Der Künstler, der Narziss

Würde die Türen für Künstler aufschieben: Kunstbunker-Besitzer Albrecht Widmann.

Kein Künstler kommt. Kein Verein klopft an. Im Geretsrieder Kunstbunker ist nichts mehr los. Und das, obwohl Galerist Albrecht Widmann die Räume Kunstbeflissenen zur Verfügung stellt. „Noch nicht ein einziger hat nachgefragt“, sagt Widmann.

Der Kunstbunkereigentümer wundert sich. Denn er ist überzeugt von seinem Ausstellungsort, „der einzig vernünftige zwischen Garmisch-Partenkirchen und München“. Es müsse einen Ort geben, womit sich die Leute identifizieren. Widmanns Maxime: „Kunst braucht ein Zuhause.“ Der Kunstbunker sei prädestiniert dafür. Seit neun Jahren ist der „Bunker“, wie ihn Widmann liebevoll nennt, die Adresse für zeitgenössische Kunst. Und geht es nach Widmann, sollte er das auch bleiben. Nur habe er sich als Alleinbetreiber eben zurückgezogen. Dennoch: „Den Kunstbunker stelle ich Malern, Bildhauern, Kommunen wie Vereinen zur Verfügung.“ Widmann hat auf eigene Kosten gewirtschaftet. Aus Altersgründen könne er den Ausstellungsbetrieb allein nicht mehr durchführen. „Ich sehe mich nicht mehr imstande, jede Ausstellung vom Bild bis zum letzten Würfelzucker durchzuplanen.“ Und er unterstreicht dies: „Ich werde heuer 67.“ Nicht mehr so leicht wie noch vor Jahren falle es da, die Bilder in bis zu neun Metern Höhe im Kunstbunker anzubringen. Dass er bei so mancher Ausstellung immer wieder tief in die eigene Tasche greifen musste, erschwerte die Arbeit sicher überdies. Doch bisher verpufft Widmanns Angebot an Kunstschaffende im luftleeren Raum: Gemeldet hat sich bislang noch keiner bei dem Galeristen. Und das, obwohl Kunstexperte Widmann mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Der Wahl-Geretsrieder blickt zurück: Knapp zehn Jahre hätten alle immer nur zugesehen, „wie ich mich abstrampele“. Interessiert verfolgt er andere Kunst-Projekte, wenngleich er auch für sie Probleme erkennt: Eine Kunstmeile in Wolfratshausen oder die Ateliertage seien eben keine dauerhaften Reihen, „das alleine bringt es nicht“, sagt Widmann: „Die laufen sich mit der Zeit tot.“ Widmann geht mit den Kunstschaffenden hart ins Gericht: „90 Prozent von ihnen sind zu selbstverliebt, als dass die ewas auf die Beine stellen.“ Bei ihnen sei „zu wenig Engagement“ zu erkennen. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass „sie sich für göttlich halten“. Widmann erinnert an Künstlervereinigungen wie die „Die Scholle“. Dort versammelten sich ab 1899 im wesentlichen Mitglieder aus der Münchner „Sezession“, welche überwiegend aus der Malklasse von Professor Paul Hoecker an der Akademie der bildenden Künste München stammten. Solche Vereinigungen verliehen der Kunst eine Stimme. „Das trieb die Kunst voran.“ Heute hingegen sieht Widmann so etwas nicht mehr. „Soweit aber denken die heutigen Künstler nicht mehr.“ Und weiter: „Für den Künstler zählt nur noch er allein, keiner sonst.“ Kunst habe eben keine Lobby „und sie wird nach wie vor nicht permanent ernst genommen“.

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