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Hinter dicken Klostermauern

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Das Kloster Beuerberg öffnet sich mit der Ausstellung „Klausur – Vom Leben im Kloster“ erstmals für Besucher. Hier können Interessierte einen Blick in das klösterliche Leben der einstigen Salesianerinnen werfen. Dabei können auch die einstige Apotheke, eine Klosterzelle oder der Likörkeller besichtigt werden, wie Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums Freising, bei einem Rundgang vorab durch die Ausstellung zeigte. © Julia Nadler

Beuerberg – Zurückgezogen hinter kalten Klostermauern, so lebten einst die Salesianerinnen im Kloster Beuerberg. Nun öffnet das Kloster im Rahmen einer Ausstellung erstmalig seine Pforten der Öffentlichkeit.

Ein großes weißes Himmelbett dominiert die spartanisch eingerichtete Zelle. Daneben findet sich ein kleiner brauner Holztisch sowie eine Kommode, auf der eine Waschschüssel aus Porzellan steht. Und über alles wacht Jesu Christi, der an einem Kruzifix an der Wand hängt. In solchen Zellen wohnten einst die Nonnen des Klosters Beuerberg – ganz ohne weltlichen Schnickschnack. Zwei Jahre ist es jetzt her, dass die letzten 13 Ordensschwestern das Kloster verlassen haben. Nun gewährt die Ausstellung „Klausur – Vom Leben im Kloster“ einen Einblick in das zurückgezogene Leben der Salesianierinnen und öffnet dabei erstmals die Klosterpforten für Besucher.

„Oftmals waren die Winter so kalt, dass das Wasser sogar in den Waschschüsseln gefror“, erzählt Christoph Kürzeder, der Leiter des Diözesanmuseums in Freising, bei einem Rundgang durch die Sonderausstellung im Kloster Beuerberg. Aber nicht nur wegen der extremen Kälte schwörten die Ordensschwestern auf ihre geliebten Himmelbetten, die die Wärme beim Schlaf wenigstens etwas bewahrten. Sondern die Baldachine schützten die Nonnen in der Nacht auch vor herunterfallendem Ungeziefer. Denn sie neigten – wie andere Frauen eben auch – durchaus zur Hysterie, wenn es um die acht-beinigen Krabbeltierchen ging. Zahlreiche Anekdoten – wie diese – weiß Kürzeder zu erzählen, der eigens für die Ausstellung zahlreiche Gespräche mit den einstigen Ordensschwestern des Klosters Beuerberg geführt hat. Keine Selbstverständlichkeit, denn bei den Salesianerinnen handelt es sich um einen kontemplativen – der Welt abgewandten – Orden.

Um so faszinierender gestaltet sich nun der Einblick in das einstige klösterliche Leben in Beuerberg. Denn trotz ihres Lebens in Askese, das sich vor allem in den kargen Wohnzellen widerspiegelt, seien die anderen Räume laut Kürzeder mit Mobiliar, Kunstgegenständen und Hausrat von rund 70 Nonnen regelrecht überfrachtet gewesen. Kein Wunder also, dass es Monate gedauert hat, all die kunsthistorischen Schätze zu sichten und in der Ausstellung zur Geltung zu bringen, um den einstigen Kosmos des Klosterlebens auch für jeden greifbar zu machen.

Über 150 Jahre bewohnten und bewirtschafteten die Salisianerinnen das Kloster Beuerberg. Diese übernahmen 1846 das Kloster, das einst 1121 von den Augustiner-Chorherren gegründet – jedoch 1803 aufgrund der Säkularisation aufgegeben wurde. „Da das Kloster ursprünglich als Herrenstift geplant war, nahmen die Nonnen einige bauliche Veränderungen vor“, betont der Leiter des Diözesanmuseums in Freising, Christoph Kürzeder. Diese seien aber nun größtenteils durch das Erzbistum München-Freising, das das Kloster nach dem Auszug der letzten 13 Ordensschwestern vor zwei Jahren übernommen hat, wieder rückgängig gemacht worden. „Eine Tatsache, die die Nonnen schmerzen wird“, erklärt Kürzeder. Denn oft wüssten sie noch haargenau, welche Gegenstände in welchem Schrank zu finden seien. Dennoch seien die Rückbaumaßnahmen notwendig gewesen, um das einstige Leben in strenger Klausur auch in all seinen Facetten darstellen zu können.

Bestes Beispiel für eine solche Rückbaumaßnahme bildet der Besucherraum des Klosters, in dem auch der Rundgang durch die Ausstellung beginnt. Hier findet sich ein gewaltiges stählernes Eisengitter. Nur durch dieses Trenngitter konnten die Nonnen einst Kontakt mit der Außenwelt pflegen – wenn es notwendig war. Erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 gab es hier Lockerungen: Das Gitter wurde abgebaut.

