Kreistag für Ehrenamtskarte

Beschlossene Sache: Der Landkreis gibt ab 2013 die Bayerische Ehrenamtskarte aus.

Der Landkreis würdigt seine Ehrenamtler künftig auch materiell: Über eine Ehrenamtskarte. Die Einführung dieser Rabattkarte brachte in der vergangenen Woche der Kreistag auf den Weg. Doch gab es auch Gegenstimmen.

Mit 32 zu 19 Stimmen votierte der Kreistag für dieses bayernweit vereinheitlichte Instrument zur Wertschätzung des Ehrenamtes (wir berichteten). Gab es im vorgelagerten Kreisausschuss nur eine Gegenstimme, waren es nun im Kreistag weitaus mehr Räte, die Kritik an der Karte äußerten. Lucia Schmidt (Grüne) war eine von ihnen. Denn während etwa Feuerwehrleute unter bestimmten Rahmenbedingungen die Karte erhalten würden, „gehen Frauen, die zuhause Angehörige Pflegen leer aus“. Auch Paul Wildenauer (Grüne) störte sich an der Einführung – eher aber aus Kostengründen. Denn für die Akquise für so genannte Akzeptanzstellen, die auf Vorlage der Karte Rabatte gewähren, ist die Schaffung einer eigenen Personalstelle nötig. Die Kosten trägt freilich die Allgemeinheit. Da half auch der Hinweis von Landrat Josef Niedermaier nichts, der darauf verwies, dass die Stelle nur befristet sei. Wildenauer riet den Kollegen aus dem Kreisausschuss zur Umkehr in der Position. „Man kann doch seine Meinung auch einmal ändern.“ Das taten sie aber nicht, wie sich später bei der Abstimmung herausstellen sollte. Dennoch: Auch Karl Probst (SPD) störte sich an der Karte. Zwar solle es bei der Entscheidung zur Einführung der Karte nicht ums Geld gehen. Doch sei das Ehrenamt eine der letzten Bastionen des Allgemeinsinns. „Beim Ehrenamt geht es eigentlich um Ehre, Würde und Anerkennung. Und so sollte es bleiben.“ Mit der Zurverfügungstellung materieller Anreize und Ermäßigungen (Probst. „Gimmicks“) würde gar eine falsche Anspruchshaltung gegenüber den Ehrenamtlern geschürt. Getreu dem Motto: „Die kriegen eh, was dafür, sollen also auch die Arbeit leisten.“ FW-Rätin und Ickings Bürgermeisterin Margit Menrad hatte sich eigens bei Ehrenamtlern in ihrer Heimatgemeinde informiert. Das Ergebnis: „Sie machen dass alle aus Überzeugung – und lehnen ein Aufblähen der Bürokratie ab.“ FW-Rätin Margit Menrad betonte auch in diesem Kontext der Karte so nicht zustimmen zu können. Sie schlug vor, „lieber einmal jährlich ein Ehrenamtstreffen auszurichten“. Denn dabei würde ein wertvoller Gedankenaustausch ermöglicht, „dafür wäre das Geld besser angelegt“. CSU-Fraktionssprecher Martin Bachhuber nannte die Vorreden wenig sachdienlich. Schmidt und Wildenauer warf der Stimmkreisabgeordnete vor, die Ehrenamtskarte nur deshalb abzulehnen, „da sie eine Idee der Staatsregierung ist“. Ehrenamtler über die Karte zu Schnäppchenjägern werden zu lassen, „das ist beleidigend“, sagte Bachhuber auf eine Wortmeldung von Wildenauer. Karl Murböck (CSU), als Kreisbrandrat eine Art Sprachrohr für die Feuerwehrkräfte im Landkreis, hob den Stellenwert des Ehrenamts hervor. Und er verwies darauf, dass angesichts rückläufiger Geburtenzahlen die Ehrenamtler weniger würden. „Da braucht man kein Prophet sein.“ Zwar gebe es keine Universallösung zu einer vernünftigen Würdigung des Ehrenamts. Auch sei die Kostendiskussion nicht vom Tisch zu wischen („In der Haushaltssituation hört man das schon mit anderen Ohren“). Doch müsse man eben vorausschauend denken. Und: „Welche Ehrung gibt’s umsonst“, fragte er. Thomas Holz (CSU) appelliere, über die Karte das Ehrenamt zu stärken. Zwar glaubt er nicht, darüber mehr Ehrenamtler rekrutieren zu können. Doch würden Urkunden und Medaillen nur in Schubladen landen. „Die Karte bringt den Ehrenamtlern wenigstens einen Nutzen“.

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