Keine Isar-Floßfahrten

Flößereibetriebe sagen schweren Herzens Saison 2020 komplett ab

Spritziger Spaß, der derzeit nicht möglich ist: die Floßrutsche Mühltal bei Straßlach. Mit 42 Stundenkilometern geht es dort 345 Meter hinab. Wegscheider

Landkreis – Die drei Flößereibetriebe in der Region haben eine schwere, aber konsequente Entscheidung getroffen: Sämtliche Floßfahrten auf der Isar und der Loisach von Wolfratshausen zur Münchner Floßlände sind für heuer aufgrund der Corona-Auflagen abgesagt.

Hunderte Festmeter Holz haben die Flößermeister bei sich lagern, das für diese Saison nicht für den Bau der Flöße genutzt werden kann. Auch die Rudermänner der jeweiligen Flößereien sitzen derzeit auf dem Trockenen, sie sind in Kurzarbeit oder haben sich für den Sommer bereits eine andere Arbeit gesucht. Heuer werden sie für die Vergnügungsfahrten auf jeden Fall nicht mehr die Passagier-Flöße auf der Isar vorbei an Pupplinger Au, Aumühle, Mühltal und Georgenstein in die Landeshauptstadt lenken. Da eine mögliche Infektionsgefahr zu hoch ist auf den 18 mal sieben Meter großen Flößen, die rund sechzig Personen Platz bieten.

Wenn Josef Seitner zurückblickt, kann der alte Flößermeister aus Wolfratshausen sich nicht erinnern, dass die Fahrten einmal nicht stattgefunden haben. Ausgenommen in den 1940er-Jahren in Zeiten des Krieges. Ansonsten trieben seit jeher mit Beginn des Holzhandels und später mit dem Betrieb der Vergnügungsfahren die massiven Konstruktionen aus zusammengebundenen Fichtenstämmen auf der Isar. „Corona ist schädlich“, sagt Seitner, denn eine Floßfahrt mit Mund- und Nasenschutz, Desinfektionsmittelspender und maximal 20 Personen an Bord „ist keine Floßfahrt mehr“.

Lesen Sie dazu auch die Reportage: "Wiesnstimmung auf der Isar"

Auch Michael Angermeier ist schon lange im traditionellen Fluss-Geschäft. Und der Flößermeister aus Arzbach teilt den Frust: „Bitter schaut es heuer her“, seufzt er. Obwohl über den Winter sämtliche Vorbereitungen getroffen wurden und der Sommer bei Angermeier, Seitner und Franz Seitner, dem dritten Flößerbetrieb im Bunde, ausgebucht war, konnten sie alle aufgrund der prekären Situation Anfang Mai nicht in die Saison starten. „Mit jeder neuen Entscheidung der Landesregierung mussten wir unsere Fahrten immer wieder für einen kurzen Zeitraum stornieren und warten“, berichtet Monika Heidl-Seitner vom Flößerbetrieb Franz Seitner. „Immer in der Hoffnung, dass sich die Situation verbessert.“ Doch das ist nicht passiert. 

"Niemand möchte ein Ischgl auf der Isar“

Lange bangten die drei Flößereibetriebe in der Region, ob sie heuer mit ihren Fahrten überhaupt in die Isar stechen können. Doch jetzt sind sie sich einig: die geforderten und notwendigen Hygienevorgaben sind dort nicht umsetzbar. Und so entschieden sie, die diesjährige Saison ins Wasser fallen zu lassen. Es sei ein Punkt erreicht, „an dem es nicht nur für uns, sondern auch für unserer Personal, unsere Kooperationspartner und vor allem für unsere Kunden einer gewissen Planungssicherheit bedarf, die uns auch in den nächsten Wochen nicht gegeben sein wird“, berichtet Monika Heidl-Seitner weiter. Mit den fortschreitenden Lockerungen in Bayern sei deutlich geworden, „dass auch ein verspäteter Saisonbeginn bei unseren Fahrten nicht risikofrei möglich sein wird, ohne den derzeitigen positiven Verlauf der Infektionslage möglicherweise zu gefährden.“

Die Nachfrage für die Vergnügungsfahrten war wie jedes Jahr groß, doch mit Corona ging dann auch die Angst einher. So hätte ein Großteil der Kunden Besorgnis vor einer etwaigen Ansteckung geäußert, sagt Michael Angermeier. Auf der anderen Seite gab es aber auch Isar-Begeisterte, die sich davon nicht abschrecken ließen, und auf jeden Fall ihre Fahrt antreten wollten – Corona hin oder her. Doch die Gesundheit und erforderliche Minimierung der Infektionsmöglichkeiten stand für alle drei Flößereibetriebe an erster Stelle: „Niemand möchte ein Ischgl auf der Isar.“ Und so hoffen sie alle auf eine gute Saison im nächsten Jahr; diese startet bekanntermaßen am ersten Mai und endet mit der „Eisfahrt“ Mitte September, die Jahresabschlussfahrt der Flößer von Wolfratshausen nach München.

Flößer schlagen sich durch

„Wir schlagen uns schon irgendwie durch“, resümiert Angermeier über diesen Sommer. Das gelagerte Holz für die täglichen Floßbauten packt Angermeier erst einmal zum „Überwintern“ ein. Holz, dass die Flößer jeden Tag bei ausgelastetem Betrieb benötigen – denn die Flößer zimmern jeden Tag, früh morgens, die 20 Tonnen Holz-Kolosse für die Touristen zusammen.

Auch Josef Seitner hat nun viel Holz vor seiner Ablegehütte. Seine Flöße starten im Ortsteil Weidach, dann befahren sie die letzten Flussmeter der Loisach, bis diese nach knapp einem Kilometer ebenfalls in der Isar münden. Seitner wird dagegen nicht jeden Fichtenstamm behalten, sondern rund die Hälfte wieder verkaufen, sagt er. Und das tut nicht nur finanziell weh, denn die Stämme wählt Seitner Jahr für Jahr einzeln für die Floßfahrten aus: „sie müssen schön gerade und rund ohne Buckel sein“, berichtet er, damit sie sich optimal für den Floßbau eignen. Allerdings sei momentan der Holzpreis schlecht: Schuld daran ist der Borkenkäfer, der die Preise auf einen „Tiefstand“ sinken hat lassen, so Seitner.

Spätes Erbe für eine lange Tradition

Besonders bitter: Wie berichtet, wurden die Passagierfloßfahrten heuer als Immaterielles Kulturerbe anerkannt: Dafür haben die drei Flößereibetriebe zusammen mit dem Flößerkulturverein München-Thalkirchen den Antrag beim „Bayerischen Staatsministerium für Finanzen und Heimat“ gestellt. „Im Frühjahr sind wir aufgenommen worden und jetzt haben wir so einen Sommer, wo wir nicht fahren können“, seufzt Angermeier. Die Flößermeister freuen sich nun auf die kommende Saison „ohne Corona“, um bei ihren Fahrten wieder die Isar hinunter paddeln zu können. Und Josef Seitner ergänzt schmunzelnd: „Die sind gut für Seele und Gemüt“. Daniel Wegscheider

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