Es kann nicht genug geben

Nach sechs Jahren: Der Bürgerstiftung Bad Tölz mangelt es an neuen Stiftern und Ideengebern.

Erst vor sechs Jahren gründete sich die Bürgerstiftung Bad Tölz, mit dem Ziel nicht weiter die Augen davor zu verschließen, dass Kommunen aufgrund ihrer angespannten Finanzlage ihre eigens geschaffenen Umfelder nicht mehr gestalten können. Doch genau dieses Szenario droht Bad Tölz. Denn der Bürgerstiftung mangelt es an zusätzlichen Stiftern und Ideengebern.

„Sofern sich in Bad Tölz keine ,Zeit- und Ideenreichen’ finden lassen und auch die Bereitschaft fehlt, durch Zustiftungen die finanziellen Möglichkeiten zu fördern, muss die Bürgerstiftung erheblich in Zweifel gezogen werden“, bedauert mit Johannes Bolz der Stifungsvorstand. Durch den Tod der Gründungsvorsitzenden Christine Lenk im Mai 2010 und durch eine schwere Erkrankung eines Vorstandsmitglieds in 2011 „ist die Führungsmannschaft arg geschwächt“. Die Mitglieder des Stiftungsvorstands und dem Kontrollorgan Stiftungsrat sind ausschließlich ehrenamtlich tätig. „Auf diese Weise ist aber weder Projektarbeit noch effektives Fundraising auf Dauer und mit Erfolg durchführbar“, erklärt Bolz. Die Schulden der öffentlichen Haushalte hätten in 2011 die Schwelle von zwei Billionen Euro überschritten. Nach der Meinung von Bolz dürfen verantwortungsvolle Bürger „nicht weiter die Augen davor verschließen, dass Kommunen bald nicht mehr in der Lage sind, ihr üppiges Umfeld zu bewahren und zu erhalten“. Doch Bolz weiß: „In Bad Tölz ist der Boden für derartige Einsichten nur wenig bereitet.“ Es sind nun etwa sechs Jahre vergangen seit Alois Glück, ehemaliger Präsident des Bayerischen Landtages, den Bürgern von Bad Tölz die Anerkennungsurkunde zur Gründung der „Bürgerstiftung Bad Tölz“ überreicht hat. Seit der Gründung Stiftung hätten sich, so der Stiftungsvorsitzende, kaum Unterstützer gefunden, die sich nach dem Motto „Tölzer für Tölzer“ für die Zukunft des Gemeinwesens der Stadt einsetzen wollen. Die Versuche, Bürger oder Geschäftsleute als Stifter oder Spender zu gewinnen, seien „vielfach gescheitert“. Folgende Absagen hört Bolz immer wieder: „Unser Budget für diese Zwecke ist bereits überzogen“ oder „wir machen schon sehr viel im Bereich Spenden“. Eigennutz stehe eben oft vor Gemeinwohl, führt er an. Vermächtnisse, die Bürger früherer Generationen der Stadt Bad Tölz haben zu Gute kommen lassen, „dienen heute dazu, Vereine sowie soziale und andere gemeinnützige Einrichtungen zu fördern“. Andere Gemeinden stemmen derartige Aufgaben aus dem Haushalt. Für Bolz haben Bürgerstiftungen eine ganz eigene Daseinsberechtigung: „Durch die Bündelung des finanziellen und persönlichen Engagements vieler Bürger gelten Bürgerstiftungen als geeignete und zeitgemäße Form, bürgerschaftliches Engagement dauerhaft und mit regionalen Bezug zu organisieren.“ Bürgerstiftungen böten einen breit gefächerten Stiftungszweck und somit den „nötigen Freiraum, mit den Stiftungserträgen auch zukünftige Aufgaben zu fördern, die bei der Gründung noch nicht absehbar waren“. Zweck der Bürgerstiftung Bad Tölz ist laut Bolz die „Förderung von Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, Natur- und Denkmalschutz, Jugend- und Altenhilfe, öffentliche Gesundheitspflege sowie Wissenschaft und Forschung, zum Gemeinwohl der in Bad Tölz lebenden Menschen“. Und Bolz dementiert im gleichen Atemzug die wiederholt geäußerte Aussage, zwischen der Bürgerstiftung Bad Tölz und der Bürgerstiftung „Energiewende Oberland“ bestehe eine Verbindung. „Das ist unzutreffend“, sagt er. Die „Energiewende“ erhalte von den Landkreisen Zuschüsse in fünfstelliger Höhe. „Die Bürgerstiftung Bad Tölz hingegen ist politisch unabhängig“, betont Bolz. Während Bürgerstiftungen andernorts zum Start vorhandene Stiftungen oder Vermächtnisse übertragen wurden (so gab es etwa für die Bürgerstiftung im Landkreis Fürstenfeldbruck ein Stiftungsvermögen in Millionenhöhe, d.Red.), erhielt „die Bürgerstiftung Bad Tölz damals eine Starthilfe in vierstelliger Höhe“, sagt Bolz. Für Bürgerstiftungen, die auf Nachhaltigkeit und einen weiten Zeithorizont ausgerichtet sind, sei es notwendig, sich von zukünftig tiefgreifenden Änderungen der politischen Verhältnisse unabhängig zu machen. „Nur so ist sicherzustellen, dass ihre Projekte und geförderte Organisationen eine Zukunft haben, insbesondere wenn diese nicht dem aktuellen Zeitgeist entsprechen.“ Und Bolz wird konkret: „Politische Mehrheitsinteressen sind oft versucht, Streichung von Fördermitteln zu befürworten.“ Politische Gremien und Verwaltungsspitzen dürften keinen bestimmenden Einfluss auf Entscheidungen nehmen. Deshalb setzt Bolz auf das im Herbst 2011 verliehene Gütesiegel des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Und er macht abschließend klar: „Die Bürgerstiftung ist nicht nur auf die Geldreichen angewiesen, sondern von ebenso großer Bedeutung für den Erfolg des bürgerschaftlichen Engagements sind die Zeit- und Ideenreichen.“ Dennoch: Schon kleinere Vermögen oder Zustiftungen von nur 1.000 Euro könnten helfen, dass die Bürgerstiftung weiter besteht. Getreu dem Motto, dem sich Bolz bedient: „Aus der Region, für die Region.“

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