Cetin fordert Niedermaier heraus

Kreis-SPD schickt 43-jährige Wahl-Tölzerin ins Rennen um das Amt der Landrätin

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SPD-Landratskandidatin Filiz Cetin (li) konnte am Samstag im Binderbräu die meisten Delegierten überzeugen. 

Bad Tölz – Mit einer begeisternden Rede sicherte sich Filiz Cetin am Samstag im Tölzer Binderbräu die 26 Delegiertenstimmen des SPD Kreisverbandes, damit sie bei der kommenden Kommunalwahl im März 2020 als Landratskandidatin der SPD antreten kann. Trotz einer Gegenstimme und einer Stimmenthaltung konnte die Tölzerin, seit 2012 Parteimitglied, die Genossen aus dem Landkreis überzeugen, dass sie die Richtige ist, um gegen den bisherigen Tölzer Amtsinhaber Josef Niedermaier (FW) und gegen den CSU-Kandidaten Anton Demmel aus Königsdorf anzutreten. Der Wahlkampf „kann was Großes werden“, meinte denn auch der Ehrengast der Zusammenkunft, der ehemalige SPD-Fraktionssprcher im Landtag, Franz Maget, der die Genossen mit Blick auf die in Göppingen geborene Kandidatin aufforderte, sich reinzuhängen: „Sie verdient es, und der SPD tut es gut.“

Eingangs hatte der SPD-Kreisvorsitzende Wolfgang Werner neben den Delegierten und Gästen auch den Tölzer SPD-Bügermeisterkandidaten Michael Ernst begrüßt, der in seinem Grußwort sein Vision eines modernen Bad Tölz in zehn Jahren vorstellte. Er forderte frischen Wind in der künftigen Stadtpolitik und erntete für seine Vision eines schönen Tölzer Bahnhofes ein paar kräftige Lacher.

Auf eine Veränderung in der Kreispolitik setzt auch Wolfgang Werner, da seiner Meinung nach Niedermaier und Demmel aus dem konservativen Lager kämen und „austauschbar“ sein. Mit der türkischstämmigen alleinerziehenden 43-jährigen Filiz Cetin biete man dagegen eine „absolute Alternative, die viele ansprechen wird“. Die Power, mit der sie sich beim SPD-Kreisverband vorgestellt habe, hätte die Vorstandschaft überzeugt, das werde ihr sicher auch bei den Delegierten gelingen. Werner versprach nicht zuviel, die temperamentvolle Mitarbeiterin einer großen Krankenkasse, die zuletzt in Niederbayern politisch aktiv war, nahm dann mit ihrem charmanten bayerisch-schwäbischen Dialekt und offensiven Umgang mit ihren Stärken und Schwächen für sich ein. Die rhetorische Frage „Mit welchem Programm willst du antreten?“, beantwortete sie mit der Aussage, dass die Probleme im Landkreis Landshut durchaus mit den hiesigen vergleichbar seien. Am wichtigsten sei derzeit die Wohnungsfrage, aber auch die Tatsache, dass viel zu wenige Frauen in den Parlamenten sitzen. „Die Bevölkerung muss sich in den kommunalen Gremien widerspiegeln“, rief sie aus. Um die hiesigen Probleme kennen zu lernen, möchte sie der Bevölkerung ab Oktober (nach der Ausstellungsversammlung der SPD-Kreistagskandidaten) die Gelegenheit geben, ohne jede Hemmschwelle per E-Mail Ideen und Anregungen an sie heranzutragen. Zu ihren Chancen meinte sie: „Ich kann euch nicht versprechen, Landrätin zu werden, aber ich werde alles dafür tun.“

„Ich sag nur wow…“, meinte nach der engagierten Vorstellung und dem begeisterten Beifall der Kreisvorsitzende Werner, der einen Vergleich mit der damaligen Entschlossenheit und dem Charisma von Cornelia Irmer zog, die dann (zunächst parteifrei) Geretsrieds Bürgermeisterin wurde. Das größte Lob kam aber wohl vom „politischen Rentner“ (so seine eigene Aussage) Franz Maget, der meinte, er habe schon viele Vorstellungsreden gehört, diese sei aber besonders gut, überzeugend und engagiert gewesen. „Dass eine Zuagroaste aus Niederbayern“, noch dazu mit Migrationshintergrund, den Mut aufbringe, in Oberbayern als Landratskandidatin anzutreten, sei „mutig, aber nicht arrogant.“ Mit der Aufstellung der Kandidatin sei der erste Schritt getan worden, heute mit der Nominierung der zweite. Und angesichts der aktuellen Krise der seit 160 Jahren bestehenden Sozialdemokratischen Partei Deutschlands meinte Maget unter dem Beifall der Genossen: „Wir kommen wieder!“ bo

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