Für neues Lehrerzimmer und Informatikräume zahlt Kreis 1,5 Millionen Euro

Beschluss contra Wohlfühlzimmer

+
Hauptamtsleiter Herbert Kommnick will das Lehrerzimmer ohne Klimaanlage errichten: „Denn das ist kein Wohlfühlzimmer.“

Geretsried – Anfang Oktober 2011 gab es grünes Licht für den Neubau des Lehrerzimmers am Geretsrieder Gymnasium. Nun, über ein Jahr später, ist von dem „Herz der Schule“, wie Schulleiter Hermann Deger dieses Arbeitszimmer für seine Kollegen bezeichnet, nichts zu sehen.

Denn: Erst in einer zweiten Ausschreibung fanden sich überhaupt zwei Firmen, die Angebote abgegeben haben. Doch die waren derart überteuert, dass es keinen Zuschlag gab. Nun soll ein neuer Anlauf gewagt werden. Doch über Details zur Planung gerieten weniger die Mitglieder des Kreisbauausschusses aneinander als vielmehr die Kreisbauverwaltung und die Planer. Denn die schlugen vor, in das neue Lehrerzimmer auch gleich eine Klimaanlage einzubauen. Was die Kosten letztlich von veranschlagten 1,42 auf dann 1,54 Millionen Euro geschraubt hätte. „Davon kann ich ja ein ganzes Gebäude bauen“, befand CSU-Kreisrat Gerhard Hasreiter – wenngleich er dabei vergessen haben dürfte, dass der Beschluss vor über einem Jahr bereits ein Kostenvolumen von 1,3 Millionen Euro vorausgesagt hatte. Architekt Dieter Kubina rechtfertigte diese Summe. „Defizite des bestehenden Gebäudeteils und Brandschutzmaßnahmen sind da mit abgedeckt – das allein unter dem Begriff Lehrerzimmer firmieren zu lassen, ist in der Tat etwas verwirrend.“ Dass die Ergebnisse der ersten Ausschreibung so überteuert waren – teils dreifach so hoch wie die ursprüngliche Kostenschätzung – führt Kubina darauf zurück, dass die Ausschreibung zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgte. Als nämlich Firmen bereits jede Menge andere Aufträge in der Tasche hatten. Das sei Anfang des Jahres meist nicht so, weshalb nun im Frühjahr ein neuer Anlauf gestartet werden soll. Teurer wird es aufgrund gestiegener Preise im Bausektor ohnehin. Die nun von den Planern ins Spiel gebrachte Klima- und Lüftungsanlage (zusätzliche 140.000 Euro, samt eigens notwendigem neuen Technikraum im Keller, d.Red.) erschien dann doch zu teuer. Etwa für Thomas Holz (CSU): „Da haben wir keine Firmen, die das Lehrerzimmer bauen wollen – und wir unterhalten uns über eine neue Lüftung.“ Doch Planer Kubina klärte auf, dass die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) nur dann eingehalten werden könnten, wenn eine Lüftung gebaut wird. Was Holz wenig beeindruckte. Er meinte, „wir können gut damit leben, wenn wir einmal nicht EnEV-konform bauen“. Was Vize-Landrat Werner Weindl (CSU) noch weiter führte. „Man kann schon von Lehrern verlangen, dass mal ein Fenster geöffnet wird. Wir können uns nunmal nicht alles leisten.“ Da half es auch nichts, dass Schulleiter Deger noch einmal das Wort ergriff und betonte, dass in dem Lehrerzimmer viele Computer betrieben würden – und die Luft schon von daher schlecht sei. Hauptamtsleiter Herbert Kommnick formulierte letztlich das, was sich da wohl schon einige Kreisräte gedacht haben: „Wollen wir wirklich 140.000 Euro investieren, damit Lehrkräfte ein Wohlfühlzimmer erhalten? Für mich ist ein Lehrerzimmer nichts anderes als ein einfacher Büroraum.“ Mit 7:3 Stimmen stimmte der Kreisbauausschuss letztlich für den Neubau – ohne Klimaanlage – mit einem Kostenvolumen von 1,42 Millionen Euro. Teurer wird übrigens auch der Ausbau des Untergeschosses im neuen Erweiterungsbau. Diese komplette Etage wurde von der Kreispolitik als Draufgabe in die Planungen integriert. Getreu der Vereinbarung stellte der Landkreis das Untergeschoss her (und nahm dafür 579.000 Euro in die Hand), die Ausstattung allerdings sollte über Spendenaktionen von der Schulfamilie selbst geschultert werden. Der Wunsch der Schule war, drei Informatikräume zu schaffen. Zwar hat die Schule einen Spendenaufruf gestartet. Doch pfiff das Kultusministerium diese Initiative gleich wieder zurück. Denn: Nicht nur die Aufwendungen für die Bereitstellung und Einrichtung sei der Landkreis zuständig, sondern auch für die Ausstattung der schulisch notwendigen Räume. Auch die „gehören zum Sachaufwand“, so die Regierung. Den Kreisräten blieb letztlich nichts anderes übrig, als die Mehrkosten in Höhe von geschätzten 80.000 Euro zu schlucken. Damit steigen die Kosten für den Erweiterungsbau von 4,64 auf rund 4,72 Millionen Euro. Thomas Kapfer-Arrington

Auch interessant

Kommentare