Kein Platz für Polizisten und Pfleger

Jahresbericht der Obdachlosenhilfe: teure Mieten und knapper Wohnraum belasten

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Jahresbericht der Obdachlosenhilfe (Symbolbild)

Wolfratshausen – Auch 2019 ist Ines Lobenstein von der Wolfratshauser Obdachlosenhilfe der Caritas die Arbeit nicht ausgegangen. Insgesamt 210 Haushalte hatte sie im vergangenen Jahr beraten. Vor allem die hohen Mieten und der knappe Wohnraum machen es Menschen mit kleinem Geldbeutel nahezu unmöglich, eine vernünftige Bleibe zu finden, monierte Lobenstein und die Mitglieder des Hauptausschusses der Stadt.

„Es wird gebaut, in aller Regel hochpreisig, für Polizisten, Krankenschwestern, Pfleger oder Kassiererinnen schaut es jedoch schlecht aus“, sagte Ines Lobenstein zu Beginn ihres Berichts. Denn im Laufe der vergangenen zwölf Monate hatte sie sich auch mit vier Räumungsklagen zu befassen, „das war schon eher wenig, sonst sind es zwischen 16 und 20“, beschrieb sie die Situation in 2019. Es kam auch wieder zu einer Zwangsräumung. Über das Jahr verteilt lebten 37 Personen in den Notunterkünften der Stadt, aktuell sind es 25. „Wir haben unsere Stammkundschaft, die auf dem ersten Wohnungsmarkt nicht mehr vermittelbar sind“, schilderte Lobenstein am Dienstagabend vor dem Hauptausschuss. Es handle sich um Menschen mit starken psychischen Problemen, aber auch Alkoholabhängigkeit und ähnliches spielten eine Rolle, warum jemand aus der Bahn geworfen wird, so die Betreuerin.

Im Haus Schlickenrieder an der Münchner Straße sind derzeit zwölf Plätze belegt, unter ihnen zwei fünfjährige Kinder. „Das ist eine sehr prekäre Situation“, betonte Lobenstein. Die Zwillinge gehören zu einem alleinerziehenden Mann aus Afrika, der gut, aber nicht ausreichend Deutsch spricht und einen Arbeitsplatz hat. „Dieser Mann mit seinen zwei Kindern ist guten Gewissens vermittelbar.“

Die Unterkunft an der Sauerlacher Straße musste im vergangenen Jahr geräumt werden (wir berichteten), von den 13 Personen sind sechs am Steghiaslweg untergekommen, eine Bewohnerin wechselte ins AWO-Heim und ein Ehepaar zog in eine Wohnung der StäWo. Heute leben am Steghiaslweg 14 Bewohner. „Und es ist ruhiger, als ich dachte“, sagte Lobenstein, die auf den schwierigen Personenkreis verwies. Durch die Corona-Pandemie und einhergehend mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, seien mehr Menschen von Obdachlosigkeit bedroht als vor einem Jahr. Auch schlecht bezahlte Jobs führten oftmals zum Verlust der Wohnung. Was passiert mit Frauen und ihren Kindern, wenn sie aus dem Frauenhaus ausziehen müssen? „Die stehen dann bei uns vor der Türe“, schilderte Lobenstein. Für die Frauen, die eine schwierige Zeit hinter sich hätten, sei der Weg in eine Obdachlosenunterkunft „fatal“. Für ihre engagierte Arbeit kassierte Lobenstein von Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Vertretern aller Fraktionen großes Lob. Ihr Wünsch für die Zukunft: „bezahlbare Wohnungen für Wolfratshausen“. po

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