„Kunstwerk im Schuhkarton“

Kunstwerke „Mein Ausblick“ im Tölzer Stadtmuseum – Ausstellung bis 21. August

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Gedankenprojekt der Schüler: (v.l.) Elisabeth Hinterstocker (Leiterin Stadtmuseum), Theo Lochner (Bauamt) und Johanna Gebretsadik (Tölzer Jugendförderung) mit dem Sieger-Kunstwerk.

Bad Tölz – Am Anfang war es nur eine Idee: Schüler sollen ihren Gedanken freien Lauf lassen und mitten in der Corona-Krise Kunstwerke mit dem Thema „Mein Ausblick“ entwerfen. Die Einsendungen waren so kreativ, dass mehr daraus geworden ist als nur der ursprünglich angedachte Wettbewerb. Die Kunstwerke haben vielmehr den Weg ins Tölzer Stadtmuseum gefunden und sind dort noch bis Freitag, 21. August, zu sehen.

Die Idee, einen Kreativ-Wettbewerb zu veranstalten, hatten die Mitarbeiter der Tölzer Jugendförderung. „Wir wollten sehen, wie die jungen Menschen damit umgehen, dass sie zu Hause bleiben müssen und ihre Familien nicht sehen dürfen“, sagt Johanna Gebretsadik. Die Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 16 Jahren sollten malen, dichten und basteln und fotografieren. Am Ende gingen rund 50 Kunstwerke bei der Jugendförderung ein. Eine vierköpfige Jury mit Bürgermeister Ingo Mehner, Pressereferentin Birte Otterbach sowie den Stadträten Dorothea Bigos und Moritz Saumweber hatte die Aufgabe, die drei Sieger zu bestimmen. „Das war gar nicht so einfach, weil die Kunstwerke toll gestaltet und sehr vielfältig sind“, sagt Gebretsadik.

Als Siegerin kürte die Jury schließlich ein „Kunstwerk im Schuhkarton“ der achtjährigen Valerie aus Bad Heilbrunn. Zu sehen ist ein weißes Pferd zwischen Palmen. Kleine Lämpchen im Karton wirken wie in Sternenhimmel. Die kleine Künstlerin beschreibt ihr Werk so: „Manchmal, wenn mir langweilig ist oder ich traurig bin, dann schaue ich aus dem Fenster. Ich stelle mir vor, dass ich ein weißes Pferd sehe. Es steht zwischen Palmen am Stand. Und dann träume ich davon, wie es wohl wäre, mit dem Pferd in der Nacht am Strand entlang zu reiten.“

Platz zwei ging an den zwölfjährigen Benjamin aus Wolfratshausen. Er zeichnete einen Mann, der sich von innen gegen eine Tür stemmt, vor der Tür ein überdimensionierter Virus, der in die Wohnung drängt. Platz drei holte die zehnjährige Tölzerin Miriam, die ein Bild aus Zweigen, Tannenzapfen, Steinen und Moos formte. Die drei Erstplatzierten haben jeweils 100 Euro gewonnen, gesponsert von der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen.

Angesichts dieser Kreativität entstand die Idee einer Ausstellung im Stadtmuseum. Leiterin Elisabeth Hinterstocker holte das Tölzer Bauamt mit ins Boot. „Nicht ganz uneigennützig“, wie sie schmunzelnd zugibt: „Das Bauamt hat einfach die besten Druckmaschinen.“ So konnten die E-Mails in hoher Qualität aufs Papier gebracht werden. Theo Lochner vom Stadtbauamt brachte weitere Ideen ein und sammelte, ausgerüstet mit einer Obstkiste, am Klammerweiher die bunten Steine ein, die während der Corona-Krise bemalt worden sind.

Fotos von Menschen mit Schutzmasken runden die Ausstellung ab. „Das bereichert die Ausstellung“, findet Hinterstocker. Sie empfiehlt, sich auch die Kunstwerke anzusehen, die es nicht unter die Top Drei geschafft haben. Beispielsweise ein Gedicht zum Thema Hamsterkäufe. Auszüge daraus: „Von draußen vom Aldi komm ich her, ich muss euch sagen, die Regale sind leer. Überall auf den Kanten und Spitzen sehe ich kleine Coronaviren sitzen (…) Hebe deine Beine und spute dich sehr, sonst gibt’s auch beim Edeka nichts mehr.“ Patrick Staar

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