Schul- und Bauausschuss des Kreistags

Tölzer Realschule muss dringend saniert werden

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Betonsanierungs-Sachverständige Rosemarie Carli (l.) und Hauptamtsleiter René Beysel (r.) erläuterten den Kreisräten das Schadensausmaß an der Tölzer Realschule.

Landkreis – Beinahe fertig war die Generalteilsanierung der Realschule Bad Tölz – als unerwartet Schäden im Beton des Gebäudes aus den 1960er-Jahren zutage kamen. Die müssen dringend repariert werden, um die Statik der Schule insgesamt zu sichern. Der Kreis-Bau- und -Schulausschuss machte nun schon einmal die Mittel frei: rund vier Millionen Euro.

Da führt kein Weg dran vorbei, wie die Kreisräte selbst feststellen konnten. Sie wurden von Vertretern der Landkreisverwaltung sowie von Statikern und einer Sachkundigen Planerin für Betonsanierungen durchs Gebäude geführt. Das Lehrschwimmbad, das wegen seines Sanierungsbedarfes schon öfter dem Rotstift zum Opfer hätte fallen sollen, spielt bei der Betonsanierung nun eine entscheidende Rolle. Denn dessen Becken ist ein entscheidendes Puzzleteil für die Statik des gesamten Gebäudes. Sprich: Hier wird der Landkreis investieren müssen – ob er mag oder nicht. Der Rundgang führte wohl auch deshalb zuerst in die Technikräume unterhalb des Beckens. Und Hauptamtsleiter René Beysel musste eigentlich auch nichts mehr erklären: Rostige Rohre, aus denen es ordentlich tropft, von Korrosion geprägte Betonstellen. „Die Chloridbelastung im Beton ist enorm“, so Beysel. Denn: Auf den Beton wurde direkt gefliest. Abdichtungen, wie sie heute aufgetragen würden, gab es damals nicht. Deshalb fügte Rosemarie Carli, Sachverständige für Betonsanierungen, auch hinzu: Gebaut wurde die Schule damals nach bestem Wissen und Gewissen. Die Auswirkungen von Chlorid auf Beton seien ohnehin erst in etwa seit 20 Jahren bekannt: „Das Eisen im Beton korrodiert.“ So käme es zu Lochfraßkorrosion. Und bezogen auf die Realschule schob Beysel nach: „Das Schwimmbecken ist nicht mehr zu retten.“ Mit dem Zusatz, dass das gesamte Gebäude eben auf diesem Kellergeschoß stehe. Beysel: „Deshalb muss der Beton saniert werden, das ist grundlegend relevant für die gesamte Statik des Gebäudes.“

Hauptamtsleiter René Beysel, der am Landratsamt für die Kreisschulen zuständig ist, machte die Notwendigkeit der Sanierung klar: „Wir müssen, schon um Folgeschäden auszuschließen.“

Sachverständige Rosemarie Carli erläuterte einen ähnlichen Schaden an einem Lichtschaft im Untergeschoss, rund vier Meter unterhalb des Pausenhofs. Dort sei es wohl vor allem das Sickerwasser, das – mit Tausalz durchmengt – über die Jahre ordentlich Chlorid in den beton habe eindringen lassen. Das Ergebnis: „Total durchgerostet.“ Probenentnahmen hätten dies bestätigt. So sei ein Wert von 0,4 bis 0,5 ,Masseprozent‘ kritisch, „in Tölz haben wir teils über drei Masseprozent“. Dabei sei das Probenmaterial sogar innen genommen worden, „wo das Chlorid eigentlich gar nicht frei hinkommt“. Deshalb ist sich Carli sicher: „Dieses Bauwerk ist in den betroffenen teilen quasi kaputt.“ Ein Phänomen, das gerne auch in Tiefgaragen auftritt. Heutzutage würden Stahlbauteile deshalb auch beschichtet, sagt sie.

Eine weitere große Baustelle ist die Schulküche. Die hätte mitsamt dem Innenausbau schon im August fertig sein sollen. Doch auch hier wurden Betonschäden offenbar. „Und zwar ganz massiv“, so Beysel. Die Decke der Schulküche müsste komplett entfernt werden. Die so genannten Unterzüge seien indes noch zu verwenden, fasste er entsprechende Untersuchungen zusammen.

Architekt Thomas Baldauf erläuterte dann zur Sitzung die Sanierungsschritte. So etwa die Erneuerung der Decke der Schulküche und des Lichtschachts. Diese Gewerke ließen sich gut kombinieren, so der Planer, der darauf verwies, dass diese Arbeiten ja auch mit dem Schulalltag koordiniert werden müssten und auch rettungs- und Fluchtwege nicht durch zu viele Baustellen blockiert werden dürften. „Wir beginnen damit noch heuer und arbeiten bis November“, sagte e. nach dem Winter sollte es dann in einem zweiten Bauabschnitt auf Ebene zwei weitergehen. Bis ende der Sommerferien 2021 würde die Schule von Baustellen in Beschlag genommen. Er schlug weiter vor, eine Überdachung des Pausenhofs anzugehen, zusammen mit einer Sport- und Spielfläche sowie einem grünen Klassenzimmer. Im Pausenbereich könnten etwa die Seitenwände bepflanzt werden.

Hauptamtsleiter Beysel skizzierte die Kosten. Die Teilgeneralsanierung liege zum heutigen Stand rund 437.000 Euro unter dem genehmigten Budget in Höhe von 11,89 Millionen Euro. Diese Unterschreitung könne man von den nun aufschlagenden Betonsanierungskosten abziehen, so dass diese letztlich 3,9 Millionen Euro ausmachen werden. Die Pausenhofgestaltung (rund 400.000 Euro) sei optional, aber eben empfehlenswert, meinte auch Landrat Josef Niedermaier. Er empfahl diese Projekte im Förderantrag erst einmal mit aufzunehmen. Würden sie nicht von der Förderstelle anerkannt, „können wir sie erst mal immer noch streichen“.

Josef Eichner (Bayernpartei) monierte, dass am Ende vielleicht doch ein Neubau sinnvoller gewesen sei. „Wir hätten den überlegen sollen.“ Niedermaier hält nichts davon: „,Hädi-dadi-wari‘-Kritik bringt uns nicht weiter.“ Und Nikolaus Trischbergers (CSU) Frage, ob ein einzelnes Gebäudeteil neu gebaut werden könnte, verneinte Niedermaier: „Das geht statisch nicht, weil die ganze Schule auf den zu sanierenden Komponenten steht.“ Am Ende stimmte der Ausschuss einstimmig dafür, die Sanierung anzugehen und vollumfänglich für eine Förderung anzumelden. Ob dies klappen wird, soll eventuell schon zur nächsten Sitzung am 30. März feststehen. Thomas Kapfer-Arrington

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