Fachtreffen gegen Wohnungsnot

Kommunales Wohnungsbaugespräch im Kurhaus Bad Tölz

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„In Sachen bezahlbarer Wohnungsbau muss die Politik unbedingt unterstützen“: Johannes Edmüller vom Bayerischen Ziegelindustrie-Verband (r.).

Bad Tölz – Das gesellschaftliche Megathema Bauen kann nur mit Unterstützung der Politik gemeistert werden. So sieht es die Bauinnung sowie der Bayerische Ziegelindustrie-Verband. Beide haben zu einem Wohnungsbaugespräch ins Kurhaus geladen.

Unter dem Motto „Bezahlbarer Wohnungsbau – nachhaltig, wohngesund und kosteneffizient“ diskutierten Herbert Kozemko, Obermeister der Bauinnung Bad Tölz, BZV-Vorstand Johannes Edmüller, Bürgermeister Josef Janker und stellvertretender Landrat Thomas Holz mit Vertretern aus Kommunen, Politik und Wirtschaft über die Lage auf dem Wohnungsmarkt und in der Bauwirtschaft. Zusätzlich informierten Bauexperten in kurzen Vorträgen darüber, wie Kommunen günstigen Wohnraum mit hoher Qualität schaffen können.

BZV-Vorstand Edmüller nannte den politischen Einfluss auf das Bauen immens. Die Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus 2001 und der Eigenheimzulage 2006 hätten wesentlich zur aktuellen Krise auf dem Wohnungsmarkt beigetragen. „Darum sind wir froh, dass die Staats- und die Bundesregierung mittlerweile wieder erkannt haben, dass das gesellschaftliche Megathema Bauen nur mit Unterstützung der Politik gemeistert werden kann.“ Vor allem aus dem noch jungen bayerischen Bauministerium erhofft er sich neue Impulse. Mehr Stabilität für die Bauwirtschaft brächten zum Beispiel steuerliche Regelungen, die den Verkauf von Baugrund für Landwirte attraktiver machen. Außerdem solle den Bauherren die Entscheidung überlassen werden, mit welchen Technologien und ­Baustoffen die Energieeinsparvorgaben erreicht werden. „Das würde Genehmigungsverfahren beschleunigen, das Bauen günstiger machen und damit den angespannten Wohnungsmarkt zügiger entlasten.“

In Zeiten, in denen sich vor allem einheimische Familien in der Region die in die Höhe steigenden Grundstücks- und Mietpreise immer weniger leisten können, sei der kommunale Wohnungsbau „eine der zentralen Aufgaben“, sagte stellvertretender Landrat Thomas Holz. Das Kommunale Wohnungsbaugespräch ist laut Bürgermeister Josef Janker ein Baustein, das Thema bezahlbaren Wohnraum aktiv anzugehen und die Debatte darum transparenter zu machen. In manchen Diskussionen über die richtige Bauweise höre er, dass nur Holzbau modern und Ziegelmassivbau aus der Steinzeit sei. „Aber ich lebe gerne in der Steinzeit.“ Der Mauerwerks-Ziegelbau habe sich über Jahrhunderte bewährt und komme ohne zusätzliche Dämm- und Dichtstoffe, Folien und Dampfsperren aus. „So kann man kosteneffizient, qualitativ hochwertig und ökologisch gut bauen“, so Janker.

Wie kommunales Bauen konkret günstig und sozial- und umweltfreundlich gestaltet werden kann, zeigten drei Bauexperten auf. Peter Bachmann, Geschäftsführer der Sentinel Haus Institut GmbH, ging auf Rechtsaspekte und Praxiskonzepte für gesündere Gebäude ein

Hans Epp, Inhaber der Nürnberger & Epp Bau GmbH, erklärte am Beispiel eines im vergangenen Jahr gebauten Mehrfamilienhauses mit sechs Sozialwohnungen in Warngau, wie einfach Kommunen als Bauherren die vorgegebenen Standards durch die Verwendung von Mauerziegeln erreichen können. „Das sollte in den Rathäusern ankommen, denn der kommunale Wohnungsbau wird künftig für günstigen Wohnraum sorgen müssen.“ Und Markus Gildner, Verwaltungsrat der Solgården GmbH, stellte die moderne Wohnsiedlungsgemeinschaft Niederfeld vor, die er mit der Stadt Frankfurt und dem Deutschen Roten Kreuz verwirklicht hat – mit 54 Smart Homes für 120 bedürftige Menschen, die nicht auf Komfort verzichten müssen. In den Reihenhäusern und Mehrfamilienhäuser in Passivhausbauweise leben Flüchtlinge, Alleinerziehende, junge Familien und Senioren beisammen. Die Gebäude sind energetisch besser als Niedrigenergiehäuser und mit bis zu 70 Prozent selbst erzeugtem Sonnenstrom versorgt. tka

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