Erlaubt ist, was Spaß macht

Konzertabend der Lenggrieser Müsikwerkstatt wird lang nachhallen

Der zweite Konzertabend in der Geschichte der Lenggrieser Müsikschule toppte die erste Veranstaltung vor zwei Jahren. Über 160 Zuhörer waren begeistert, mehr als die Hälfte der Lehrer der Schule zeigten drei Stunden lang was sie können.

Lenggries – Zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit die Lehrer der Lenggrieser Musikschule ihr Können unter Beweis gestellt hatten. Am Abend des 6. April wiederholten sie in eindrucksvoller Weise dieses Ereignis und lockten dabei geschätzte 160 Zuhörer in den gut gefüllten Alpenfestsaal. Die Musikauswahl war erneut uneinheitlich, abwechslungsreich, gegensätzlich und garantiert nie langweilig. Und an den Beifalls-Dezibel gemessen immer nach dem Geschmack des fachkundigen Publikums.

Gleich zu Beginn acht Musiker auf der Bühne, stimmgewaltig hämmerte Nicole Müller-Pürzer den Gassenhauer „hit the road Jack“ von Ray Charles in den Saal. Das Publikum war noch nicht ganz warm und so ging die Aufforderung „ihr dürft auch mitsingen“ wohl am mangelnden Wissen um den Text ins Leere. Eigentlich klappt das ja nie gut, es sei denn, eine der großen Bands rockt vor zehntausenden von eingefleischten Fans, die alle Texte verinnerlicht haben.

Größer hätte der Cut nicht geraten können. Michaela Paller, Stephanie Kocher und Alex Panizza interpretierten Ludovico Einaudis „life“ mit Klavier, Violine und Glockenspiel. Einaudi ist ein höchst angesehener Vertreter der Neo-Klassik, der sich aber auch einen Namen als Film-Komponist gemacht hat. Er beschäftigt sich ferner mit Pop- und Rockmusik à la Björk und Radiohead und so nimmt es nicht Wunder, dass er Musik wie „life“ komponiert. Ein zarter Klangkörper für Violine und Klavier, an diesem Abend harmonisch komplettiert durch das Glockenspiel. Sicher ein, wenn nicht das Highlight des Abends, dem es nach Ray Charles allerdings nicht ganz leicht gemacht wurde, in die Herzen der Zuhörer zu finden.

„Ich kann Klassik nicht fehlerfrei lesen“

Zwischenzeitlich fand sich auch mit Sepp Müller, wie schon vor zwei Jahren, eine Mischung aus bayerischen Conférencier und Spaßvogel, der durch den Abend führte und Künstler wie gespielte Stücke ansagte. „Ich kann Klassik nicht fehlerfrei lesen“, so sein Credo und so war es wenig verwunderlich, dass es ihm spätestens beim ungarischen Volkslied „a csitári hegyek alatt“, stimmgewaltig vorgetragen von der wunderbaren Anna Morva, aussprache-technisch die Schuhe auszog und er die Moderation verweigerte. Zuvor jedoch war etwas zu hören, was man so für gewöhnlich nicht zu hören bekommt: „die Moldau“ von Friedrich Smetana vierhändig am Flügel. Vom getragen orchestralen Druck befreit, scheint der Fluss selbst am Unterlauf noch flink und spritzig. Ausgezeichnet demonstriert von Nicola Herndl und Merlind William.

Von der Zigeunerpolka bis Whisky ’n‘ Gin

Auch nach der Pause ging es rauf und runter, von der Zigeunerpolka über Django Reinhard bis hin zum Buena Vista Social Club. Alle hielten drei Stunden durch, nur einige ältere Semester ergriffen gegen Ende die Flucht, als die Formation Whisky ’n‘ Gin „a hard days night“ von den Beatles anstimmte. Das war wohl zu laut und viel zu rockig, aber niemand wird es ihnen übel nehmen. Zumal sie dadurch noch ein Highlight verpassten.

Nicole Müller-Pürzer, Sebastian Schwarzenberger, Anton Simon und Sepp Müller interpretierten „black sheep“ von Gin Wigmore in einer Weise, dass man den Song kaum mehr wiederfand. Was im Original von einer Studio­band, irgendwo zwischen Pop und Rock angesiedelt, aufgenommen ist, klang im Alpenfestsaal eher nach Apocalyptica plays Metallica. Schaurig schön. Unbedingt wiederholen – und nicht erst in zwei Jahren. Norbert Jiptner

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