raum.

Was die Eintrittspreise im neuen Hallenbad angeht, darüber wird der Stadtrat im Rahmen seiner kommenden Haushaltssitzungen diskutieren und mögliche Modelle erarbeiten. Sicher ist derweil: „Wir wollen keine Vereine mit Gebühren belasten“, betont Müller, „für sie können wir uns ein Zuschussmodell verstellen“.

Im Hallenbad gibt es ausreichend Platz für die Schwimmer, um Taschen und Handtücher zu verstauen.

Wie berichtet, gab es darüber einen Meinungsstreit. Im September starteten der DLRG-Ortsverband, der WSV 72, der Tauchclub Oberland und die Reha-Sport-Freunde die Petition „Rettet den Wassersport in Geretsried – keine Nutzungsgebühren für Vereine im neuen Hallenbad“. Dafür übergaben die Vereinsvertreter eine Unterschriftenliste an den Bürgermeister. Grund: Die hiesigen Wassersportvereine fürchten um ihre Existenz. Müller versichert: „Es ist ein interkommunales Hallenbad, zudem alle beteiligten Gemeinden herzlich aufgefordert und eingeladen sind, ihre Vereine hierher zu schicken. Damit wir es alle nutzen.“

Über zweihundert Spinte befinden sich in den Umkleideräumen: sie werden per elektronischen Chip-Armband auf- und zugeschlossen.

Eine Nutzungsvereinbarung mit dem Landkreis regelt indes den Sportbetrieb. Dafür steht den Schulen ein 650-Stunden-Kontigent zur Verfügung. Das Betriebskostendefizit werden sich Geretsried und die Nachbarkommunen teilen. Diese richten sich nach dem Königsteiner Schlüssel, gelistet nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl in einer Kommune (siehe Kasten unten). Müller dazu: „Nicht die Investition ist das Problem, sondern die laufenden Kosten. Darin liegt die Krux.“

Bis zur Eröffnung im Sommer stehen noch Fließen-, Fassaden- und Spenglerarbeiten an. Die Handwerker prüfen derzeit Elektroleitungen und erledigen Arbeiten an den Außenanlagen dem Kinderbecken sowie auf dem Dach. Fertig und wasserdicht sind bereits das Lehrschwimm- und Sprungbecken mit einem Ein- und Drei-Meter-Turm. Auch die Umkleiden und Spinde warten bereits auf kommende Schwimmer. „Das sieht alles gut aus“, befindet Christoph Otawa vom städtischen Bauamt nach dem Rundgang durchs neue interkommunale Hallenbad.

Vier Gruppen-Umkleidekabinen können von Vereinen und Schulen genutzt werden.

Interkommunales Hallenbad: Zahlen, Daten & Fakten

Das Interkommunales Hallenbad auf einer Flache von 2.540 Quadratmetern nimmt Formen an: insgesamt sieben Kommunen sowie der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen errichten am Geretsrieder Schulzentrum mit vereinten finanziellen Kräften ein gemeinschaftlich nutzbares Schul- und Sportschwimmbad für den Nordlandkreis. Dieses bietet ein 320 Quadratmeter großes Wettkampf-, ein 137 Quadratmeter großes Springer- und ein 124 Quadratmeter großes Lehrschwimmbecken. Zudem gibt es ein Kinderbecken (24 Quadratmeter). Die Gesamtkosten liegen nach aktuellem Stand bei rund 18 Millionen Euro (Förderanteil Freistaat Bayern: 4,21 Millionen). Die jährlichen kommunalen Betriebskosten (750.000 Euro) teilen sich wie folgt auf: Dietramszell (27.086 Euro), Egling (28.644), Eurasburg (25.208),Königsdorf (17.317), Münsing (24.933), Stadt Wolfratshausen (105.242) sowie Stadt Geretsried (521.000). Die Laufzeit des Abkommens ist vorerst auf 25 Jahre festgelegt.

Daniel Wegscheider

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