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Konfliktfrei Flächen tauschen

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Wer heute durch Bichl fährt, findet ein Dorf vor, das ein homogenes Ortsbild mit adretter Dorfmitte hat. Doch das war nicht immer so: Noch vor über zehn Jahren war Bichl durch die B11 in Ober- und Unterdorf geteilt. Daran denkt heute kaum einer mehr. Doch der Weg dorthin war – und ist immer noch – ein spannender Prozess. Begleitet hat ihn Robert Schartl vom Amt für ländliche Entwicklung. Und er weiß, dass das „Projekt Bichl“ nur aufgrund eines intensiven Dialogs in trockene Tücher gebracht werden konnte. Über weitere Projekte im Landkreis berichtete er bei einem Pressegespräch im Landratsamt.

Flurbereinigung, freiwilliger Landtausch, Dorferneuerung. Die Aufgaben der Behörde, die dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist, sind die gleichen wie noch vor Jahrzehnten. Nur der Name änderte sich im Rahmen der Behördenreform: Zuvor hatten Grundstückseigentümer und Gemeinden mit der „Flurbereinigungsdirektion“ zu tun. „Das Auftreten der Behörden war damals anders als heute“, erklärte Schartl. Während damals schlichtweg von oben herab beurteilt wurde, begleitet das Amt heute einen „urdemokratischen Prozess“, wie Schartl betonte. Zunächst kommen grundstückseigentümer (wahlweise einzeln oder über ihre Interessensverbände) aber auch Gemeinden auf das Amt zu. Gemeinsam wird dann zunächst das Ziel der jeweiligen Maßnahme definiert – jeweils unter der Prämisse , „die Arbeits- und Lebensverhältnisse im ländlichen Raum zu verbesern“, wie Schartl informierte. Im Vorfeld vollzieht sich eine Bestandsaufnahme und ein oftmals langer „Findungsprozess“. Unter Moderation von Schartl werden demokratische Lösungen gesucht, die (im Idealfall) die verschiedenen Interessen der Landwirte oder Anwohner vereinen. Robert Schartl ist in Moderation und Konfliktlösung geschult, um die Differenzen der Beteiligten auszugleichen. Und wenn es um Landbesitz geht, kann es schnell heikel werden, wie er zu berichten weiß. Teils jahrhunderte alte Streitereien kommen da gerne wieder auf den Tisch. „Und es weiß eigentlich noch jeder ganz genau, wie der Streit los ging – doch wenn es ums eigene Land geht, will das nur keiner zugeben“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. Doch sind diese Hürden erst einmal überwunden, kann das eigentliche Projekt starten. Und die von Schartl begleiteten Maßnahmen tragen mitunter wesentlich zur Identitäts- und Gemeinschaftsbildung eines Ortes bei. Dafür hat das Amt für ländliche Entwicklung pro Jahr sieben bis zehn Millionen Euro für Oberbayern zur Verfügung. Für die sieben Projekte im Landkreis wurden bisher 1,7 Millionen an Zuschüssen gewährt. Der Umstand, dass Schartl in den vergangenen drei bis vier Jahren ein besonderes Interesse an den Maßnahmen seiner Behörde ausmacht, verwundert Landrat Josef Niedermaier kaum. Er nennt die Umstrukturierung in der Landwirtschaft als vorrangigsten Grund, Flurneuordnungen anzustreben. Denn Landwirte müssten heute eher großflächig wirtschaften. Dass in Begleitung des Amtes ein Grundstückstausch erfolgen kann, „kann da nur von Vorteil sein“. Und auch für die Dorferneuerung sieht Niedermaier mit Blick auf die Querelen in Bad Heilbrunn noch jede Menge Ansatzpunkte. „Doch dazu braucht es dort erst noch einen Findungsprozess.“

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