Statt Punkt- perfekte Strichlandung gefordert

Segelflugzeugzentrum Königsdorf: beim diesjährigen Fritz Kraatz Gedächtnisfliegen 37 Starts an Elektro-Winde

Siegerehrung Max Vornehm
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Siegesehrung: (v.l.) Vorstand Alico Sternbeck, Sieger Max Vornehm und Schiedsrichter Oli Wolfinger.

Königsdorf – Inzwischen Tradition im Oktober, wenn die Thermik keine großen Streckenflüge mehr zulässt, das Fritz Kraatz Gedächtnisfliegen – heuer fand es zum 24. mal statt. Die Piloten des Segelflugzentrums Königsdorf trafen sich, um den 1996 verstorbenen Gründervater des Flugplatzes, Kraatz zu gedenken.

Segelfliegen ist ein ganz besonderer Sport. Fliegen ohne Motor, mit Sonne und Wolken, sich von Aufwinden tragen lassen, die Welt von oben aus der Vogelperspektive sehen. Wettbewerbe gibt es in diesem Sport seit genau 100 Jahren, im Jahr 1920 fand in der Rhön auf der Wasserkuppe der erste Segelflugwettbewerb statt. Über kurze Hüpfer kamen die damals 25 Piloten selten hinaus, der 500 Meter weite Flug von Willy Pelzner war damals eine Sensation. Heute fliegen die Piloten in ihren modernen Segelflugzeugen nicht selten in einem Stück über 1.000 Kilometer weit.

Beim Fritz Kraatz Gedächtnisfliegen handelt es sich um einen spaßigen Wettbewerb, berichtet Mathias Schunk, Pressesprecher des Segelflugzentrums Königsdorf. „Es geht nicht darum, möglichst weite Strecken zurückzulegen, sondern so nah wie möglich an einer Linie aufzusetzen. Nachdem es anfangs geregnet hatte, besserte sich das Wetter gegen Mittag um am Ende standen immerhin 37 Starts an der Elektro-Winde im Flugbuch.

Pilot der ersten Stunde: Fritz Kraatz

Übrigens: Kraatz war von 1958 bis 1982 Vorsitzender der Segelfluggruppe Isartal. Beim Zusammenschluss zur Segelflugplatzgemeinschaft Königsdorf im Jahr 1963 war er der Gründungsvorsitzende. Den Aufbau des Segelflugzentrums hatte Kraatz über viele Jahre hinweg engagiert mit gestaltet. „In seiner Amtszeit wurden die Weichen für den Ausbau der ehemaligen Sumpfwiese zu dem heute vorbildlichem und einem der sportlich erfolgreichstem Segelflugplätze in Deutschland gestellt“, erzählt Schunk. Heute profitieren knapp 400 Mitglieder mit mehr als 70 Segelflugzeugen von der Weitsicht und der unendlichen Kleinarbeit von Kraatz und seinen Mitarbeitern der ersten Stunde.

Viele Piloten von heute würden gar nicht mehr wissen, dass in den Anfangszeiten aufgrund des hohen Wasserstandes oft nur wenige Flugtage möglich waren“, sagt Schunk. Im Jahr 1961 etwa, als es in der Flugsaison nur sechs Tage waren, an denen ein Flugbetrieb möglich war. So organisierte Kraatz den Grundkauf und den Bau der Asphaltbahn, um unabhängig vom Wasserstand im Moor zu werden. Auch die Errichtung eines beschränkten Bauschutzbereichs und die unbefristete Platzgenehmigung gehen auf Kraatz zurück. „Er legte so den Grundstein für den heutigen Erfolg.“

Wanderpokal geht an 16-Jährigen

Den ersten Preis beim diesjährigen Ziellandewettbewerb in Königsdorf erflog sich der16-jährige Max Vornehm. Er landete das etwa 450 Kilogramm schwere Segelflugzeug vom Typ ASK 21 nur 1,5 Meter hinter der zu treffenden Aufsetz-Linie und erhielt damit den Wanderpokal. Nur 50 Zentimeter weiter weg von der Linie landete der 20-Jährige Lukas Keibel aus Geretsried.

Alexander Kraatz, Sohn des verstorbenen Fritz Kraatz, nahm gemeinsam mit Fluglehrer Benjamin Bachmaier teil. Sie belegten mit acht Meter Abstand Rang fünf. Einen der letzten Flüge absolvierten die beiden Lufthansa Kapitäne Oli Wolfinger und Mathias Schunk, in einer doppelsitzigen ASK 21: fünf Meter dahinter setzen sie das Hauptrad auf. Schunk zu seinem Copiloten schmunzelnd: „Zumindest haben wir uns nicht komplett blamiert.“ dwe

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