Doppelt so viele E-Bike-Unfälle

Kreisverkehrswacht zieht Jahresbilanz: 3.140 Unfälle im Tölzer Landkreis

Ein Radunfall im Straßenverkehr.
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Radunfälle im Straßenverkehr sind meistens besonders schwer.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Jüngst zog die Kreisverkehrswacht eine Jahresbilanz für den Tölzer Landkreis.

Ilka Fottner steht derzeit mit den Radfahrern auf Kriegsfuß. Allerdings nur mit denen, die sich nicht an die Regeln halten. Was die Erste Vorsitzende der Kreisverkehrswacht nicht verstehen kann, da diese größtenteils auch Autofahrer seien. „Aber wenn sie aufs Radl wechseln, denken manche, für sie gelten die Verkehrsregeln nicht mehr“, berichtete sie jüngst bei der Jahreshauptversammlung im Tölzer Landratsamt.

Wie wichtig aber Schulterblick und Handzeichen geben beim Abbiegen sind, das belegte die Kreisverkehrswacht-Vorsitzende. Riskante Überholmanöver waren im Jahr 2020 die Unfallursache, bei der deutschlandweit mehr als 16.000 Personen verletzt wurden. Häufiger Grund: „Fehleinschätzungen, Fahrlässigkeit und Leichtsinn.“ Dabei sei doch die wichtigste Regel im Straßenverkehr überhaupt: „Im Zweifel nie“, betonte Fottner.

Viele Unfälle mit E-Bikes

Im Landkreis starben zwölf Menschen bei insgesamt 3.140 Unfällen. 173 Personen wurden schwer und 507 leicht verletzt. Zudem sind mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Zweiradfahrer unterwegs. „Dadurch steigt die Schwere der Unfälle“, sagte Fottner und betonte weiter: „Es passieren auch mehr Unfälle mit Pedelecs.“

So habe es im Jahr 2020 fast doppelt so viele Unfälle mit E-Bikes gegeben wie im Vorjahr. „Beim Abbiegen wurden Regeln missachtet, ebenso das Rechtsfahrgebot. Und häufig wurde auch zu schnell gefahren.“

Erfreulich dagegen die Bilanz bei den Schulwegunfällen, die deutlich gesunken ist. Laut Statistik ging sie im Pandemie-Jahr vor allem wegen des sogenannten Homeschoolings um ein gutes Drittel zurück. „Bei uns im Landkreis war kein einziger Schulwegunfall zu vermelden“, freute sich Fottner.

Dafür wurden laut der Kreisverkehrswacht-Vorsitzenden im Bereich der Polizeistelle Bad Tölz 21 neue Schulweghelfer ausgebildet. Damit sind nun an den Mittelschulen in Bad Tölz (Jahn- und Lettenholzschule), Gaißach, Reichersbeuern sowie Benediktbeuern bis zu 50 Schulweghelfer im Einsatz.

Auch im Nordlandkreis wird auf die Sicherheit der Jüngsten geachtet. Hier befinden sich insgesamt 22 Kindergärten, für die die Jugendbeamtin das Schulwegtraining durchführte.

Erfolgreich war auch die Jugendverkehrsschule. 1.154 Schüler aus den 4. Klassen im Landkreis nahmen daran teil. Dabei absolvierten 1.031 Kinder in der entsprechenden Altersklasse die Radlschule erfolgreich. „Das entspricht einer Quote von 89,3 Prozent“, berichtete Fottner erfreut.

„Zeichen der Wertschätzung“

In der Jahreshauptversammlung der Kreisverkehrswacht lobte die Vorsitzende Ilka Fottner auch den Erfolg der Schulkinder bei der Jugendverkehrsschule. Dennoch musste sie auch tadeln: Denn das Helmtragen sei immer noch ein großes Problem bei den Schulkindern. „Ich sehe es jeden Morgen, wenn die Kinder in die Schule fahren, hängt der Helm am Lenkrad oder sie haben keinen auf“, betonte Fottner weiter.

Das Goldene Ehrenzeichen des Landesverbands Bayern der Verkehrswacht geht an Georg Fischhaber (2.v.l.) und Anton Oswald (2.v.r.). Gewürdigt hat die beiden Peter Starnecker (Präsident der Landes-Verkehrswacht Bayern) und Vorsitzende Ilka Fottner.

Für die Schulwegsicherheit brachten die Bauhöfe an den Ampeln auch neue Hinweisbilder an: „Bei Grün – den Kindern ein Vorbild“. Die Materialkosten übernahm dabei die Kreisverkehrswacht. Ebenso werden die Plakataktionen an den Landstraßen indes kontinuierlich fortgeführt.

Aktuelle gibt es Hinweise zur Verkehrsaufklärung an den Standorten an der B13 Richtung Lenggries, an der Staatsstraße 2072 bei Hechenberg und im Feriengebiet Ammerland an der 2965 sowie auf der B11 bei Geretsried.

Fahrrad- und Rauschbrillen-Parcours

Bevor Corona kam und 2020 fast alle Aktionen im Landkreis ausgebremst hatte, war die Kreisverkehrswacht im Jahr 2019 etwa bei Verkehrssicherheit-Veranstaltungen aktiv. So etwa beim Training für Motorradfahrer an der Tölzer Eichühle. Dort durchgeführt von zwei Fahrlehrern. Auch Fottner war vor Ort, wie sie sagte.

Dabei hätten ihr viele Teilnehmer im Gespräch berichtet, dass sie seit ihrer Fahrprüfung wieder vieles vergessen hätten und es ihnen jetzt erst wieder bewusst geworden sei. Aber auch, dass sie „etwas Neues dazugelernt“ haben. Auch bei der Veranstaltung „Geretsried bewegst sich“ war die Kreisverkehrswacht an einem Tag anwesend und bot neben ihrem Fahrrad- und Rauschbrillen-Parcours einen Infostand über Radhelme sowie Kindersitze an.

Bei der angestanden Neuwahl des Vorstandes der Kreisverkehrswacht wurden übrigens alle wesentlichen Positionen bestätigt. Am Ende der Hauptversammlung im Tölzer Landratsamt wurden dann noch Anton Oswald für 21 Jahre als Schatzmeister und Georg Fischhaber geehrt, der seit 20 Jahren Schriftführer ist. Beide bekamen das goldene Ehrenzeichen der Landesverkehrswacht Bayern überreicht, „als ein Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit.“

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