"Bewohner und Personal in Quarantäne"

Interview: Gesundheitsamtsleiter Dr. Stephan Gebrande zum Infektionsgeschehen in den Gemeinschaftsunterkünften Tölz und Geretsried

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Das Gesundheitsamt testet auf das Coronavirus in einer Drive-In-Station auf der Tölzer Flinthöhe.

Landkreis – In den Gemeinschaftsunterkünften (GU) in Geretsried und Bad Tölz (Peter-Freisl-Straße), beide betrieben durch die Regierung von Oberbayern, ist das Coronavirus nachgewiesen worden (wir berichteten). Aktuell (Stand: Mittwoch, 15. Juli) sind damit 48 Personen im Landkreis im Zusammenhang mit den Ausbrüchen in diesen beiden Gemeinschaftsunterkünften für Asylbewerber mit dem Virus infiziert. Das GelbeBlatt sprach mit Dr. Stephan Gebrande, dem Leiter des Gesundheitsamts, über die dortige Situation, Tests und Infektionsketten.

Herr Gebrande, Wie geht in den beiden Asylbewerberunterkünften jetzt weiter?

„Die 22 infizierten Personen in der Geretsrieder Gemeinschaftsunterkunft wurden von der Regierung von Oberbayern zur Isolation in andere Unterkünfte verlegt. Die restlichen Bewohner der Geretsrieder Asylunterkunft stehen unter 14-tägiger Quarantäne, die eigentlich am Freitag endete. In der zweiten Testung wurde eine weitere Person positiv getestet, die Unterkunft steht daher für weitere sieben Tage bis einschließlich 24. Juli unter Quarantäne.“

Dr. Stephan Gebrande, Leiter des Gesundheitsamts in Bad Tölz.

Und wie sieht es in der Tölzer Unterbringung aus?

„In der Tölzer Gemeinschaftsunterkunft in der Peter-Freisl-Straße sind aktuell 26 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch diese Betroffenen wurde in Quarantäne-Unterkünfte verlegt. Die gesamte GU sowie das Personal vor Ort stehen derzeit unter Quarantäne.“

Wie aufwendig sind die Tests?

„Um den Coronavirus im Körper nachweisen zu können, muss ein Abstrich der Nasen- oder Rachenschleimhaut gemacht werden. Das Landratsamt hatte dafür Mitte März eine Drive-In-Station auf der Flinthöhe eingerichtet, um sicherzustellen, dass alle notwendigen Testungen zügig durchgeführt werden können. Mit Beendigung des Katastrophenfalles werden in der Drive-In-Station nur noch asymptomatische, vom Gesundheitsamt ermittelte Kontaktpersonen getestet. Symptomatische Personen müssen sich für einen Abstrich an Ihren Hausarzt wenden. Asymptomatische Personen ohne Indikation können sich gemäß bayerischer Teststrategie ebenfalls beim Hausarzt abstreichen lassen.“

Erklären Sie die Tests durch das Gesundheitsamt?

„Das Prozedere in der Drive-In-Station sieht folgendermaßen aus: Das Gesundheitsamt ist mit der betroffenen Person in Verbindung und vergibt einen Termin: zum vereinbarten Termin wird die betroffene Person eingeladen und muss dann zum Zelt an der Drive-In-Station kommen, um sich testen zu lassen. Die Fahrt zur Station darf wahrgenommen werden, sie erhalten dafür vom Gesundheitsamt die entsprechende Information. Personell ist das Zelt mit Mitarbeitern des Gesundheitsamtes besetzt. Das Robert Koch-Institut empfiehlt, dass das Personal beim Entnehmen der Probe Schutzausrüstung trägt, um selbst nicht mit den potenziell belasteten Proben in Berührung zu kommen.

Was passiert mit den Proben?

„Sie werden anschließend an das Labor des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim geschickt, das prüft, ob das Coronavirus in der Probe enthalten ist.“

Wie lange dauert es eigentlich bis Testergebnisse feststehen?

„Aktuell warten die Abgestrichenen 24 bis 48 Stunden auf das Testergebnis.“

Und wie werden mögliche Infektionsketten recherchiert ?

„Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes gehen schrittweise vor: sobald eine Infektion mit dem Coronavirus durch einen bestätigten Test nachgewiesen ist, erfragen sie systematisch alle direkten Kontakte des Betroffenen der vergangenen Tage zurück bis zu dem Tag, an dem die ersten Symptome aufgetreten sind. Bei asymptomatischen bis zum Tag des Abstrichs und noch zwei Tage weiter zurück. Denn schon vor dem Ausbruch der Erkrankung könnten die Betroffenen das Virus weitergereicht haben. Das Gesundheitsamt informiert dann die Kontaktpersonen und stellt sie unter häusliche Quarantäne. In dieser Zeit werden sie täglich telefonisch betreut, um auf Symptome schnell reagieren zu können. Außerdem werden die positiv getesteten Personen detailliert nach einer möglichen Infektionsquelle befragt.“

Die Fragen stellte Daniel Wegscheider

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