Galgenfrist für Surfwelle

Kostenexplosion könnte Projekt zum Scheitern bringen

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Kämpfen weiter für den Bau der Surfwelle: Stefanie und Marcus Kastner vom Verein „Surfing Wolfratshausen“.

Wolfratshausen – Seit über fünf Jahren gibt es die Idee, in Weidach eine künstliche Surfwelle zu errichten. Nach der Zusage von EU-Fördermitteln und der Zustimmung des Stadtrats schien der Realisierung des Projekts nichts mehr im Wege zu stehen. Doch nun stiegen die geschätzten Kosten von 410.000 auf rund 673.000 Euro brutto.

Schon vor zwei Jahren entschied der Stadtrat, dass sich die Stadt mit 100.000 Euro am Bau der künstlichen Surfwelle in Weidach beteiligt. 172.000 Euro sollten durch Fördermittel des Leader-Programms der Europäischen Union fließen. 60.000 Euro sollte der Verein Surfing Wolfratshausen beisteuern. Aufgrund der Mehrkosten für Bau und Planung sowie der fälligen Umsatzsteuer rechnete die Stadt bereits im Mai mit einer moderaten Kostensteigerung. Nun aber liegen neue Berechnungen vor, die die Stadträte mit Besorgnis zur Kenntnis nahmen. Demnach belaufen sich die Gesamtkosten mittlerweile auf etwa 673.000 Euro brutto. In dieser Summe sind rund 70.000 Euro Planungskosten enthalten. Gisela Gleißl vom städtischen Tourismusamt verwies in der Sitzung erneut auf den erhofften Imagegewinn der Stadt. „Das ist ein hochkomplexes, innovatives Pilotprojekt mit Strahlkraft“, erklärte Gleißl. Dr. Roland Hoepffner, Wasserbau-Leiter beim Münchner Büro Fichtner Water & Transportation, versuchte danach, den Stadträten die Kostensteigerung zu erklären. Demnach muss die Stahlwasserbaukonstruktion versenkbar sein und auch mit dem wechselnden Wasserspiegel der Loisach sowie den verschiedenen Strömungsgeschwindigkeiten zurechtkommen. Nach einer Auswertung erster Angebote schätzt Hoepffner, dass das hydraulische Bauwerk bis zu 250.000 Euro kosten wird. Das übertrifft die ursprünglichen Schätzungen um rund 100.000 Euro. Günstigere Angebote wie beispielsweise der „Wavemaker 2000“ an der Münchner Floßlände seien in Wolfratshausen leider nicht realisierbar. Denn diese Konstruktion kann nicht aktiv versenkt werden. „Dies ist aber eine zwingende Forderung des benachbarten Kraftwerkbetreibers“, bedauerte Hoepffner. Zudem könne mit dem „Wavemaker“ kein Aufstau und damit kein Gefälle für die Welle erzeugt werden. Um die Mehrkosten für die Wolfratshauser Welle zu finanzieren, hat die europäische Leader-Aktionsgruppe im Landkreis neben den bereits zugesagten 172.000 Euro zusätzliche 110.000 Euro in Aussicht gestellt. Da der Leader-Ausschuss bereits am 18. Februar tagt, muss in der vorherigen Stadtratssitzung am 12. Februar die endgültige Zusage des Wolfratshauser Stadtrats für den Bau der Welle kommen. „Nutzen Sie die besinnlichen Tage, um über dieses Projekt noch mal nachzudenken“, appellierte Bürgermeister Heilinglechner an die Stadträte. Er räumte ein, dass die neuen Kostenberechnungen seinen bisherigen Enthusiasmus für die Welle etwas eingeschränkt hätten. Die Sprecher der anderen Fraktionen forderten den Verein „Surfing Wolfratshausen“ auf, verlässliche Zahlen und weitere Unterlagen beziehungsweise unterschriftsreife Verträge vorzulegen. „Das wird sehr sportlich!“, prognostizierte CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl. Josef Praller (Bürgervereinigung) bezeichnete die Kostensteigerung als „Tiefschlag für dieses Projekt“. Und Fritz Meixner (SPD) bediente sich einer passenden Metapher: „Das muss wasserdicht sein!“. Peter Herrmann

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