Schnee auf der Wandelhalle

Künstlerin Ina Arzensek zeigt in Tölz eine Installation aus Pappelflocken

Bad Tölz – Wenig kann auch mehr sein: es kommt auf die Präsentation an. Unter dem Titel „+ − 0“ (Plus-Minus-Null) ist derzeit in der Tölzer Wandelhalle laut der beiden Künstler Florian Hüttner und Till Krause „die geheimnisvollste Ausstellung zu besuchen, die es hier je zu sehen gab“. Die Ausstellung an der Tölzer Ludwigstraße ist dort bis 5. September zu sehen.

„Die Größe der Halle verleitet zu Größe“, erklärt Florian Hüttner. Deshalb rückten alle ausstellende Künstler der vergangenen Jahre „die Monumentalität des Bauwerks“ in ihren Fokus. Hüttner bezeichnet diesen Kunstgriff als deren jeweiliges „Muskelspiel“. Jetzt misst sich die Hamburger Künstlerin Ina Arzensek an den Dimensionen des Bauwerks ins Licht. Hüttner und Till Krause, die Initiatoren der Ausstellungen sind sich einig: „Wir legen das Bauwerk in die Hände der Künstlerin, in deren Kunst sich die stillen, sensiblen, nahezu unsichtbaren Facetten eines Ortes entfalten können.“

Geheimnisvoll gestaltet sich schon der Zutritt zur ehemaligen größten Wandelhalle Europas, das einst als Jodwasser-Trinkkuren internationale Gäste in die Isarstadt gelockt hat. Heute ist dem unter Denkmalschutz stehendem Gebäude allerdings der Zahn der Zeit anzusehen. Betrachten sollten Besucher aber die Mitte des großen Raums: dort eine Anhäufung von Pappelschnee. Dieser besteht aus den Samenfasern der Pappel, der in den Sommermonaten gedeiht und dann die Landschaft überzieht – auf dem Fußboden der Wandelhalle sieht er aus wie Schneeflocken.

„Ina Arzenseks Kunstwerke bewegen sich oft an der Grenze zum Unsichtbaren und bestehen aus dem wunderschönen unsicheren Moment, ob und wie überhaupt etwas existent ist“, erklärt Hüttner. „Existiert das künstlerische Ereignis vielleicht erst dadurch, dass wir unsere Wahrnehmung so konzentriert darauf richten?“ So verfließen die Grenzen zwischen dem Kunstwerk und alles werde für einen Moment zur Einheit. „Gerade indem sich Arzenseks Kunst allem Lauten und Monumentalen entzieht, könnte unter ihren Händen die Wandelhalle zum ersten Mal zu einem Gesamtkunstwerk werden.“

Generell scheint sich die Galerie für Landschaftskunst, wie die Wandelhalle in Künstlerkreisen genannt wird, immer mehr der Natur anzunähern: Der Eingang ist inzwischen fast zugewuchert und vor den Fenstern stapelt sich das Laub. bo

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Die Ausstellung ist bis 5. September geöffnet. Besuchszeiten nur nach Vereinbarung unter Tel: 0176/80446538.

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