Geprägt von der „Hoamat“

Kulturförderung im Landkreis: Kunstpreis für Regisseur Kiefersauer

Matthias Kiefersauer in Wolfratshausen
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Matthias Kiefersauer bei den Dreharbeiten für „München Mord“ in Wolfratshausen.

Landkreis/Wolfratshausen – Drehbuchautor, Kolumnist und Filmregisseur Matthias Kiefersauer bekommt heuer den Kunstpreis, der im Rahmen der Kulturförderung in Bad Tölz-Wolfratshausen verliehen wird. Der Auserwählte freut sich umso mehr, da die Verleihung sehr überraschend kam.

„Wenn man mit einem Preis rechnet, dann ist das eh schon mal ein Fehler“, erklärt der Künstler Matthias Kiefersauer. Aus dem Nichts heraus sei eine E-Mail vom Landratsamt angekommen. „Das hat mich wirklich wahnsinnig gefreut. Da steckte ich grad mitten in Dreharbeiten und in solchen Momenten sind die Selbstzweifel oft sehr groß. Dann tut‘s natürlich erst recht gut, wenn sich jemand rührt und sagt: Sie bekommen jetzt einen Preis von uns.“

In Wolfratshausen geboren und aufgewachsen wohnt Kiefersauer mittlerweile in München. Trotzdem ist der 47-Jährige noch oft in Wolfratshausen. „Meine Schwester und mein Vater wohnen dort und zweimal oder mindestens einmal in der Woche bin ich dann noch daheim. Mehr als die Hälfte meines Lebens habe ich dort verbracht. Meine Jugend, bis ich 21 war. Vor allem eben die wichtigen, prägenden Jahre“. Nach wie vor verspürt Kiefersauer ein Heimatgefühl für den Tölzer Landkreis und das merkt man auch in vielen seiner Werke. „Falsche Siebziger“ zum Beispiel wurde zum Teil in Münsing gedreht (wir berichteten). Und„Was machen Frauen morgens um halb 4?“ entstand großteils in Bad Tölz.

Wolfratshauser Blick auf die Welt

„Unser Hauptmotiv ist ja der süddeutsche, wolfratshauser und der bayerische Blick auf die Welt“, berichtet Kiefersauer über seine Filme. Der bayerische Blick auf die Welt beinhaltet gewiss auch eine kleine Portion schwarzen Humor. In seinem Film „Falsche Siebziger“ wird etwa der Tod von ein paar Senioren vertuscht. Doppelgänger der Senioren müssen her, damit die Verwandtschaft weiterhin die Rente beziehen und das Testament verwalten können. Der Autor und Regisseur steckt ebenso hinter drei Folgen der Krimireihe „München Mord“, die im ZDF ausgestrahlt wird. „Das ist natürlich eine große Ehre“. Für die siebte Folge schrieb er das Drehbuch. Und bei zwei weiteren, noch nicht veröffentlichten Folgen führte er Regie. „Einen Tag haben wir dafür in Wolfratshausen gedreht. Die Schauspieler sind totale Profis und als Regisseur muss man gar nicht mehr viel machen. Das ist ein leichtes Arbeiten.“

Inspiration aus der Heimat

Oft sind die Geschichten des 47-Jährigen inspiriert von seiner Heimat. „Gerade Drehbücher, die ich schreibe sind sehr vom eigenen Erleben inspiriert“, sagt Kiefersauer. Vor allem seine ersten Filme seien von einer Kindheit auf dem Land, einer Kindheit im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen geprägt. Welche Filme für den Kunstpreis ausschlaggebend waren ist nicht ganz klar. Kiefersauer vermutet aber, dass es die Geschichten sind, die einen Landkreisbezug haben.

Neben Drehorten in Bad Tölz, Holzhausen oder Münsing gibt es noch viele Orte, die Kiefersauer reizen würden. „Tölz ist unheimlich malerisch, aber es gibt noch ein paar andere schöne Ecken. Ich würde wahnsinnig gerne mal auf der Peretshofener Höhe was drehen, aber da müsste man erst mal eine Geschichte für finden. Das ist das tolle am Landkreis. Man fährt zehn Kilometer und hat wieder schöne Motive.“

Ein weiterer Streifen, der jedoch nie veröffentlicht wurde, heißt „Da wo ich herkomme“. In dem ungefähr zehnminütigen, kleinen Film geht es um die Beatles. Kiefersauer behauptet in dem Werk, dass die Beatles eigentlich gar nicht aus Liverpool stammen, sondern die wichtigsten Schritte ihres Lebens in Wolfratshauen gemacht hätten. „Aus einer Laune heraus haben die Beatles das Lied des Ortsteils Waldram komponiert. Und es gibt echt das ‚Waldram Lied‘. Der Kurzfilm „Da wo ich herkomme“ bediene sich an vielen Beatles-Zitaten und Beatles-Klischees. „Allein deswegen darf der nicht veröffentlicht werden. Das wäre rechtlich nicht in Ordnung.“ Dennoch ist Kiefersauer stolz auf diesen kurzen Streifen. Nicht zuletzt, weil es um seine Heimatstadt geht.

Ein Termin für die Kunstpreisverleihung steht derzeit noch in den Sternen. Kiefersauer geht aber davon aus, dass es im nächsten Jahr im kleinen Kreis eine Zusammenkunft geben wird. Dass es vorerst keine offizielle große Feierlichkeit geben wird, sollte in diesen Zeiten niemanden verwundern. Trotzdem, kein Grund Trübsal zu blasen. „Wahrscheinlich würde ich eh nur rot werden“, lacht der Regisseur. Eine größere Ansammlung von Menschen wäre immerhin ein Infektionsherd. „Und ein Risiko einzugehen nur um beklatscht zu werden, wäre Quatsch. Insofern ist das schon vernünftig, sich nicht zu treffen. Irgendwann holt man das nach oder findet eine andere Lösung. Ich freue mich so oder so und das ändert auch nichts ob der Preis im Rahmen einer großen Feierlichkeit verliehen wird oder nicht. Was mich einfach freut ist, dass ich einen Preis gewinne“, so der glückliche Gewinner. gv

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