Kein Twitter im Kreistag

Isar-Ranger und Social Media Manager: Kreisausschuss diskutiert Stellen

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Mit der Zeit gehen - und viral: Landrat Josef Niedermaier und Pressesprecherin Marlis Peischer hätten gerne einen Social Media Manager am Landratsamt.

Bad Tölz – In ein paar fragende Gesichter blickte Jürgen Huber von der Personalverwaltung des Landratsamtes, als er den Stellenplan des kommenden Jahres zur Diskussion und Abstimmung stellte. Denn neben Stellen im Bereich Emissionsschutz, Ordnungsrecht und Brandschutz war auch von einem Social Media Manager für das Landratsamt die Rede. Dass schon bald aus den Sitzungen des Kreisausschusses gepostet und getwittert werden könnte, war für die CSU-Fraktion ein wenig befremdlich.

Zahlreiche neue Stellen sollen 2019 in verschiedenen Sachgebieten besetzt werden. Dass Bedarf hier und da besteht, darüber waren sich die Kreisausschussmitglieder einig. Zum Beispiel im Bereich Emissionsschutz. Dieser spiele laut Josef Niedermaier bei vielen Bauaufträgen eine wichtige Rolle: so sei „mittlerweile bei jedem Carport der Emissionsschutz beteiligt“, erklärt der Landrat. Daher sei es von Nöten, in der inneren Verwaltung eine solche „Ingenieurstelle zu schaffen“. Dem schloss sich auch Martin Bachhuber (CSU) an, der die schnelle Abwicklung von Aufträgen vorantreiben möchte: „Da werden wir nicht rauskommen aus dieser Nummer.“ Der Meinung war auch der Großteil des Ausschusses, lediglich Werner Weindl (CSU) stimmte gegen diese Stellenschaffung.

Einstimmig beschlossen wurde dagegen die Einstellung von Isar-Rangern in den Monaten April bis Oktober. Diese sollen eine „effiziente Kontrolle“ ermöglichen und „eine nachhaltige Veränderung des Bewusstseins der Menschen“ erreichen, erläuterte Personalamtsleiter Jürgen Huber. Nur so sei ein rechtmäßiger Vollzug der Bootsverordnung möglich. Drei Stellen sollen dabei geschaffen werden. Kostenpunkt: etwa 78.000 Euro im Jahr. Als eine Notwendigkeit betrachtete dies Niedermaier, denn da das Verbot des gewerblichen Nutzens der Isar durchgesetzt werde, sei vor allem in diesem Bereich eine Kontrolle unabdingbar. Weindl gab zu bedenken, dass einer solchen Stellenschaffung auch „Einnahmen gegenüberstehen“ müssen – in Form von Bußgeldern. Doch darüber machte sich der Landrat keine Sorgen, immerhin seien allein in diesem Jahr 800 Verfahren eingeleitet worden. „Es wird Einnahmen geben“, schmunzelte Niedermaier angesichts der zahlreichen Verstöße. 

Einstimmigkeit herrschte auch bei anderen Stellenbesetzungen: Gutachten sollen ab kommenden Jahr nicht mehr von externen Firmen durchgeführt, sondern von einem internen Gutachter erstellt werden, eine Teilzeitstelle zur Bearbeitung ordnungsrechtlicher Vorgänge soll geschaffen werden und im Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung soll der Brandschutz künftig nicht mehr allein von Ehrenamtlichen getragen werden, sondern von einem Experten, da die „Aufgaben komplexer werden“ und quantitativ zunehmen, so Huber.

Auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landratsamtes wurde Bedarf angemeldet: bislang deckt diese lediglich die klassischen Medien ab, soll aber künftig auch die sozialen Netzwerke speisen. So äußerte Huber den Vorschlag, einen Social Media Manager einzustellen. In Vollzeit. Für 64.000 Euro im Jahr. Hier gehe es darum, „rund um die Uhr Informationen“ zu liefern, erklärte Huber. Und das sei mit der derzeitigen Stellenbesetzung nicht möglich. Eine Kraft, die sich 39 Stunden in der Woche ausschließlich mit Social Media beschäftigt, dass könne er sich nicht vorstellen, meinte da Martin Bachhuber. Es gehe darum, eine „Zeiteinsparung in das operative Geschäft zu setzen“ antwortete ihm Wolfgang Krause von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Social Media Manager werde ja nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und vor sich hin twittern, er müsse auch die „Geschehnisse hier verfolgen und sein Ohr am Puls der Zeit haben“, erklärte Krause. So sah es auch seine Kollegin Marlis Peischer, die betonte, dass es hierbei nicht allein um Facebook-Postings gehe, sondern um den generellen „Transport von Themen an die Bürger, die man anders nicht erreicht“.

Auch der Landrat war von der Idee angetan: „Ministerien bauen ganze Stäbe dazu auf“, meinte Niedermaier, der mit dem Trend der Zeit gehen wolle. Auf diesem Zug wollten aber die CSU-Fraktion und Barbara Schwander (Grüne) nicht aufspringen. Der Beschluss wurde mit sechs zu sechs Stimmen abgelehnt. Auf einen Facebook-Post mit Isar-Ranger-Foto und einen Twitterbeitrag mit #Landratsamt, frisch getippt von eimem Social Media-Experten, muss der Landkreis also noch warten. ra

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