Offene Wunde in der Altstadt

Isar-Kaufhaus-Abbruch hängt von Investor und Nachbarn ab

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Hoffen auf eine Einigung zwischen Nachbarn und Investor: Landrat Josef Niedermaier (l.) und Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

Wolfratshausen – Vor drei Monaten untersagte das Landratsamt die Fortführung der Abbrucharbeiten am ehemaligen Isar-Kaufhaus in Wolfratshausen. Über den aktuellen Stand informieren nun Landrat Josef Niedermaier, Bürgermeister Klaus Heilinglechner, Bauamtsleiterin Susanne Leonhard, Landratsamt-Baujuristin Maya Mantel und Kreisbaumeister Andreas Hainz.

Landrat Josef Niedermaier sprach besorgt vom „größten anzunehmenden Unfall“. Im Juni stoppte das Landratsamt nämlich den Abbruch des ehemaligen Isar-Kaufhauses wegen statischer Bedenken. Im Juli gab das Verwaltungsgericht einem Nachbarn Recht, dass der dort geplante Neubau mit Laden und Wohnungen die nötigen Abstandsflächen nicht einhalte. Die aufschiebende Wirkung betraf Neubau und Abriss, weil beides vom Landratsamt gemeinsam genehmigt worden war.

Nun hat das Gericht zwar den Beschluss modifiziert und die aufschiebende Wirkung für den Abriss aufgehoben. „Es gibt keine Genehmigungshindernisse mehr für den Abriss: Die statischen Bedenken sind ausgeräumt“, sagte Niedermaier. Dennoch ist das Bauvorhaben noch vom Wohlwollen der Nachbarn abhängig. „Für die Absicherung sind Eingriffe in die gemeinsame Wand nötig“, erklärte Kreisbaumeister Andreas Hainz. Heißt: Anwohner müssen zustimmen, auf ihren Grundstücken Verankerungen für die Stützkonstruktion anbringen zu lassen. „Ohne Einigung wird nichts weitergehen“, bedauerte Niedermaier. Komplexe juristische Verfahren ziehen sich laut Baujuristin Maya Mantel erfahrungsgemäß in die Länge. Und: Derzeit klagen drei Nachbarn beim Verwaltungsgericht gegen die Baugenehmigung. Die Bauherren haben nun gegen den Abrissstopp beim Verwaltungsgerichtshof Beschwerde eingereicht. Die Richter müssen nun entscheiden, ob die aufschiebende Wirkung für den Neubau Bestand hat.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner bemüht sich um eine Mediation zwischen Klägern und der „Projektgesellschaft Untermarkt 7–11“. Der Investor wäre „mittlerweile zu vielen Zugeständnissen bereit“, sagte er. Ohnehin habe der Bauherr schon einen sechststelligen Betrag in die Planungen und bisherigen Abbrucharbeiten hineingesteckt. „Der Leidensdruck steigt auf beiden Seiten“, so Bauamtsleiterin Susanne Leonhard. „Schließlich ist die derzeitige Ruine im Herzen der Altstadt auch für die Anwohner ein Ärgernis.Peter Herrmann

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