Brennpunkt: Schulsozialarbeit

Jugendarbeiter weiterhin an Realschulen im Landkreis beschäftigt

Ein trauriger Jugendlicher
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Schulsozialarbeiter helfen Jugendlichen bei Problemen.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Die Förderung für Schulsozialarbeit an den staatlichen Realschulen Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen wird um fünf Jahre bis 2026 verlängert.

Und das ist auch dringend notwendig – wie die drei dortigen Sozialarbeiterinnen am Montag gegenüber dem Kreisausschuss für Jugend und Familie betonten. Gerade das Corona-Jahr treibt die Bedarfsfälle noch oben.

Die Jugendsozialarbeiterin an der Realschule in Geretsried kommt kaum noch hinterher: Auf den Schreibtisch von Andrea Heim stapeln sich seit dem diesjährigen Lockdown Fälle von Jugendlichen, die Hilfe benötigen. Wie die Diplom-Sozialpädagogin jüngst gegenüber dem Kreisausschuss für Jugend und Familie berichtete, sei der Bedarf seit der Pandemie „massiv angestiegen“.

Im aktuellen Schuljahr betreut sie derzeit 83 Schüler und dazu kommen 55 Fälle beim Schulpsychologen. „Momentan können wir keine Fälle mehr annehmen, es sei denn, es sind richtige Krisenfälle.“ Im Prinzip arbeiten die beiden Fachkräfte nach dem „Feuerlöschprinzip“.

Schwierigkeiten in der Schule

„Das ist alles doch eigentlich sehr beängstigend“, sagte Stadtjugendpfleger Fritz Meixner aus Wolfratshausen, der auch an der dortigen Realschule steigende Fallzahlen bestätigte. Wie wichtig die Sozialarbeit an den Landkreis-Realschulen sind, belegte Christian Lösch vom Tölzer Jugendamt mit Zahlen. Im Schuljahr 2019/20 wurden an der Wolfratshauser Realschule 42 Einzelfälle betreut und in Tölz waren es 35.

Anlass der Fall­arbeiten lagen insbesondere im Bereich Familiäre-Situation, wie Streit und Scheidung. Gefolgt von Konflikten innerhalb von Cliquen und Mobbing. Aber auch Themen wie Freundschaft, Liebe und Beziehung führte bei den Schülern zu Schwierigkeiten in der Schule.

Für solche Fälle sind die Sozialarbeiter an den Realschulen da: Dafür muss der Landkreis (90.000 Euro pro Jahr) sowie die Trägervereine (7.000 Euro pro Jahr) für die drei Halbtagsstellen an den Realschulen Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz zahlen. Und werden dies erst einmal auch weiterhin tun.

Was einiges an Kritik im Ausschuss aufbrachte – insbesondere im Hinblick auf die neue Förderrichtlinie. Darin werden nun zwar auch Realschulen als förderfähig anerkannt, wie bereits Mittel- und Berufsschulen sowie Förderzentren. Der Freistaat übernimmt die Kosten aber lediglich für zusätzliche Stellen. Meixner zeigte sich darüber „enttäuscht“. Auch bei der Höhe der Fördersätze: „Seit 14 Jahren ist hier keine Dynamisierung erfolgt.“

„Da langt man sich doch ans Hirn“

Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne), der durch die Kreisausschusssitzung Jugend und Familie im Geretsrieder Schulzentrum leitete, betonte die „Notwendigkeit der Jugendsozialarbeit“ an den drei Realschulen in der Region. Das Dilemma: Würde der Landkreis nun auf eine staatliche Vollförderung der Stellen setzen, müssten diese quasi einen „Neustart“ durchführen. Heißt: Nur mit einer Unterbrechung von zwei Jahren, könnten diese laut den neuen Richtlinien förderfähig weitergeführt werden. Deshalb bleibt die Finanzierung vorerst beim Kreis selbst.

„Da langt man sich doch ans Hirn“, schimpfte Heiko Arndt vom Kreisjugendring über diese Regelung. Auch Grünen-Kreisrätin Annelies Wiedenbauer-Schmidt musste darüber den Kopf schütteln: „Da müssen wir der Regierung auf die Füße steigen, so geht das nicht weiter.“ Monika Achermann-Weinert, Kreisrätin für die Ausschussgemeinschaft ÖDP, FDP, FUW und BP, appellierte an die „höheren Gremien, dass da was passieren muss“, betonte sie. „Wir müssen Schüler als Menschen auffangen.“

Der Ausschuss für Jugend und Familie tagte in der Geretsrieder Mehrfachturnhalle.

Daher möchte der Jugend- und Familienausschuss eine weitere Halbtagesstelle in der Jugendsozialarbeit an der Geretsrieder Real­schule beim Staat beantragen. Einem entsprechenden Antrag stimmte der Ausschuss ebenso einhellig zu, wie der Verlängerung der drei bisherigen pädagogischen Halbtageskräfte um weitere fünf Jahre. Letztere sind laut Stadtjugendpfleger Friedrich Meixner ohnehin „nicht mehr wegzudenken“.

Dies belegt allein schon die Statistik: Die drei Realschulen des Landkreises beherbergen rund 1.900 Schülerinnen und Schülern. Und das der Bedarf an sozialer Unterstützung steige, bestätigte auch Andrea Daccache. Die Jugendsozialarbeiterin in Bad Tölz berichtete, auch stellvertretend für ihre Kolleginnen Angela Heim (Geretsried) und Iris Diehl (Wolfratshausen), von ihrer Arbeit an den Schulen. „Corona war für uns eine Herausforderung“, sagte sie.

Hilferufe kamen von den Schülern selbst, über deren Eltern oder die Schulleitung. Vielen Jugendlichen fehlte der Kontakt zu Freunden oder der Klassengemeinschaft. „Sie haben keine Freude mehr gefühlt.“ Ebenso trieb sie die Existenzängste der Eltern um und Konzentrationsschwächen aufgrund des Distanzunterrichtes. Probleme habe es aber auch im Bereich von übermäßigen Medien- oder gar Rauschmittelkonsum gegeben.

Während des Lockdowns halfen die Schulsozialarbeiterinnen bei Hausbesuchen, Spaziergängen oder per Video-Schalte. Jetzt ist wieder Präsenz-Unterricht. „Und vom ersten Tag an merken wir erneut einen steigenden Bedarf“, betonte Daccache.

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