Ein Bus für jede S-Bahn

Tags weniger ein Problem als nachts: S7-Nutzer landen zwar in Wolfratshausen, kommen jedoch nicht nach Geretsried weiter. Foto: Kapfer-Arrington

Eigentlich wollte der Geretsrieder SPD-Stadtrat Wolfgang Werner nur eine Testphase für drei Nachtbuslinien erreichen, als er im Stadtrat seinen Antrag zur Abstimmung stellte. Doch dann entwickelte sich daraus eine umfassende Diskussion, die Werner schließlich dazu bewog, seinen Vorstoß zurückzuziehen. Denn nun steht ein neuer Antrag: Jede in Wolfratshausen ankommende S-Bahn soll eine Busanbindung nach Geretsried erhalten – was im zuständigen Landratsamt für Verwunderung sorgt.

„Das ist wie Ostern und Weihnachten zusammen, im Vergleich zu dem, was ich beantragt habe“, betonte Werner. Der Sozialdemokrat zog seinen Antrag zurück, der ursprünglich auf eine Initiative der Jusos im Oberland zurückgeht. Und während Bürgermeisterin Cornelia Irmer noch vor wenigen Wochen auf die erheblichen Kosten dieses Testlaufs hingewiesen hatte, stand für die Geretsrieder Rathauschefin jetzt fest: „Das ist eigentlich Aufgabe des Landkreises.“ Was auch Volker Reeh (CSU) so sieht. Der ehemalige Kreisrat sicherte Unterstützung zu, den Antrag in den Kreisgremien positiv zu bewerten. Zumal man über die Kreisumlage auch die 2008 wieder ausgebaute Busverbindung zwischen Lenggries und Jachenau mitfinanziere. „Da wäre das nun geforderte Angebot der Nachtbuslinie nur verständlich“, sagte Reeh. Er ging sogar so weit, die Testphase auf etwa eineinhalb Jahre auszuweiten, „denn erst dann erhält man verlässliche Zahlen“. Gerhard Meinl (CSU) empfahl, die Busanbindungen rigoros zu fordern, „wie einst die Lenggrieser und Jachenauer ihre Verbindung. Wir müssen uns dafür schon einsetzen“, betonte er. Was Bürgermeisterin Irmer auf den Plan rief. „Eigentlich bräuchte jede S-Bahn, die in Wolfratshausen ankommt, eine Busanbindung nach Geretsried – wir wollen doch eine Anbindung an alle S-Bahnen“, sagte sie und schob unter zustimmendem Klopfen der Stadträte nach: „Immerhin sind wir die größte Stadt im Landkreis.“ Edith Peter (SPD) beschrieb das Dilemma aus eigener Erfahrung. Da die S7 ohnehin nicht gerade die pünktlichste S-Bahn sei, verpassten Fahrgäste regelmäßig die Anschlussbusse nach Geretsried. Nachtschwärmer ohnehin, denn die letzte Busverbindung startet in Wolfratshausen um 0.01 Uhr. Ein bereits gelöstes Tagesticket „bringt mir dann natürlich nichts mehr“. Bleibe nur das teure Taxi als Alternative. Einstimmig sprach sich der Stadtrat für die Forderung aus, wonach der Landkreis Busanbindungen aller S-Bahnen nach Geretsried einrichten soll. Die Testphase sollte laut Beschluss zwölf Monate dauern. Ab 2018, so ergänzte Grünen-Stadtrat Volker Witte mit Blick auf die S-Bahn-Verlängerung, „hat sich das Problem ja dann eh erledigt“. Ob im Kreistag der Geretsrieder Vorstoß auf Gegenliebe stößt, kann indes bezweifelt werden. Im Juni 2005 gab es ein gewaltiges Streichkonzert zum ÖPNV-Plan. Motor dieser Rotstift-Politik war die CSU-Fraktion im Kreistag. Auch einige Linien zwischen Wolfratshausen und Geretsried fielen damals dem Spardiktat in der Kreistagssitzung vom 29. Juni 2005 zum Opfer. Eine neuerliche Einführung oder gar Ausweitung dieses Angebots könnte ohnehin nur über eine Erhöhung der Kreisumlage finanziert werden. Und am Ende würde die Rechnung dann indirekt wieder ins Geretsrieder Rathaus schneien. Landrat Josef Niedermaier zeigte sich überrascht, als er vom Gelben Blatt von den Geretsrieder Wünschen hörte. Zwar falle das Thema schon in die Zuständigkeit des Landkreises. Doch „so einfach geht das dann auch wieder nicht“, sagte er. Alleine die Ausschreibung der Linien durch den MVV „dauert ein Jahr“. Zudem würde dann erst der Zuschussbedarf errechnet, der auf den Landkreis zukommt. Und auf den ÖPNV bezogen sei der ohnehin schon recht hoch, für 2012 werden 1,6 Millionen Euro fällig. Komme man dem Wunsch Geretsrieds nach, dann wird dies nach Niedermaiers Schätzung sicher zu einer Erhöhung der Kreisumlage führen. „Das wird locker ein halber Punkt mehr.“ Das wäre eine Größenordnung von einer knappen halben Million Euro.

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