Jedoch hielten die Salesianerinnen trotz kirchlicher Lockerungen an vielen Gebräuchen fest. Der Eintritt einer Novizin in das Kloster erfolgte so stets in einem weißen Hochzeitskleid – sinnbildlich als Braut Jesu Christi. Wenn die Novizin dann gelobt hatte, in Armut, Keuschheit und Gehorsam bis zu ihrem Tod zu leben, legte sie den schwarzen Schleier und ein Brustkreuz – als Ringersatz – an.

Doch obwohl die Schwestern in Zukunft nach dem Vorbild Mariens nach Vollkommenheit streben sollten, „verloren sie nie ihre mädchenhafte verspielte Seite“, wie Kürzeder betont. So fertigten sie für das Jesuskindlein die verschiedensten Kostüme an, wie etwa ein Matrosenjäckchen, eine Gärtnerhose oder ein Jagdröckchen. So finden sich in zahlreichen Vitrinen auch Unmengen an frommen Basteileien und selbstgemalten Postkarten.

Neben diesen Schätzen trifft der Besucher in den Ausstellungsräumen zudem auf einen unermesslichen Bestand aus Hausrat. Nicht umsonst ist das Kloster für Kürzeder jetzt schon „das Haus der 1.000 Vasen, der 1.000 Schachteln und der 1.000 Kerzenleuchter“. Deswegen sollte sich ursprünglich die Ausstellung auch über drei Stockwerke erstrecken. Jedoch machte der Brandschutz hier laut Kürzeder einen Strich durch die Rechnung. Dennoch hat der Leiter des Diözesanmuseums Freising es zusammen mit seinen Mitarbeitern geschafft, einen bunten und eindrucksvollen Querschnitt durch den unermesslichen Fundus der Nonnen wiederzugeben.

Ein besonderes Highlight der Ausstellung bildet die Klosterapotheke von 1861. Neben zahlreichen Kräutern, Pulvern und Pastillen – aufbewahrt in gläsernen Apothekengefäßen und hölzernen Schubladen – finden sich hier auch geistliche Medikamente wie das Walburgisöl. „Hierbei handelt es sich um eine Flüssigkeit, die aus dem Sarkophag der heiligen Walburga in Eichstätt austritt und als wichtiges Heilmittel in den verschiedensten Fällen Anwendung fand“, betont Kürzeder.

Neben der Apotheke stellt aber auch der immense Likörkeller der Salesianerinnen mit seinen gut 100 großen bauchigen Glasflaschen einen weiteren Höhepunkt dar. Hier brauten die Schwestern ihren weit über die Klostermauern hinaus bekannten Löwenzahnlikör – „Die Kloster Beuerberger Naturkraft“. Bei der Likörherstellung halfen die Beuerberger Schulkinder einst den Nonnen, indem sie Löwenzahn pflückten. Für diesen ganz besonderen Auftrag im Namen des Herrn erhielten die Schulkinder einen Tag im Jahr schulfrei. „Bezahlt wurden sie dabei für ihre Pflückkünste in Süßigkeiten“, erzählt Kürzeder.

Wo früher die Nonnen speisten, im so genannten Refektorium, kann dann der Löwenzahnschnaps nach der Ausstellung vom Besucher genossen werden. Denn Stella Igl und Maxie Denk haben eigens für die Zeit der Ausstellung wieder die Klosterküche in Betrieb genommen. Gekocht wird hier mit Kräutern aus dem Klostergarten und Produkten von Bauern und Betrieben aus der Umgebung. Die Ausstellung offenbart das Klosterleben aber nicht nur durch die Originalräume und die immensen historischen Schätze, sondern lässt auch die ehemaligen Schwestern selbst zu Wort kommen. Dafür wurde eigens ein Pavillon im Klostergarten aufgebaut. Hier können Videointerviews der Schwestern sowie Fotos des Münchner Fotografen Thomas Dashuber, die direkt vor dem Auszug entstanden, angeschaut werden. Dadurch schafft es die Ausstellung einen vielfältigen und umfangreichen Blick in eine 160-jährige Klosterwelt zu geben, die sonst Gefahr laufen würde, unbemerkt und leise in Vergessenheit zu geraten.    Julia Nadler

Die Ausstellung hat bis 16. Oktober jeweils Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Gleichzeitig werden hier auch zahlreiche Workshops und Veranstaltungen rund um das Klosterleben angeboten. Weitere Infos dazu finden sich online unter www.dimu-freising.de.

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