Renaturierung im Zellbachtal 

Klimaschutzprogramm: LBV stellt Projekt vor

Georg Floßmann (Baggerunternehmen), Birgit Weis (LBV-Gebietsbetreuerin), Georg Floßmann (Waldpflege) und Elisabeth Pleyl (Naturschutzbehörde)
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Besprechung im Moor: (v.l.) Georg Floßmann (Baggerunternehmen), Birgit Weis (LBV-Gebietsbetreuerin), Georg Floßmann (Waldpflege) und Elisabeth Pleyl (Naturschutzbehörde).
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Der Landkreis ist sehr aktiv im Moorschutz. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) stellte jüngst sein abgeschlossenes Renaturierungsprojekt vor.

Mit elf Prozent Filzflächenanteil zählt der Landkreis zu den moorreichsten Regionen Südbayerns. Die Renaturierung wurde im Rahmen des Bayerischen Klimaschutzprogramms von der Regierung von Oberbayern gefördert.

Im Naturschutzgebiet Zellbachtal wurden auf einer Teilfläche des Bairawieser Moores vier Hektar wiedervernässt. Hierzu wurde in die bestehenden Gräben und Torfstiche 16 massive Torfdämme eingebaut und Gehölze im Anstaubereich entnommen. Die Arbeiten fanden bei nahezu „idealen Bedingungen“ im Januar und Februar statt, denn aufgrund von Frost waren die obersten Torfschichten gefroren und so konnte schonend gearbeitet werden, berichtet die LBV-Gebietsbetreuerin Birgit Weis.

Digitales Geländemodell

Mehrere Jahre Vorarbeit, vor allem Aufklärungsarbeit wurde geleistet, bis das Projekt starten konnte. Die Umsetzung erfolgte auf Flächen von zwei privaten Eigentümern, des Isartalvereins sowie auf Flächen des Landkreises und LBV. Bei der Planung der Dammbauten erhielt Letzterer Unterstützung von Fachkräften der Regierung von Oberbayern, die etwa ein digitales Geländemodell zur Verfügung stellten. So konnten Lage und Größe der Dämme optimal geplant werden. Die Maßnahme erfolgte in Abstimmung mit Unteren und Höheren Naturschutzbehörde, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaften und Forsten Holzkirchen, der Wasserrechtsbehörde im Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim. Auch die Gemeinde Dietramszell gab eine positive Stellungnahme ab und bezeichnete das Vorhaben als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Zellbachtal jüngstes Naturschutzgebiet

Das 130 Hektar große Naturschutzgebiet Zellbachtal ist das jüngste Naturschutzgebiet (NSG) im Landkreis: Es erstreckt sich östlich des Dietramszeller Ortsteil Bairawies sowie entlang des Zellerbachs nach Norden und Süden. Das Gebiet wurde erst Ende 2002 unter Schutz gestellt, nachdem in den 1980er-Jahren Planungen für eine Kreismülldeponie in dem Gebiet bekannt geworden waren. Eine Bürgerinitiative konnte die Deponie verhindern und die Unterschutzstellung des Zellbachtals erreichen.

100 bedrohte Arten

„Knapp 100 bedrohte Arten der Roten Liste Bayern konnten im Gebiet nachgewiesen werden“, berichtet Weis weiter. Zu den stark gefährdeten Arten zählen Lungenenzian oder die Schmetterlinge Goldener Scheckenfalter und Enzian-Ameisenbläuling. Auch ein kleiner Bestand der Strauchbirke, eine strauchförmige Miniaturbirke, die ein Relikt der Eiszeit ist, kommt hier vor.

„Das Zellbachtal ist auch herausragend wegen seiner Vielfältigkeit und dem kleinräumigen Wechsel an Lebensräumen mit Streuwiesen, naturnahem Zeller Bach, Hochmoor, Bacherlenwäldern und Moorwäldern“, erklärt Weis. Um 1920 war das Bairawieser Moor weitgehend unbeeinflusst. „Zu dieser Zeit konnte man, wie in vielen Mooren des Alpenvorlands, auf den weitgehend offenen Moorflächen noch Birkwild beobachten.“

Weis sagt: „Nur durch eine Wiedervernässung kann das Bairawieser Moor langfristig erhalten werden, denn durch die Durchlüftung und Austrocknung wird die Torfschicht Jahr für Jahr geringer.“ Der LBV übernahm im Jahr 2006 die Betreuung des Gebiets. Die Kreisgruppe konnte seither Flächenankäufe im Gebiet tätigen und pflegt einzelne Streuwiesen.

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