Kreisausschuss-Mehrheit spricht sich für einmalige Anschubfinanzierung aus

Unterstützung für privates Geburtshaus

+
Der Landkreis würde ein Geburtshaus in Bad Tölz unter gewissen Rahmenbedingungen bezuschussen, auch wenn es keine Alternative zu einer Geburtshilflichen Abteilung an einer Klinik sein kann.

Landkreis/Bad Tölz – Der Landkreis erwägt 50.000 Euro Zuschuss, für ein privat geführtes Geburtshaus am Standort Bad Tölz zu zahlen. Darauf verständigte sich der Kreisausschuss nach einer hitzigen Debatte und einer sehr knappen Abstimmung. Dennoch: Die Zweifel an der Tragfähigkeit des Beschlusses einerseits wie auch am Geburtshaus andererseits waren unüberhörbar.

Hebamme Kathleen Hodbod hatte in der Dezember-Sitzung des Kreisausschusses ihre Idee eines Geburtshauses präsentiert, nachdem die Kreisrätinnen der Grünen – Barbara Schwendner, Annelies Wiedenbauer-Schmidt, Mechthild Felsch und Beate Paulerberg – eine Anschubfinanzierung für den Neubau eines Geburtshauses beantragt hatten. Überzeugt hat sie damit bei weitem nicht Alle, wie sich nun im Kreisausschuss zeigte, wo der Antrag nun neuerlich zur Diskussion stand.

Die einhellige Meinung im Gremium, die unbestritten war: Ein Geburtshaus kann die inzwischen geschlossene Geburtshilfliche Abteilung der Stadtklinik nicht kompensieren. Sie kann auch nur ein zusätzliches Angebot für werdende Mütter sein.

Martin Bachhuber (CSU) wollte nun wissen, ob seitens der Hebamme deren Konzept konkretisiert worden sei, was Landrat Josef Niedermaier so verneinte. Der Sachstand sei nach wie vor der, „dass Frau Hodbod zur Verfügung stehen würde – mehr wissen wir auch nicht“. Ein Gespräch mit dem Gesundheitsamt habe es gegeben, „mehr nicht. Das ist schon extrem vage“, so Niedermaier, der darauf verwies, dass manche Experten vor solchen Geburtshäusern warnten: „Sie verfügen über keinen medizinischen Hintergrund.“ Ein Drittel der außerklinischen Geburten, so erklärte Niedermaier, würde am Ende doch wieder in der Klinik landen.

Was Wolfgang Krause, der Geschäftsführer am Landratsamt, unterstrich: Eine Hebamme könne freilich angesichts ihrer Kompetenzen eine Geburt durchführen. „Aber kommt es zu Komplikationen, muss sie für eine Versorgung durch einen Arzt sorgen. Und das kann sie hier in Bad Tölz nicht leisten.“ Seine klare Empfehlung an die Mitglieder des Kreisausschusses: „Es sollte keine Zuschüsse durch den Landkreis geben.“ Auch Kreiskämmerer Ralf Zimmermann hob den Zeigefinger angesichts der im Raum stehenden Anschubfinanzierung in Höhe von 50.000 Euro: „Für diese private Initiative liegt uns ja keinerlei Förderrichtlinie vor.“

Anders sieht das CSU-Kreisrat Josef Janker. Der Tölzer Bürgermeister sprach sich durchaus für Anschubfinanzierung aus, „allerdings einmalig und nur, wenn für das Geburtshaus eine Genehmigung vorliegt“. Eine solche benötige ein Geburtshaus laut Krause gar nicht.

Günther Fuhrmann (FDP, Ausschussgemeinschaft) zeigte sich als Gegner eines Geburtshauses in Bad Tölz: „Das geht nicht“, fasste er seine persönliche Abwägung der Argumente zusammen. Die Verantwortung würden alleine die Hebammen tragen, „ganz alleine“. Und die nächste Klinik sei laut dem Kreisrat Agatharied. „Dabei kämpft diese Klinik ja mit den gleichen Problemen“, meinte er. Unterstützen würde Fuhrmann vielmehr ein Familienhaus, wo es Vor- und Nachsorgen für Schwangere und junge Mütter gebe. „Das würde zur Entspannung der Situation im Südlandkreis beitragen.“

Helmut Forster (FW) sieht zu viel Unwägbarkeiten dieses rein wirtschaftlich arbeitenden Geburtshauses. „Wir schüren da Hoffnungen – und am Ende funktioniert diese Einrichtung gar nicht.“ Martin Bachhuber forderte schließlich noch eine Investitionskostenplanung ein, bevor sich das Gremium dann in der Abstimmung mit 7:6 Stimmen für eine Anschubfinanzierung von maximal 50.000 Euro aussprach. Voraussetzung hierfür ist laut Beschluss indes eine schriftliche Vorlage eines medizinischen und organisatorischen Konzepts mitsamt einer Personalaufstellung und der Investitionskostenplanung. tka

Auch interessant

Meistgelesen

Impressionen zur 164. Leonhardifahrt in Bad Tölz
Impressionen zur 164. Leonhardifahrt in Bad Tölz
Kurzzeitpflege – daheim!
Kurzzeitpflege – daheim!
Seniorenbeirat fordert mehr Mobilität für Ältere
Seniorenbeirat fordert mehr Mobilität für Ältere
Gerhard Meinl und Prof. Dr. Detlev Ringer kandidieren nicht mehr
Gerhard Meinl und Prof. Dr. Detlev Ringer kandidieren nicht mehr

Kommentare