Jagdsaison im Garten

Expertin Rosi Manhart rät: eigenes Saatgut zu gewinnen, ist besser als aus dem Supermarkt

Garten im Kloster Beuerberg
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Seit rund fünf Jahren hat Rosi Manhart die Blumenpracht des Klosters Beuerberg unter ihren Fittichen.

Beuerberg – Mit den ersten Herbsttagen beginnt für Gärtner die Erntezeit, aber auch die Jagdsaison nach eigenen Samen. Gartenexpertin Rosi Manhart zeigte im Kloster Beuerberg, wie das mit der eigenen Gewinnung von Samen geht.

Früher eine gängige Praxis, um Lieblingsblumen und -gemüse auch im kommenden Jahr wieder ernten zu können. Heute eher selten, weil viele zur Samenpackung aus dem Gartenfachmarkt greifen. Selbst Supermärkte haben Samentütchen im Sortiment.

Wirklich schön sieht das Beet nicht mehr aus. Zwischen noch wenigen blühenden Blumen verblühte Stängel. „Weg damit“, meinen viele Hobbybotaniker und wissen gar nicht, welchen Schatz sie da gerade der Biotonne zugeführt haben. Wenn Mohn, Akelei und Lupinen verblühen und die Samenstände reifen, geht es für Rosi Manhart richtig los.

Manhart, die einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Beuerberg führt, inspiziert regelmäßig den Klostergarten nach Verblühtem. Seit fünf Jahren kümmert sie sich um die Blumenpracht im klösterlichen Anwesen. In Workshops gerade in den August- und Septemberwochen zeigt sie Teilnehmern den Blick auf lebenspendendes Totes.

Bei einem Streifzug durch den Klostergarten öffnet die Gartenfachfrau Laien die Augen: „Nur in den unscheinbaren, grau-braunen sterbenden und toten Blüten steckt das Leben“, wird Manhart fast philosophisch und hat das, was andere längst entsorgt hätten, im Visier. Fast täglich ändert sich das Bild. Haben noch Mitte August Akelei und Lupinen ihre Samen hergegeben, waren es Ende August beispielsweise Mohn, Jungfer im Grünen, Bartnelken oder Bechermalve.

„Wer Saatgut gewinnen möchte, sollte unbedingt zischen ein- und zweijährigen Pflanzen unterscheiden“, erklärt Manhart. Einjährige Pflanzen werden nicht mal ein Jahr alt und produzieren nach der Blüte viel Saatgut. Zweijährige Pflanzen dagegen keimen im Frühjahr oder im Herbst.

Manhart lenkt den Blick auf den abgeblühten Mohn. Wie Stempel sehen die toten Köpfe aus, „und doch enthalten sie hunderte von kleinen schwarzen Samenkörnchen“, erklärt sie. Vorsichtig öffnet die Gartenexpertin einen der braun-gewordenen Mohnkapseln und hat im Nu unzählige Samen auf ihrer Hand.

Nicht unbedingt müssen die Samen händisch angenommen werden. Dürfen Pflanzen wie Silberling, Mohn, Ballonblume oder Stockrose einfach durch den Garten vagabundieren, reicht es, der Natur freien Lauf zu lassen.

Samen zweijähriger Blumen wie die der Bartnelken oder Lupinen kommen bei Manhart jetzt schon in den Boden. Sind die Samen einjähriger Blumen „geerntet“, heißt es, sie unbedingt trocken, dunkel und kühl aufzubewahren – am besten in kleinen, beschrifteten Papiertüten. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Manhart hatte erst im Rahmen eines Workshops mit den Teilnehmern unzählige Tütchen in den verschiedensten Mustern und Dekors gebastelt – „eine tolle Idee auch zum Verschenken.“ Sandra Gerbich

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