Auf Konfrontationskurs

Dr. Josef Hingerl trotzt Verbot und öffnet Golfspielbetrieb am Bergkramerhof

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Golfplatzrebell mit Atemschutzmaske: Dr. Josef Hingerl lässt sich von den Vorgaben der bayerischen Staatsregierung nicht einschüchtern.

Wolfratshausen – Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gilt im Freistaat Bayern aufgrund der Corona-Krise die Verordnung, dass Golfplätze noch bis einschließlich 10. Mai geschlossen bleiben müssen. Dagegen wehrte sich der Rechtsanwalt Dr. Josef Hingerl. Der Geschäftsführer der Golfanlage am Bergkramer Hof öffnete das Areal am Montag und reichte mehrere Klagen gegen das Verbot ein.

„Die Polizei war da und hat ein Ordnungswidrigkeitenverfahren aufgenommen. Das spielt aber keine Rolle, weil ich davon ausgehe, dass die Einstellung des Betriebs am heutigen Tage verfassungswidrig ist“, verriet Hingerl auf Nachfrage des Gelben Blatts. Zuvor hatte er in einem fünfseitigen Protestbrief an den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder sein Handeln ausführlich begründet. „Mit 72 Jahren gehöre ich zur Risikogruppe der Coronagefährdeten“, erklärte der Golfplatzinhaber. Um das Immunsystem zu stärken, seien „Sport und Bewegung an frischer Luft die beste Vorsorge“. Daher komme er zu der Erkenntnis, dass man von dem Extrem des Wegschließens jetzt endlich zum „Turnaround“ kommen müsse. Dem Betriebsverbot für Sportstätten erteilt der 72-Jährige eine klare Absage. Denn eine Ansteckung mit dem Coronavirus könne auf einem Golfplatz kaum passieren. „Sind 100 Menschen auf der Anlage, dann stehen ungefähr 7.000 Quadratmeter für jeden Spieler zur Verfügung und sehr viel gute Luft im Vergleich zu jeder anderen erlaubten Tätigkeit außer Haus“, rechnet Hingerl vor. Er verwies darauf, dass in anderen Bundesländern bereits wieder Golf gespielt werde und Grundrechte nicht durch Ländergrenzen definiert werden können. Deshalb gebe es keinen einzigen Grund, die Nutzung des Golfplatzes zu verbieten. Zwei Klagen hatte Hingerl bereits Ende April zum Verwaltungsgericht München eingereicht. Nach dem nun eingeleiteten Bußgeldverfahren wird eine Normenkontrollklage beim Verfassungsgericht folgen. „Eine unverhältnismäßige und damit rechtswidrige Einschränkung der Grundrechte kann ich nicht hinnehmen“, begründet Hingerl seine Entscheidung.

Am ersten Tag der Öffnung, war der Parkplatz am Bergkramerhof bereits am Vormittag gut gefüllt. Rund 100 Golfer nutzten das Angebot. „Wir kontrollieren die Abstände genau und haben Regeln eingeführt“, erklärte Hingerl gegenüber dem Gelben Blatt. So liefen die Golfer immer nur zu zweit und im Achtminutentakt nacheinander los. Viele zeigten sich glücklich, dass sie ihren Lieblingssport nun wieder ausüben können. „Ich stamme aus Schottland und kann ohne Golf nicht leben. Ich genieße es“, bedankte sich eine Frau bei Hingerl. Landrat Josef Niedermaier nahm bereits am ersten Tag der Öffnung Stellung: „Herr Hingerl begeht ganz klar eine Ordnungswidrigkeit, weil nach der Verordnung die Öffnung eines Golfplatzes und das Golfspielen dort nicht erlaubt ist. Ich empfinde es als zutiefst unsolidarisch gegenüber allen anderen Bürgerinnen und Bürgern, die sich ebenfalls unter Schmerzen an die verschiedensten Auflagen aus der Verordnung halten. Das ist eine Missachtung des Rechtsstaats und muss Konsequenzen haben“, fordert der Tölzer. Schon am Dienstag musste Hingerl seinen Golfplatz wieder schließen. Öffnen darf er ihn nun frühestens am Montag, 11. Mai. Peter Herrmann

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