„Grüner Kreislauf“

Klärschlamm-Trocknungs-Anlage für Reichersbeuern geplant

Biogas-Anlage „Am Kranzer“ in Reichersbeuern
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Die bislang ungenutzte Abwärme der Biogas-Anlage „Am Kranzer“ in Reichersbeuern soll für die Klärschlamm-Trocknungs-Anlage eingesetzt werden.

Reichersbeuern – „Eine absolut neuartige Anlage, die es so noch nirgendwo gibt.“ So führte Bürgermeister Ernst Dieckmann in das Projekt Klärschlamm-Trocknungs-Anlage ein.

Im Gewerbegebiet „Am Kranzer“, dem ehemaligen Schießplatz an der Bundesstraße 13, könnte die Anlage entstehen. Um dieses angedachte Vorhaben überhaupt zu ermöglichen, stand die Änderung des Bebauungsplans „Erdenwerk, Bauschutt-Recycling, Biogas-Anlage, Biomasse-Lager“ in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats auf der Tagesordnung.

„Grüner Kreislauf“

Von einem „grünen Kreislauf“, sprach Geschäftsführerin Kristina Pointer, die mit ihrer Tegernseer Firma „Drynamic Concept GmbH“, ihr neuartiges Konzept in Reichersbeuern realisieren möchte. Es sei kein großes Geheimnis, dass die Entsorgung in Form von Trocknung und nachhaltiger Verwertung von Klärschlamm, Städten und Kommunen vermehrt Probleme beschert. Bedingt auch durch die neue Düngemittelverordnung. Wenn Abwasser in Kläranlagen gereinigt wird, bleibt Klärschlamm übrig. Früher wurde dieser als geschätzter Dünger auf den Feldern ausgebracht. Das ist heute nur noch begrenzt möglich. „Und dafür haben wir eine nachhaltige und zukunftsorientierte Lösung gefunden.“

Umwelt würde entlastet

In genormten Seefracht-Containern könne nach der patentierten „Zizmann-Wendetechnik“ der nasse Klärschlamm höchst effizient auf über 90 Prozent getrocknet werden. Selbst das dabei als Endprodukt entstehende Granulat sei ein exzellenter Ersatz-Brennstoff zur thermischen Verwertung und Quelle für künftiges Phosphor-Recycling. Zur Trocknung selbst könne in Reichersbeuern die bislang ungenutzte Abwärme der Biogas-Anlage „Am Kranzer“ genutzt werden. Darüber hinaus würde die Umwelt auch dadurch entlastet, dass hierbei viele Lkw-Kilometer beim Transport des kommunalen Klärschlamms eingespart würden. Durch die Verwendung mobiler, genormter Container würden darüber hinaus keine größeren Bauwerke für die Trocknungsanlage notwendig werden. Der höchste Teil der angedachten Anlage würde ein etwa 16 Meter hoher Siloturm zur Lagerung des getrockneten Granulats werden.

„Müssen mit Emissionen rechen“

Wie das denn mit der Geruchsbelästigung durch Ammoniak, also Faulgas, sei, wollten die Räte wissen. „Wir werden keinen industriellen sondern nur Foulgas-befreiten kommunalen Klärschlamm verarbeiten“ erklärte Pointner. Bürgermeister Dieckmann ergänzte, dass in vielen Kläranlagen das Faulgas bereits zur alternativen Energiegewinnung eingesetzt werde: „Außerdem ist der Kranzer ein schönes Stück weit weg vom Dorf. Da müssen wir eher nicht mit Emissionen rechnen.“

Zehn Tonnen Klärschlamm pro Tag

Bedenken hatten die Räte, dass der Firmensitz in Tegernsee liege und somit Reichersbeuern Gewerbesteuer-Einnahmen entgehen könnten. „Da gibt es Möglichkeiten, dass vertraglich zu regeln. Damit der hiesige Gewerbesteuer-Anteil auch in Reichersbeuern bezahlt wird“, so Dieckmann. „Wenn der Bauplan für die Anlage kommt, können wir immer noch über Detailfragen diskutieren.“ So etwa um eine Mengenbegrenzung. Derzeit plant Pointner mit einer Verarbeitung von zehn Tonnen Klärschlamm pro Tag.

Projekt besser als ein Tierkrematorium

„Das Konzept ist stimmig und schlüssig. Damit wäre endlich eine sinnvolle Nutzung der Abwärme der Biogas-Anlage gegeben“, befand Gertraud Wallner. „Grundsätzlich ist dieses Projekt auch besser als ein Tierkrematorium. Das wäre damit vom Tisch“ so der Rathauschef. Die Räte stimmten einmütig dafür, die Änderung des Bebauungsplans auf den Weg zu bringen.

Ewald Scheitterer

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