Pfandflaschen sind keine Rente

Kaum wahrgenommen: die Mahnwache „Fridays gegen Altersarmut“

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Klein-Demo gegen Altersarmut: Organisiert von Jennifer Valenti (2.v.r.) trafen sich vier Betroffene auf der Tölzer Marktstraße. Darunter Günther Völkl (2.v.l.) und Arno Lafrentz (3.v.l).

Bad Tölz – Die heutige Jugend möchte später in einer Welt leben, in der es für sie und ihre Nachkommen noch lebenswert ist – dafür gehen sie bekanntermaßen jeden Freitag auf die Straße und demonstrieren. Nun melden sich auch die Erwachsenen – und viele Alte. Sie lehnen sich am Protestmarsch „Fridays-for-Future“ an und wollen ihrerseits die Politik für das Recht in Würde zu altern aufmerksam machen. „Fridays gegen Altersarmut“ ihre Parole.

Sie wollen gehört und gesehen werden, doch bei ihrer ersten Mahnwache auf der Tölzer Marktstraße hat sie wohl kaum einer wahrgenommen: Arno Lafrentz sticht eigentlich mit seiner hellblauen Winterjacke am Marienbrunnen hervor, doch er seht dort alleine mit seinem Pappschild: „Wir stehen auf und werden laut, weil ihr uns unsere Rente klaut.“ Laut wurde es dann nicht, auch aufgestanden sind nur wenige.

Eigentlich sollte die Mahnwache für die Aktion „Fridays gegen Altersarmut“, die am Freitag bundesweit an rund 200 Standorten abgehalten wurde, auch in der Isarstadt Aufmerksamkeit erregen und Betroffene mobilisieren. Gekommen sind neben Lafrentz selbst vier weitere, darunter die hiesige Organisatorin Jennifer Valenti. Auch die 26-jährige Tölzerin hat ein selbstgeschriebenes Schild aus Pappe mit dabei, als sie am angesetzten Treffpunkt für die Demonstration ankommt. „Pfandflaschen und Tafel ersetzten keine Rentenpolitik“, steht darauf geschrieben.

Dies kann Günther Völkl nur bestätigen. Der 64-Jährige sitzt im Rollstuhl und erwähnt Kosten, die seine Rente übersteigen: „Pflegebedarf, Medikamente, Kleidung, Essen“, zählt er auf und schildert aus seiner Sicht, dass „Rentner sparen und billig einkaufen müssen. „Ab Mitte des Monats habe ich kein Geld mehr.“ Darum ist Völkl heute extra aus Bad Heilbrunn angereist, und will auf Probleme aufmerksam machen und schimpft gegen eine ungerechte Rentenbesteuerung. „Die Jungen gehen auf die Straße, wir müssen uns auch rühren, damit der Staat auf uns aufmerksam wird.“

Auch Lafrentz ist betroffen, lebt von knapp 500 Euro im Monat: Der gelehrte Hotel- und Restaurantfachmann musste vor sieben Jahren gesundheitsbedingt seine Arbeit aufgeben, bezieht seither eine Erwerbsminderungsrente. Obwohl er 30 Jahre gearbeitet und wie er sagt in „das System“ eingezahlt hatte. Allerdings habe er auch sechs Jahre in der USA gearbeitet. Die Zeit anrechnen zu lassen, sei mit Kosten verbunden, die sich Lafrentz nicht leisen kann „Ich lebe wie ein Hartz IV-Empfänger.“

Valenti ist innerhalb der sozialen Medien bei Facebook auf die Initiation „Fridays gegen Altersarmut“ gestoßen. „Endlich mal eine Gruppe, die Sinn macht“, sagt die Tölzerin und Mutter zweier Kinder. Und betont: „Wir gehören keiner Partei an und distanzieren uns von Rechtsextremisten.“ Die Frage steht immer wieder im Raum, da politische Gruppierungen die Forderungen der Gruppe aufgriffen und sich auf ihr rechtes Banner geschrieben hatten, Medien berichteten mehrfach über eine Nähe zur AfD.

Valenti ist noch jung und, da sie keine Berufsausbildung hat, was ihre spätere Rente betrifft, aber selbst betroffen. Für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgt derzeit ihr Ehemann. „Dass Rentner mit nur 800 Euro leben müssen, kann nicht sein“, sagt sie. Was bleibe nach Abzug von Miete, Strom, und Essen – „nichts“, betont Valenti und lässt sie enttäuscht in die Zukunft blicken. Auch, dass so wenig zur Mahnwache gekommen sind macht sie „Traurig“. Daniel Wegscheider

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