Das Schicksal der Flussseeschwalbe

Landesverband des Vogelschutz berichtet über den Status quo der gefährdeten Vogelart an den Isarauen

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Die Flussseeschwalbe ist eine vom Aussterben bedrohte Vogelart.

Wolfratshausen – Flussseeschwalben an die Isar zurückbringen, ist keine einfache Aufgabe: Seit 2015 versucht der Landesbund für Vogelschutz (LBV), Flussseeschwalben wieder an den dem Wildfluss anzusiedeln. Ob eine Wiederansiedlung dieser Charakterart der Isar möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab. Störungsfreie Brutplätze sind für die erfolgreiche Wiederansiedlung besonders wichtig. Deshalb wurde nun ein Betretungsverbot ausgesprochen.

„Flussseeschwalben brüteten noch Ende des 19. Jahrhunderts zu Hunderten an den bayerischen Alpenflüssen“, berichtet Fabian Unger, Projektmanager vom LBV-Projekt „Alpenflusslandschaften“. Die tauben-großen Vögel mit schwarzen Scheitel, roten Schnabel mit schwarzer Spitze und dem typisch gegabelten Schwanz bildeten legten ihre getarnten Eier auf Inseln der Isar in den Kies. „Doch durch menschliche Eingriffe in den Wasser- und Geschiebehaushalt sind die meisten Kiesflächen mittlerweile unter einer dichten Pflanzendecke verschwunden“, so Unger weiter. Dadurch haben die Flussseeschwalben große Teile ihrer natürlichen Brutplätze an der Isar eingebüßt. Eierraub und Vogeljagd (im 19. Jahrhundert) führten zum weiteren Lebensraumverlust – und heute lasse die intensive Freizeitnutzung kaum mehr störungsfreie Inseln für die Flussseeschwalben übrig.

Die Flussseeschwalbe: kurz vor dem Aussterben

„Ihr Bestand hatte sich bis 1980 auf nur noch 37 Brutpaare in Bayern verringert“, berichtet Unger. Erst durch den Bau von künstlichen Brutflößen auf Seen und Weihern, die mit Kies bestreut wurden, kam es zur Rettung der bayerischen Brut-Population. Mit rund 430 Brutpaaren im vergangen Jahr scheint die Flussseeschwalbe in Bayern, als bayerischer Brutvogel vorerst gerettet zu sein. Sie werde auf der Roten Liste Bayerns aber immer noch als gefährdet eingestuft.

Seit 2015 widmet sich der LBV der Wiederansiedlung der Flussseeschwalben im Naturschutzgebiet Pupplinger Au. „Um die Seeschwalben auf die Insel zu locken, setzt der LBV Vogelattrappen und Koloniegeschrei ein“, erklärt Unger als verantwortlicher Koordinator dafür. „Auch heuer haben wir die am besten für die Wiederansiedlung geeignete Kiesinsel ausgewählt, um sie den Flussseeschwalben als Brutplatz vorzuschlagen“, sagt Unger. Helfern fertigten dafür Vogelattrappen an, die vor der Brutsaison auf Kiesinsel aufgestellt wurden. Die Attrappen sollen den Vögeln eine vorhandene Kolonie vorgaukeln. „Sie sehen täuschend echt aus. Sie wurden schon von Ornithologen als echte Vögel erfasst“.

Die Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb München und das Wasserwirtschaftsamt Weilheim unterstützen seit mehreren Jahren die Umsetzung. „Für die Maßnahme zur Wiederansiedlung der gefährdeten Flussseeschwalben stellen wir dem LBV gerne unsere Flächen zur Verfügung“, erläutert Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder. Roland Kriegsch, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim, ergänzt: „Um die Strukturen, die diese Kiesbrüter benötigen, zu fördern, entfernen wir alte Uferverbauungen und entbuschen zugewachsene Kiesinseln.“

Trotz der Bemühungen kam es noch nicht zur erhofften Wiederansiedlung. Letztes Jahr konnte erstmals eine Interaktion von zwei Flussseeschwalben mit der Klangattrappe festgestellt werden. „Wenige Tage später gab es einen leider erfolglosen Brutversuch im nahegelegenen Eisweiher“, erzählt Unger. Der eigentliche Wiederansiedlungs-Platz mit den Vogelattrappen wurde nicht angenommen.

Mögliche Gründe, der die Wiederansiedlung an der Isar erschwere, sei unter anderem der „Freizeitdruck“ auf den Kiesflächen, berichtet Unger. Durch den Bootbetrieb auf Kiesinseln der Pupplinger Au kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Störungen. Um die Störungen zu verhindern, wurden auch heuer wieder in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Tafeln mit den Hinweis auf „Betretungsverbot“ aufgestellt. Zu Beginn der Freizeitsaison bittet der LBV, die abgesperrten Vogelschutzbereiche zu akzeptieren. Unger: „Wir hoffen die Isarbesucher akzeptieren die Einschränkungen und helfen durch damit die Flussseeschwalben wieder in ihr natürliches Bruthabitat an der Isar zurückzubringen.“ dwe

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Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) veranstaltet am Sonntag, 26. Mai, von 10 Uhr bis 14.30 Uhr die Führung: „Die Isar bei Geretsried – ein Wildfluss und seine Bewohner“: Die Wege führen durch blütenreiche Kalkmagerrasen und Schneeheide-Kiefernwälder bis auf die Kiesbänke der Isar. Bei der Wanderung erklärt Fabian Unger, Isar-Koordinator und LBV-Mitarbeiter, etwa seltene Pflanzen wie der Frauenschuh und die Tamariske. Mit etwas Glück lassen sich Flussregenpfeifer mit ihren Jungen oder der schillernde Dünen-Sandlaufkäfer entdecken. 

Besondere Hinweis: Gute Trittsicherheit im Gelände ist erforderlich, daher werden festes Schuhwerk und an die Witterung angepasste Kleidung empfohlen. Bitte auch Getränk und eine Brotzeit mitbringen. Zudem ist die Teilnehmerzahl begrenzt, um eine Anmeldung unter Tel: 08171/649-121 oder via E-Mail an fabian.unger@lbv.de wird gebeten.

Treffpunkt: Geretsried-Gartenberg, Parkplatz Friedhof an der Adalbert-Stifter-Straße, Ecke Tattenkofener Straße

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