Weiße Gewalt wieder im Griff

Der Katastrophenfall ist beendet: Landrat und Einsatzleiter ziehen Bilanz

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Rückblick auf den K-Fall: Landrat Josef Niedermaier (mitte) und Kreisbrandrat Alfred Schmeide (5.v.r.) Zogen im Landratsamt Bilanz.

Bad Tölz/Landkreis – Der Katastrophenfall im Landkreis ist beendet: Auch die Schulen nahmen am Mittwoch wieder ihren Unterricht auf. Knapp eine Woche legte der heftige Wintereinbruch mit Schnee, Eis und Regen die Region lahm und die hiesigen Helfer brauchten selbst Hilfe. Insgesamt kämpften 3.347 Einsatzkräfte aus der Region und ganz Bayern gegen die Schneemaßen an: befreiten Dächer und räumten Straßen. Landrat Josef Niedermaier und Kreisbrandrat Alfred Schmeide ziehen Bilanz.

Es ist 11 Uhr am Dienstag, als der Landrat den verhängten Katastrophenfall als aufgehoben erklärt. Einberufen hat Josef Niedermaier eine Pressekonferenz im Sitzungssaal des Landratsamtes. Rund 20 Helfer aus verschieden Sparten sitzen mit ihm und Kreisbrandrat Alfred Schmeide am Tisch. „Sie alle sind bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen und haben sich für unserer Bürger ins Zeug gelegt“, lobte Niedermaier. Der Zusammenhalt unter den Helfern aus der Region und aus anderen Teilen von Bayern sei grandios gewesen. Insgesamt schufteten 3.347 Helfer in der Hochphase des K-Falls. Feuerwehr-Hilfekontingente kamen aus München, Straubing, Rottal-Inn, Kehlheim, Erlangen und Nürnberg. Unterstützt von BRK, DLRG, THW, Bundespolizei, der Mittenwalder Bundeswehr sowie zivilen Kräften.

Niedermaier lässt die vergangenen Schreckenstage Revue passieren: Es begann in der Jachenau. Als die Schneewalze am Mittwoch anrollte und ihre Schneemaßen erstmals abgeladen hat, konnte bald darauf die Staatsstraße nicht mehr befahren werden. Durch die weiße Last auf den Bäumen, seien diese teilweise abgebrochen und auf die Verkehrsverbindung gestürzt und kappten sogar die Stromleitung. „Die Einsatzkräfte konnten nur noch per Funk mit der Jachenau kommunizieren“, berichtet der Landrat.

Nach dem Schnee folgte dann am Wochenende Regen: Eine schwere Mischung. Die Schneelast auf vielen Dächern kletterte daraufhin auf einen dreistelligen Gewichtswert. Eine brenzlige Situation, die sich in der Region verschieden auswirkte. Der Landrat erklärt: „Der Landkreis war unterschiedlich betroffen von den Mengen.“ Während die Jachenau im Schnee versinkt, blieb das Loisachtal weitestgehend verschont von einer Katastrophe.

Nichtsdestotrotz musste die Örtliche Einsatzleitung, die im Landratsamt ihr Lager aufgeschlagen hatte, einiges koordinieren. Einsatzleiter Alfred Schmeide und sein Team leiteten von dort aus die Einsätze, dabei wurde der Landkreis in vier Bereiche aufgeteilt: Der Norden mit Wolfratshausen, Egling und Münsing. Die Mitte umfasste die Stadt Geretsried und Dietramszell und der Süden teilte sich wiederum auf: und zwar mit Kochel am See im Westen und Bad Tölz bis in die Jachenau im Osten.

Während der Donnerstag mit der Planung der Einsätze und Koordination der vielen Helfer von statten ging. Wurde bereits am Freitag den ganzen Tag geschaufelt und geräumt, berichtet Schmeide. Hauptaufgaben lagen beim Befreien der Dächer von der Schneelast auf öffentlichen Gebäuden, Schulen und Ämtern. Dabei wurde in zwei zwölf Stunden Schichten gearbeitet – also rund um die Uhr. „Die Kräfte waren schnell am Ende ihrer Kräfte“, erklärt Schmeide weiter. Um die Helfer wieder auf die Dächer zu bringen, verpflegte das BRK sie per Feldküche. Außer den Helfern aus Niederbayern, ergänzte Niedermaier schmunzelnd: „Die haben ihre ganze Verpflegung selbst mitgebracht und sogar noch andere mit verköstigt.“

Trotzdem aller Vorsicht und Unterstützung für die Helfer, musste Schmeide auch ein paar Verletzte melden: Insgesamt haben sich beim Schneeeinsatz sechs Helfer wehgetan. Allerdings handelte es sich dabei um leichte Verletzungen, wie Zerrungen und Quetschungen. Einen Feuerwehler traf ein Ast im Gesicht und er trug dadurch eine Blessur am Auge davon, so Schmeide. Niedermaier erinnerte aber auch an den tragischen Unfall, bei dem ein 48-Lenggrieser ums Leben kam. Wie berichtet, stürzte der Schneepflugfahrer beim Räumen der Straßen mit seinem Vehikel bei Vorderriß in die drei Grad kalte Isar und erlag später seinen Verletzungen. „Es war lähmend“, betonte der Landrat, dennoch haben am nächsten Tag „alle wieder ihren Dienst angetreten“, lobte und betonte Niedermaier.

Besonders betonten möchte der Landrat auch die Situation des K-Falls, Der nicht bedeute, dass „gleich die Welt untergeht“. Vielmehr handle es sich dabei um eine Verwaltungsangelegenheit, um kurze Wege zwischen den Ämtern und den Ministerien zu gewähren. „Über tausend Kräfte müssen koordiniert werden, dabei stellt der K-Fall eine sauberer Struktur her und arbeitet diese ab.“ Aber trotz allem gehe das öffentliche Leben weiter, wenn auch mit Einschränkungen.

Auch seien keine größere Schäden an Gebäuden entstanden. Zur Kostenfrage des K-Falls kann Niedermaier derzeit noch nichts sagen: „Die einzelnen Gemeinden müssen erst mal die Kosten berappen, die Rechnungen sammeln und dann werden diese bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Die 80 Prozent der Kosten bei einem Katastrophenfall übernehmen.

Trotz der ganzen Arbeit für die Helfer gab es aber auch schöne Momente: So entstanden Freundschaften beim gemeinsamen Schneeschaufeln. So würde mit den Kehlheimern und Straubingern vereinbart, sich gegenseitig beizustehen, berichtet Schmeide. „Wenn Sie mal Hochwasser haben, dann kommen wir.“ Unterm Strich, „sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, fasst der Örtliche Einsatzleiter des K-Falles die Gesamtsituation zusammen. Niedermaier: „Das, was hier geleistet wurde, verdient allerhöchstes Lob und Respekt.“

Daniel Wegscheider

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