Dramatischer Personalmangel

Landesverband Bayern des DJH trifft sich in Bad Tölz - Personalmangel größtes Problem

Die Sportjugendherberge in Bad Tölz.
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Lockt wieder Gäste aus nah und fern: Die Sportjugendherberge in Bad Tölz.
  • Viktoria Gray
    VonViktoria Gray
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Landkreis/Bad Tölz – Die Sorgen und Hoffnungen, die der Landesverband Bayern des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) hat, wurden jüngst bei einem Pressegespräch in der Tölzer Jugendherberge deutlich.

Die Gästezahlen steigen zwar, beim Personal gibt es jedoch einen dramatischen Mangel.

„Erstmals in der Geschichte des Landesverbandes machen wir uns sorgen, dass wir wegen Mitarbeitermangels eine unserer Jugendherbergen nicht mehr aufsperren können“, sagte Michael Gößl, Vorstand im Landesverband Bayern.

Was die Gästezahlen und Vorausbuchungen angehe, bestehe kein Grund zur Sorge. Dramatisch sei aber vor allem der Personalmangel. Dies bestätigte auch Holger Strobel, Herbergsvater der Sportjugendherberge in Bad Tölz. Stehen ihm sonst für die Herberge 20 Mitarbeiter zur Verfügung, muss er das Haus derzeit mit elf Beschäftigten betreiben.

Dabei läuft es für die Jugendherbergen in Bayern nach eineinhalb schwierigen Corona-Jahren endlich wieder besser. Seitdem das Bayerische Kultusministerium wieder Klassenfahrten gestattet, würde sich eine Trendwende abzeichnen. An die Bilanz des Jahres 2019 würden die aktuellen Wirtschaftszahlen aber längst nicht heranreichen.

Sind für die Zukunft optimistisch eingestellt: (v.l.) Michael Gößl (Vorstand im Landesverband Bayern), Klaus Umbach (Präsident des Landesverbands Bayern im DJH) und Winfried Nesensohn (Vorstand im Landesverband Bayern).

2019 sei mit über einer Million Übernachtungen ein „Referenzjahr“, wie Gößl erklärte. 2020 folgte die Ernüchterung: In Folge des Verbots von Klassenfahrten gab es einen Gäste-Einbruch von 60 Prozent.

In den Corona-Hochphasen, als die Jugendhäuser leer waren, habe es durchaus düster für den Landesverband ausgesehen. Und auch jetzt könne der Verband „aus eigener Kraft noch nicht überleben“. Schulklassen, deren Besuche durch das Kultusministerium verboten waren, wären mit Abstand die wichtigste Nutzungsgruppe gewesen.

Zudem hätte man die Personalkosten „massiv nach unten gedrückt“ und 95 Prozent der Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. „Staatliche Beihilfe ist nach wie vor notwendig“, betonte Gößl. Für heuer rechne man mit insgesamt 455.000 Übernachtungen - zwar mehr als 2020, aber immer noch um die Hälfte weniger als 2019.

„Klassenfahrten sollen empfohlen werden“

Insgesamt betreibt der Landesverband 60 Jugendherbergen in Bayern. Vor allem zwischen Garmisch und Berchtesgaden sei die Situation schwierig. In den touristisch attraktiven Regionen herrsche laut Winfried Nesensohn eine starke Ambivalenz zwischen vorhandenem Personal und Buchungszahlen.

„Wir haben schon jetzt um die 200.000 Buchungen für nächstes Jahr, aber zu wenige multifunktionale Helfer“, sagte er. Da gebe es „gravierende Probleme“. In Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Dehoga würde man nach Lösungen suchen. So wolle man zukünftig Personalwohnungen zur Verfügung stellen, die Arbeitszeiten attraktiver gestalten und das Gehalt anpassen.

Trotzdem wird das Jahr 2021 – solange es keine Stornowelle gibt – besser laufen. Auch Trainingscamps würden sich häufig ankündigen. „Die Lust zu verreisen ist sehr sehr stark“, sagte Nesensohn.

Bad Tölz an der Spitze

An der Spitze, was den Personalmangel angeht, stünde Bad Tölz. Und Corona habe den Arbeitskräftemangel noch verstärkt. „Wir finden keine Mitarbeiter“, erklärte Strobel. Dennoch berichtete der Jugendherbergsleiter auch Positives. In den vergangenen drei Wochen, als er die ersten Schulklassen wieder begrüßen konnte, habe er richtig gespürt, dass „die Kinder super froh und aufgeregt“ waren. „Die schätzen und genießen das richtig.“

Holger Strobel leitet die Sportjugendherberge in Bad Tölz. Auch er ist dringend auf der Suche nach Personal.

In den vergangenen Monaten habe der Verband neue Programme für Schulklassen entwickelt. Zudem wurde das im Jahr 2016 beschlossene Nachhaltigkeitskonzept weiter ausgebaut. Dazu gehöre unter anderem, dass in den Herbergen auf eine Bio-Verpflegung geachtet werde. Auch solle beim Bau, bei Renovierungen und bei der Energieversorgung mehr auf Nachhaltigkeit geachtet werden.

Bekanntlich strapaziert Corona vor allem die Psyche von jungen Menschen, die sich in einer Entwicklungsphase befinden. Klassenfahrten würden da nicht nur die Gemeinschaft stärken, sondern auch für die soziale Entwicklung eine sehr wichtige Rolle einnehmen.

Deswegen richten die Vertreter des Landesverbands einen dringenden Appell an das Bayerische Kultusministerium: „Klassenfahrten sollen nicht nur wieder erlaubt werden, vielmehr sollen diese auch empfohlen werden.“

Als wertvolle Form des sozialen Lernens müsse das Kultusministerium daher auch in Zukunft Klassenfahrten unterstützen. Der Verband sieht seine Herbergen als Lernorte und Begegnungsstätten für junge Leute und gerade jetzt nach Corona wären Schulklassenfahrten sinnvoll.

„Schul- und Klassenfahrten sind in zweifacher Hinsicht ein Schlüssel bei der Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie. Sie sind als Angebote und Gelegenheiten des Sozialen Lernens und der persönlichkeitsbildenden Gemeinschaft unverzichtbar für das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen“, sagte Klaus Umbach, Präsident des Landesverbands Bayern im DJH.

Außerdem würde dadurch die wirtschaftliche Stabilität der Jugendherbergen gesichert werden. „Wir verstehen uns als sehr viel mehr als nur einen reinen Übernachtungsdienstleister. Hier geht es um unsere Kinder und Jugendlichen. Klassenfahrten sind in diesem Sinne zukunftsstiftend“, betonte Umbach.

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