Schwere Geburten

Kreisausschuss: Grünen versuchen Überzeugungsarbeit zu leisten

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Waren bemüht, für zwei heikle Themen Geburtshilfe zu leisten: Klaus Koch und Barbara Schwendner von den Grünen.

Bad Tölz – Hebammen und Haustiere machten die Grünen in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses zum Thema. Zwei Anträge legten sie auf den Tisch, die bei Landrat Josef Niedermaier für wenig Begeisterung sorgten. Nicht, weil sie belanglos sind, sondern weil es immer wiederkehrende Geschichten sind, die scheinbar einfach nicht vom Tisch wollen.

Mit der Schließung der Geburtshilfestation in der Asklepios-Klinik ist etwas weggebrochen, das die Grünen kitten wollen: Sie forderten im Kreisausschuss eine landkreiseigene Hebammen- und Geburtshilfeförderung – zumindest ein Konzept dafür. Immerhin seien ihnen, so versicherte Fraktionsmitglied Barbara Schwendner, in letzter Zeit im Bereich der Geburtshilfe immer wieder von Betroffenen „Unzufriedenheiten zu Ohren gekommen“. Daher wollen die Grünen nun die „Hebammenversorgung sicherstellen“ und dabei „kalkulierbare Lösungen“ finden. Schwendner schlug vor, „alle zusammenzurufen und abzuchecken“ was in Bad Tölz möglich sei. Mit „alle“ meinte sie Gynäkologen, Hebammen und Klinikvertreter. Denn nur so könne man eine Hebammenambulanz auf die Beine stellen.

Martin Bachhuber (CSU) zeigte sich bei diesem Antrag unschlüssig. Einerseits leiste die Geburtshilfe in Wolfratshausen in seinen Augen eine gute Arbeit und werde auch angenommen. Andererseits kenne er die Thematik nur zu gut, werde in seiner Fraktion dieses Thema immer wieder angesprochen. Auch habe er sich damals entschieden, das geplante Geburtshaus in Bad Tölz zu unterstützen, doch sei das Vorhaben „wohl im Sand verlaufen“, kritisiert Bachhuber. Er deutete an, dass dies vielleicht auch mit dem nächsten Projekt passieren könne.

Hans Sappl (Freie Wähler) hatte im Grunde genommen nichts gegen den Grünen-Antrag einzuwenden, „ich will mich nicht verschließen“, betonte er. Doch wie eine solch spezielle Ambulanz umgesetzt werden solle, nachdem die Hebammenbereitschaft in der Asklepios-Klinik geschlossen wurde, das konnte er sich nicht so recht vorstellen, da müsse man „die Ärzte fragen“, meinte Sappl. Die Bedenken zur praktischen Umsetzung der Hebammen- und Geburtshilfeförderung konnte Klaus Koch (Grüne) durchaus verstehen, doch wies er darauf hin, dass der Antrag lediglich die Erstellung eines Konzeptes vorsehe, man wolle „zuerst noch einmal ein Forum bieten“, in welchem das Thema diskutiert und eine Erarbeitung angeschnitten werden könne. Dem schloss sich seine Fraktionskollegin Schwendner an, die betonte, dass auch „die Höhe der Mittel“ erst nach der Erstellung eines Konzeptes kalkuliert werden könne. Aber „wenn sich dann herausstellt, dass alles gut bestellt ist, dann ist es auch gut“, erklärt Koch. Für den Antrag stimmte schließlich die Mehrheit des Ausschusses, lediglich Andreas Wiedemann (FW) lehnte ihn ab.

Ein lautes Schnaufen und ein Belächeln des zweiten Antrags konnte sich Josef Niedermaier (FW) nicht verwehren. „Ich weiß nicht, wieso das auf die Tagesordnung kommt“, meinte der Landrat. Die Grünen wollten mit ihrem zweiten Anliegen die Tierheimförderung stärken. „Schon wieder mal ein Antrag, bei dem es um Geld geht“, gestand Barbara Schwendner ein. Doch ähnlich wie bei der Hebammen-Angelegenheit seien auch bei diesem Thema Bürger auf sie zugekommen. „So kommt es wieder in die Politik“, antwortet die Grüne auf den verständnislosen Blick des Landrates. Ungeachtet dessen stellte Schwendner klar, dass es einen „Regelungsbedarf“ gebe, schließlich seien die Tierheime unterfinanziert. Zwar erhalten die Einrichtungen Kostenerstattungen für Fundtiere, jedoch nicht für „Verwahrtiere“, also Hunde sowie Katzen, die sie von verstorbenen und erkrankten Besitzern in ihre Obhut nehmen. Als Vorbildlich sieht Schwendner das Vorgehen des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Dort werden die Tierheime nämlich pauschal mit 0,75 Euro pro Einwohner im Jahr bezuschusst. „Das machen die seit Jahrzehnten so“, sagte Schwendner. „Dabei gehe es nicht um Tierliebe, sondern um eine Aufgabe, die die Allgemeinheit betrifft“, ergänzte sie, ehe der Antrag im Kreisausschuss zur Diskussion gestellt wurde.

Mit der Problembeschreibung gehe er „d‘accord“, sagte Niedermaier, doch was die Lösung anbelangt, so müsse er ein klares Nein aussprechen. Auch Michael Grasl (FW) konnte sich mit dem Antrag nicht so recht anfreunden, seit Jahren beschäftige er sich auf Gemeindeebene mit dem Thema und weiß daher, dass manche Tierheime partout keine Kostennachweise führen. „Ich habe es inzwischen aufgegeben“, schloss Grasl schließlich.

Ähnlich sieht es auch Werner Weindl (CSU). Er fände es nicht in Ordnung, die Gemeinden als die Schuldigen für die finanzielle Lage der Tierheime hinzustellen. „Die Tierheime sollen schon offenlegen“, wofür sie das Geld brauchen. Schwendner zog schließlich den Antrag zurück, sie wolle nun abwarten, was „bei den Mitteln auf Landesebene herauskommt“. Die Anträge der Grünen – zwei schwere Geburten. Antonia Reindl

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