Kritik an Vorschriften

Bauprojekt für neuen Kuhstall ärgert Königsdorfer Gemeinderäte

Das Bild von friedlich grasenden Kühen auf grünen Wiesen täuscht. Immer mehr Milchvieh verbringt sein Leben ausschließlich im Stall.
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Das Bild von friedlich grasenden Kühen auf grünen Wiesen täuscht. Immer mehr Milchvieh verbringt sein Leben ausschließlich im Stall.

Königsdorf – Keine Trabantenställe gewünscht: Das Bauprojekt für einen Milchviehlaufstall in an der Grundstraße in Königsdorf erhitzt die Gemüter im Gemeinderat.

Im Normalfall erregen Bauanträge, die den Gemeinderäten auf den Tisch flattern, kaum die Gemüter. Der Antrag auf den Neubau eines Milchviehlaufstalls in Königsdorf jedoch schon. An der Grundstraße im sogenannten bauplanungsrechtlichen Außenbereich soll der 45 mal 32 Meter große Stall errichtet werden. Für Vertreter der Unabhängigen Bürgerliste (UBL) ein Ärgernis: Wieder ein Trabantenstall, bei dem das Veto des Gemeinderats nichts zählt.

Immer weniger Landwirte in Oberbayern halten ihre Kühe auf der Weide. Doch eigentlich war es Tradition in weiten Teilen des Landes. Mit Beginn des Frühjahrs kommen die Milchkühe ins Freie. Aber auch in der wärmeren Jahreszeit bleiben mehr und mehr saftige Grünlandflächen leer. Rinder draußen zu halten, wird unter den Landwirten zur Ausnahmeerscheinung – sie zu sehen für den Otto-Normalbürger zur Rarität.

Bis die Realität in Deutschlands Milchviehhaltung zu den Verbrauchern durchgedrungen ist, wird es noch dauern. Schuld ist die Werbung. In Fernsehspots und auf Milchverpackungen wird den Konsumenten immer noch das Bild von friedlich grasenden Kühen auf grünen Wiesen vermittelt. Dennoch: Diese Haltungsweise rechnet sich für viele Landwirte nicht mehr. Wenn Kühe wählen dürften, würden sie wohl den Tag lieber unter freiem Himmel verbringen als in einem Milchviehlaufstall. Doch Kühe dürfen nicht wählen und deshalb kommen sie in einen Laufstall.

Der Antrag auf Neubau eines 45 mal 32 Meter großen Milchviehlaufstalls wie an der Grundstraße nördlich von Königsdorf muss den Gemeinderäten zwar vorgelegt werden. Da es sich dabei jedoch um ein sogenanntes privilegiertes Bauvorhaben handelt, nutzen Vetos aus Königsdorf gar nichts. Denn die Entscheidung wird ein paar Kilometer weiter im Landratsamt getroffen werden. „Wir haben doch sowieso nichts zu bestimmen, egal, ob uns das Teil gefällt oder nicht“, monierte Gemeinderat Bernhard Woisetschläger (UBL).

Er halte Trabantenställe nicht für die Zukunft der Landwirtschaft „und außerdem war ich der Meinung, wir wollten die Sichtachse auf Königsdorf immer freihalten.“ Johann Hartl (CSU) hingegen gönnt jedem seinen Stall. Doch auch er hätte ihn gerne woanders gesehen. Er schloss sich Woisetschläger an, der diese Form von Ställen nur als eine Übergangslösung betrachtete.

Die Unterschriften der Nachbarn lagen zum Zeitpunkt des Antrags noch nicht vor. Der Bau- und Verwaltungsausschuss wollte wissen, ob es ein Gesamtkonzept für das beantragte Vorhaben gebe. Laut Stellungnahme seien seitens des Bauherrn keine weiteren landwirtschaftlichen Gebäude geplant. Sandra Gerbich

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