Küssen fortan verboten

Künftig muss sich diese Artistin einen anderen Partner suchen, zumindest wenn sie in Geretsried ihre Zirkuskünste zur Schau stellen will.

Großkatzen, Bären, Giraffen, Elefanten & Co. sollen nach Ansicht der Geretsrieder Stadtobersten künftig nicht mehr in einer Zirkusmanege auf dem Stadtgebiet zu sehen sein. Der Hauptausschuss setzte am Dienstag einstimmig ein Zeichen – contra legem, aber pro aktiver Tierschutz. Künftig schließt die Stadt Platzüberlassungsverträge mit den Zirkussen, die explizit das Zur-Schau-Stellen von Wildtieren verbieten.

Die Debatte ausgelöst hatte eine Anfrage des Zirkusses „Crocofant“ im November vergangenen Jahres. Das Gastspiel sollte im März 2012 stattfinden. Dieses lehnte die Stadt – schon wegen dem bloßen Mitführen von Wildtieren – zuerst mündlich, dann schriftlich mit dem Verweis auf die Handhabe anderer Städte ab. Aber: Das Zirkusunternehmen will nicht auf seine Wildtiere verzichten und verwies seineszeichens darauf, dass es kein „generelles gesetzliches Verbot gibt, Wildtiere im Zirkus zu halten“. Das stimmt. Aber die Rechtslage in der Causa „Wildtiere in der Manege“ ist weitaus diffiziler. Das machte Liegenschaftsverwalter Rainer Kopnicky im Hauptausschuss deutlich. Generell stehen der Tierschutz im Grundgesetz und die Freiheit der Berufsausübung konträr zueinander. Nach dem Willen des Bundesrates sollen ebenfalls keine Wildtiere mehr gehalten werden dürfen. Der Länderkammer zufolge können die Betriebe etwa bei Elefanten nicht für eine artgerechte Haltung sorgen. Diese Forderung ist allerdings nicht bindend. Auch die Bundestierärztkammer proklamiert ein „generelles Verbot von Wildtieren auf Reisen“. Wildtiere im Zirkus seien nicht mehr akzeptabel. Trotz dieser wiederholten Vorstöße gibt es bis heute keine gesetzliche Grundlage, die Wildtiere verbietet. Aber das „Heidelberger Modell“. Dem folgt etwa die Stadt Worms. Und nun auch Geretsried. Demnach werden Platzüberlassungsverträge mit Zirkusunternehmen geschlossen, die Wildtiere explizit verbieten. Wissentlich geht Geretsried ein rechtliches Risiko ein. „Man sollte es aber, wie die Stadt Worms, einfach drauf ankommen lassen“, empfahl Kopnicky, der damit die Klageoption von Zirkusbetrieben skizzierte. Das sah so auch Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei): „Man muss nicht immer alles hinnehmen, was einem vorgegeben wird.“ Zustimmung für diese Haltung gab es vom Plenum. „Wildtiere gehören nicht in die Manege“, betonte etwa Grünen-Sprecher Volker Witte. Zirkus könne auch ohne Wildtiere funktionieren. „Durch das Verweigern des Gastspiels setzen wir ein Zeichen.“ Einen Kommentar dazu lesen Sie in der Wochenendausgabe vom 11. Februar.

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