„Spender helfen vom Baby bis zum Greis“

BRK Pressesprecher Patric Nohe klärt über die Wichtigkeit von Blutspenden zu Corona-Zeiten auf

Ein Mann spendet Blut. Blutspenden haben eine Haltbarkeit von 42 Tage.
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Blutspenden haben eine Haltbarkeit von 42 Tage. Daher sind vor allem chronische Patienten auf regelmäßige Spender angewiesen.

Landkreis/Bad Tölz – Gerade in dieser von der Pandemie geprägten Zeit sind viele Patienten auf Blutspenden angewiesen.

Wenn Bestandteile des Blutes übertragen werden sollen, muss die Verträglichkeit von Spender- und Empfängerblut gegeben sein. Besonders gefragt sind Spender mit der Blutgruppe 0 – sie gelten als sogenannte Universalspender. Im Interview klärt BRK Pressesprecher Patric Nohe über Blutspenden in Zeiten von Corona auf.

Herr Nohe, wird denn eigentlich das Blut auf eine mögliche Covid-19 Infektion hin untersucht?
„Da das Virus nicht über Blut oder Blutpräparate übertragen wird, führen wir keine Tests durch. Grundsätzlich darf nur Blut gespendet werden, wenn man gesund ist. So ein Angebot des Tests könnte zudem einen falschen Anreiz für potentiell Kranke bieten. Die Hygiene-Regeln für die BRK Mitarbeiter sind generell äußerst streng, aber wir wollen vor Ort auch keine Spender gefährden. Abgesehen davon ist die Testkapazität begrenzt.“
BRK Pressesprecher Patric Nohe
Ab wann dürfen Corona-Genesene eigentlich wieder Blut spenden?
„Wird eine Person positiv getestet, befindet sie sich generell zunächst in einer von den Behörden angeordneten 14-tägigen Quarantäne. Vier Wochen nach Ausheilung darf die Person wieder Blut spenden. Ein negativer Test muss von den Betroffenen nicht vorgelegt werden. Auch für Rückkehrer aus Risikogebieten gibt es spezielle Regelungen.“ (Anmerkung der Redaktion: Welche das sind, ist auf www.blutspendedienst.com unter dem Punkt „Ruhig Blut - Blutspende in Zeiten des Corona-Virus“ nachzulesen).
Im Internet war ein Aufruf zum Plasmaspenden von Covid-19 Genesene zu lesen. Was hat es damit auf sich?
„Als ehemaliger Covid-19-Patient können Sie sich bei uns für die Rekonvaleszenten-Plasmaspende melden und einen wichtigen Beitrag zur therapeutischen Behandlung von Covid-19-Patienten leisten. Es ist natürlich kein Allheilmittel, aber es konnten tatsächlich schwere Verläufe von Covid-Patienten gemildert werden. Gerade in dieser Zeit der Zunahme von schweren Fällen ist das ein sehr guter und wichtiger Ansatz.“
Erklären Sie den Prozess.
„Jeder der an Covid-19 erkrankt war und seit vier Wochen geheilt ist, kann Antikörper gegen das Virus in sich tragen. Diese können mittels einer Blutplasmaspende entnommen werden. Für die Spende muss ein gesonderter Termin vereinbart werden um zu klären, ob alle Voraussetzungen für eine Plasmaspende erfüllt werden. An den bayerischen Standorten München, Würzburg und Nürnberg besteht dann die Möglichkeit, eine Plasmaspende durchzuführen und so das Rekonvaleszentenplasma zu gewinnen.“
Es heißt sinngemäß, dass Personen mit „risikobehaftetem Sexualverhalten“ nicht spenden dürfen. Was bedeutet das?
Die Blutspende unterliegt strikten Regularien und bindenden Gesetzen, die neben dem Eigenschutz für Spender, auch dem Schutz der Patienten dienen. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die eine Person als Spender ausschließen. Dazu gehören etwa Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahmen. Aber auch das Sexualverhalten kann zum Ausschluss führen.
Warum das?
„Da bestimmte Viren unerkannt im Blut zirkulieren können. Man spricht hierbei von einer Fensterphase nach einer frischen Infektion, in der weder das Virus selbst noch die Antikörper dagegen ausreichend im Blut vorhanden sind, um nachgewiesen werden zu können. Eine Übertragung könnte aber bereits stattfinden. Personen mit ständig wechselnden Partnern gehören dadurch zur Risikogruppe für die Blutspende, ebenso wie Sexarbeiter. Auch Homosexuelle, bisexuelle und transsexuelle Männer, dürfen nur unter strengen Auflagen Blut spenden. Für sie gilt eine Wartefrist von zwölf Monaten nach dem letzten Geschlechtsverkehr.
Woher kommt diese strenge Regelung?
Eine Studie des Robert Koch Instituts besagt, dass etwa 67 Prozent der HIV Neuinfektionen auf diese Gruppe fällt und damit das Risiko entsprechend erhöht ist. Aktuell findet im Bundestag mit den zuständigen Institutionen eine Lösungsfindung statt. Alte Bestimmungen stehen auf dem Prüfstand, damit sie für den Alltag bei der Blutspende praktikabel sind. So soll das Infektionsrisiko bei Blutspenden weiter minimiert werden und ebenso vielen Personen eine Blutspende ermöglicht werden. Generell spielt es keine Rolle wer wen liebt, oder woher man kommt. Das einzig wichtige ist die Sicherheit des Patienten.“
Wie werden Personen herausgefiltert, die von einer Blutspende ausgeschlossen sind?
„Generell werden alle Präparate getestet. Allerdings können gefährliche Viren unerkannt übertragen werden. An dieser Stelle sind wir auf ein vertrauensvolles Verhältnis angewiesen. Wir haben weder die Mittel noch die Befugnis das zu prüfen, daher bitten wir inständig korrekte Angaben zu machen. Aus ebendiesen ethischen Gründen werden auch keine finanzielle Anreize geboten. Das Gute ist, dass die Spender wissen, dass sie Patienten in Not helfen – vom Säugling bis zum Greis. Seit dem ersten Lockdown haben sich vermehrt junge Menschen engagiert. Dem Dank gilt allen, dass es in dieser nicht einfachen Zeit zu keinen Engpässen gekommen ist. Das ist eine tolles Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Das Gespräch führte Franca Winkler

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