Neues Leben im „blauen Bunker“

Kulturreferent Hans Ketelhut wünscht sich neue Veranstaltungsorte

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Wurde 1948 gesprengt, aber nicht vollständig zerstört: der blaue Bunker an der Jahnstraße.

Geretsried – Ob Kulturherbst, Musikschule, Ausstellungen oder Veranstaltungen in der Stadtbibliothek – in Geretsried ist nach Ansicht von Hans Ketelhut einiges geboten. In der jüngsten Sitzung des Jugend- und Kulturausschusses schlug der Kulturreferent zudem neue Veranstaltungsorte wie zum Beispiel den blauen Bunker vor.

Als „Aushängeschilder Geretsrieds“ hob Hans Ketelhut (CSU) in seinem Jahresbericht die Musikschule und die Stadtbücherei hervor. So stehen den Besuchern der Stadtbücherei mittlerweile deutlich mehr digitale Angebote als früher zur Verfügung. Lobend erwähnte Ketelhut auch die Veranstaltungen des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) sowie die verschiedenen Tanzgruppen der Landsmannschaften und die Aktivitäten der Chöre.

Der Kulturherbst, der im Oktober des vergangenen Jahres erstmals zusammen mit einem Kunsthandwerkermarkt statt, sei bis auf das Theaterstück über die „Lehman Brothers“ ein Publikumserfolg gewesen. „Solche anspruchsvollen Stücke müssen aber auch mal sein“, verteidigte Ketelhut die Inszenierung. Um den hohen Standard zu halten oder sogar noch zu verbessern, regte der Kulturreferent einen Ausbau des Stadtmuseums an. So könnte im Museumsgarten an der Graslitzer Straße ein Anbau mit neuen Veranstaltungsräumen entstehen. Würde noch in diesem Jahr ein Architektenwettbewerb dafür ausgeschrieben werden, könnten die Räume im Jahr 2025 bezugsfertig sein.

Veranstaltungen könnten auch am sogenannten „blauen Bunker“ hinter dem Eisstadion an der Jahnstraße stattfinden. Die heutige Ruine war nach Angaben des Arbeitskreises Historisches Geretsried einst der Rohbau eines Trockenhauses der für die Dynamit Aktiengesellschaft (DAG) vorgesehenen Pikrinsäureabteilung. Die chemische Substanz sollte als Sprengstoff in Granaten verwendet werden. 1943 wurden die Bauarbeiten in der Pikrinsäureabteilung indes eingestellt, weil die extrem gefährliche Säure durch den Sprengstoff TNT (Trinitrotoluol) wegen dessen besserer Gesundheitsverträglichkeit und leichteren Verarbeitung ersetzt wurde. 1948 wurde der Rohbau gesprengt. Er trug schwere Schäden davon, blieb aber unvollständig zerstört stehen.

Seinen Namen verdankt der „blaue Bunker“ den überwiegend blauen Graffiti-Malereien an seinen Wänden. Vorschläge, die Ruine und ihr Umfeld zur Kulturstätte zu machen, gab es bereits vor 15 Jahren. Ein Gutachten des Statikers Florian Sachers ergab indes, dass die Errichtung eines einsturzsicheren Gebäudes sehr aufwändig sei.

Bürgermeister Michael Müller sicherte Ketelhut zu, dass die Stadtverwaltung diese Impulse aufnehmen und prüfen werde. Zudem erinnerte er daran, dass für das Areal rund ums Rathaus ohnehin ein Ideenwettbewerb geplant sei.

So könnten dort unter anderem die Volkshochschule, das Stadtarchiv, ein Veranstaltungssaal, eine Galerie und eine Skulpturenmeile untergebracht werden. Voraussetzung für diese Pläne sei aber die Verlegung der Bundesstraße 11 nach Westen. Die dadurch gewonnene Fläche könne dann für die Stadtentwicklung genutzt werden. Peter Herrmann

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