Investitionen mit angezogener Handbremse

Königsdorf veranstaltet erste Bürgerversammlung: dabei zeichnete der Landrat eine düstere Wirtschaftsprognose

Landrat Josef Niedermaier
+
Landrat Josef Niedermaier schwor die rund 50 Königsdorfer auf eine längere Durststrecke ein.

Königsdorf – Die Grußworte von Josef Niedermaier hatten nicht viel Aufmunterndes an sich. Der Landrat schwor die rund 50 Königsdorfer auf eine längere Durststrecke ein.

Auch Rathauschef Rainer Kopnicky stellte in der ersten Bürgerversammlung im Landkreis zwar einige Investitionen in Aussicht, erhob jedoch einen mahnenden Finger. Zwar stehe das Dorf wirtschaftlich gut da. Dennoch sei nicht abzusehen, inwiefern das Corona­inferno zeitverzögert auch im beschaulichen Voralpenland eine Spur der Verwüstung ziehe, sagte Rainer Kopnicky.

Rund 50 Königsdorfer sind zur Bürgerversammlung in der Schulaula gekommen.

Keine Frage, Corona hat enorme wirtschaftliche Bremsspuren hinterlassen, stellte Josef Niedermaier zu Beginn seiner Ansprache anlässlich der ersten Bürgerversammlung im Landkreis klar. Der Landrat mahnte, dass die derzeitige wirtschaftliche Situation in Deutschland nicht das ganze Ausmaß des Desasters abbilde: „Durch die Insolvenzverlängerung bis Ende 2020 werden wir erst Anfang des kommenden Jahres die Quittung erhalten“, erklärte Niedermaier. Es seien viele Betriebe darunter, die „eigentlich jetzt schon Insolvenz beantragen müssten, aber den Antrag noch ein paar Monate hinauszögern können.“ Er sei in einer gewissen Sorge, dass unter anderem sinkende Steuereinnahmen und eine alternde Bevölkerung zu noch mehr Sozialausgaben führten als ohnehin schon anfallen.

Asyl und Übertourismus

Darüber hinaus sei das Thema Asyl wieder aufgeflammt. Erstaufnahmelager seien überfüllt. „Und wir hatten auch schon wieder erste Gespräche mit Landräten, weil die Regierung wieder auf der Suche nach neuen Einrichtungen ist“. Da sei nicht gerade Begeisterung aufgekommen – „weder bei den Nachbarn, noch bei der Verwaltung, noch bei den Gemeinden.“

Ein Thema traf die Königsdorfer ganz besonders, das Problem zunehmenden Verkehrs. Zwar leide das Dorf nicht so sehr wie etwa Kochel am See oder Grainau unter dem „Overtourismus“, aber auch Königsdorf hat in den letzten Monaten ein erhöhtes Verkehrsaufkommen registrieren müssen. „Normalerweise sind immer zehn bis zwölf Prozent der Deutschen nicht da“, rechnete Niedermaier vor. Corona wegen seien es seit Mitte März nur noch anderthalb bis zwei Prozent, die sich gleichzeitig außerhalb Deutschlands aufhielten. Schon jetzt breche alles auseinander, und wenn der Zuzug noch weiter steige, sei kein Ende des Problems abzusehen. „Wir brauchen einerseits den Tourismus, müssen aber andererseits schauen, dass wir unsere Einheimischen schützen und unsere Natur, deretwegen die vielen Menschen kommen.“

Haushaltsetat der Gemeinde

Bürgermeister Rainer Kopnicky informierte über die derzeitige Haushaltslage und geplante Investitionen in Königsdorf. Priorität bei den Ausgaben habe die Stärkung Königsdorfs als Schulstandort und damit der Turnhallenneubau. Zwei bis drei Millionen Euro soll die Einfachturnhalle an der Beuerberger Straße Ecke Sedlmaierstraße kosten. Der Rathauschef hofft auf Fördermittel. In dem Gebäude sollen auch Räumlichkeiten für Ganztagsschule und die Mittagsbetreuung entstehen. Was mit der alten Turnhalle passiert, ist laut Kopnicky noch unklar.

Zu den weiteren Bauvorhaben gehörten die Erweiterung des Bauhofs, der Straßenbau und die Sanierung der Kläranlage Schwaighofen. Gerade der Starkregen Anfang Juli habe gezeigt, welche Straßen in einem schlechten Zustand seien. Weitere Themen waren Breitbandausbau, die Verlängerung der S-Bahn und Wohnraum. Sandra Gerbich

Auch interessant

Kommentare