"Jagdstaffel" löst sich auf

Aufgelöst hat sich die „Jagdstaffel D.S.T.“ mit Mitgliedern aus Wolfratshausen und Geretsried. Foto: StMI

Die „Jagdstaffel D.S.T.“ mit Mitgliedern aus dem Raum Geretsried/Wolfratshausen hat sich aufgelöst. Das geht aus dem Halbjahresbericht zum Verfassungsschutz hervor, den Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in München vorgestellt hat. Der Minister sieht das als Reaktion auf die am 3. Mai erfolgten Hausdurchsuchungen. Ob die Auflösung nur vordergründig ist, bleibt nach Angaben Herrmanns abzuwarten.

Immer noch dauern die Ermittlungen im Zuge der Durchsuchungsaktion an, wie der Minister informierte. Polizei und Staatsanwaltschaft ließen im Mai sechs Objekte in Geretsried und drei in Wolfratshausen durchsuchen. Insgesamt waren an der Aktion, die in ganz Oberbayern über die Bühne ging, 350 Polizisten im Einsatz. Die Verdächtigen aus der rechtsextremistischen Szene sind im Alter von 20 bis 33 Jahren, wie die Staatsanwaltschaft damals mitteilte. Der Verdacht gegen sie: Waffenbesitz. Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt. Darunter auch scharfe Munition, Schusswaffen und verbotene Gegenstände wie Schlagringe. Weiter etliche Kampfmesser, eine Axt sowie mehrere Totschläger. Überdies wurden Devotionalien aus der NS-Zeit und Propagandamaterial gefunden worden. Die Ermittler stellten über 30 Dekorationswaffen sicher, die möglicherweise zu Schusswaffen umfunktioniert hätten werden könnten. Insgesamt beschlagnahmte die Polizei 770 Asservate und 5.800 Einzelteile, hauptsächlich Munition. Neben 47 erlaubnisfreien Waffen wie etwa Gotcha-Pistolen, stellte die Polizei zudem 30 Dekowaffen sicher. Laut Verfassungsschutz reisten die Jagdstaffel-Mitglieder gelegentlich ins Ausland, um dort an Schießständen mit Waffen zu schießen oder an „Paintball-Turnieren“ teilzunehmen. „Eine von zwei Mitgliedern in der Schweiz zum Schein gegründete Waffenhandelsfirma verfolgte das Ziel, auf diese Weise Zutritt zu Fachmessen zu erlangen“, so Hermann. Er hielt fest, dass die Mitglieder der Jagdstaffel D.S.T. Kontakte zu zahlreichen Führungspersonen der rechtsextremistischen Szene hätten. „Bei Veranstaltungen treten sie gelegentlich als Ordner in Erscheinung. Einzelne Mitglieder der Kameradschaft verfügen außerdem über Kontakte in die Rocker-Szene“. Mit der Auflösung der rechtsextremen Gruppierung am 8. Juli könnte die „Jagdstaffel“ das Ziel verfolgt haben, einem möglichen Verbot zuvorzukommen, erklärte der Innenminister. Laut Herrmann „ändert dies allerdings nichts an den strafrechtlichen Ermittlungen“.

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