Gegen den Perfektionismus

KAB-Diözesanpräses Michael Wagner denkt über Sinn der Arbeit nach

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Warnt vor den Gefahren der Digitalisierung: Diakon Michael Wagner (l.).Foto: Peter Herrmann

Geretsried – Seit vielen Jahren lädt der Ortsverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) am Dreikönigstag zum Neujahrsempfang im Pfarrsaal der Heiligen Familie am Johannisplatz ein. Diesmal gab es einen Vortrag zum Thema „Arbeit.Macht.Sinn“ zu hören.

Nachdem eine Gruppe von Sternsingern Geld für notleidende Kinder gesammelt hatte und die Besucher mit Sekt, Orangensaft und Bier auf ein gesundes neues Jahr angestoßen hatten, begrüßte Dr. Bernhard Schütze den diesjährigen Referenten Michael Wagner. Der Diözesanpräses der KAB München-Freising spannte in seinem einstündigen Vortrag „Arbeit.Macht.Sinn“ einen weiten geschichtlichen Bogen von der Antike bis hin zu den digitalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Dabei war sein philosophisch-theologischer Ansatz für die rund 50 Zuhörer alles andere als leicht verdauliche Kost. Denn die Bibel zeichnet ein düsteres Bild der Arbeit. „Bis ins Mittelalter war man der Ansicht Viehzucht und Landwirtschaft seien die Buße für den Sündenfall: Arbeit war Mühe“, erklärte Wagner. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde die positive Bedeutung menschlicher Schaffenskraft vorangetrieben. Im Zuge der Digitalisierung habe sich das Streben nach Selbstoptimierung und Perfektion dann aber laut Wagners Einschätzung so verschärft, dass daraus negative Zwänge entstanden sind. „Die Konstrukteure von Algorithmen üben große Macht auf uns aus“, warnte der 51-Jährige. Arbeit mache aber nur dann Sinn, wenn sie einen sozialen Mehrwert schaffe. „Der Mensch ist jeder künstlichen Intelligenz überlegen, weil er kreative Fähigkeiten hat“, zog Wagner ein versöhnliches Fazit.

Ein perfekt funktionierendes menschliches Zusammenleben bleibe für ihn dennoch eine Utopie. Nach dem Vortrag fühlte sich Pfarrgemeinderat Dr. Bernhard Schütze unweigerlich an Goethes Ballade vom „Zauberlehrling“ erinnert, der die gerufenen Geister nicht los wird. Wagner gab ihm Recht. „Es gilt, verantwortlich mit der Digitalisierung und der Vernetzung umzugehen. Der Mensch muss festlegen, welche Dinge für ihn Priorität haben“. Peter Herrmann

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