Entlastung für Eltern

Landkreis plant Einrichtung von sogenannten Familienstützpunkten

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Familienstützpunkte sind eine regionale Anlaufstelle für Eltern.

Region – Der Kreisausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung den bisher vertagten Antrag zur Teilnahme am Landesförderprogramm „Familienstützpunkte“ einhellig verabschiedet.

Die Fraktionen waren sich einig: Kinder- und Jugenderziehung ist wichtig. Aber da es dafür im Landkreis bereits viele Angebote gibt, soll das Projekt in weiteren Schritten genau beobachtet werden.

Seit Ende der vergangenen Legislaturperiode des Kreistages wurde bereits über eine Teilnahme am Landesförderprogramm „Familienstützpunkte“ mehrfach im Unterausschuss sowie im Jugendhilfeausschuss darüber diskutiert. Für eine aussichtsreiche Bewerbung für die Teilnahme muss der Antrag nun bis Ende September eingereicht werden, da es laut der Regierung vom Oberbayern fraglich ist, ob eine Aufnahme in das Förderprogramm 2021 in Hinblick auf die zu erwartenden Haushaltsbeschlüsse des Freistaats noch möglich sei.

Jetzt hat der Kreisausschuss zumindest den ersten Schritt beschlossen. In Phase eins soll eine Bestandsaufnahme zeigen, was im Landkreis benötigt wird. Das vom Bayerischen Staatsministerium geförderte Beratungs- und Unterstützungsangebot zielt darauf ab, alle Eltern im Landkreis in ihrer Erziehungsverantwortung zu fördern. „Wir möchten, dass sich Kinder und Jugendliche bei uns wohl fühlen und schaffen für sie ein Umfeld, in dem sie sich nach ihren Fähigkeiten und Neigungen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln können“, berichtete Theresa Kaufmann, Abteilungsleiterin für Soziales, Jugend und Familie am Landratsamt.

Konkret: Der „Familienstützpunkt“ ist eine regionale Anlaufstelle für Familien. Eine Fachkraft übernimmt dabei eine Lotsenfunktion und Eltern werden von ihr hinsichtlich bestehender Angebote beraten. Mit Hilfe von Netzwerk- und Koordinationsarbeiten können regionale Kursangebote gebündelt und über das zur Verfügung stehende Budget auch neu eingerichtet werden.

Die nun startende Bestandsanalyse, um vorhandene Angebote wie etwa die Familienpaten auszubauen, wird laut Kaufmann ein bis zwei Jahre dauern. Die Gesamtkosten belaufen sich dabei auf 48.400 Euro. Der Landkreis muss sich daran nicht beteiligen, da sie komplett der Freistaat finanziert. Erst im zweiten Schritt, bei der Umsetzung, erhöhen sich die jährlichen Kosten, an denen sich dann auch der Landkreis beteiligen muss.

Die Kosten, die der Landkreis in der Umsetzungsphase für die „Familienstützpunkte“ trägt, sind abhängig davon, wie viele dann eingerichtet werden sollen. Möglich ist einer in jedem der vier Sozialräume, in die der Landkreis aufgeteilt ist. Die Kosten für einen Stützpunkt belaufen sich laut Theresa Kaufmann auf 18.700 Euro.

Darüber muss allerdings erst der Kreistag diskutieren, wenn dieser konkret beschließt, dass der Landkreis einen oder mehrere „Familienstützpunkte“ finanziell fördern möchte. Das werde frühestens Ende 2022/Anfang 2023 der Fall sein, erklärte Kaufmann. Denn erst auf Grundlage der fertigen Bestandsaufnahme könne eine weitere politische Entscheidung zur Umsetzung regionaler „Familienstützpunkte“ getroffen werden.

Zurück zu Phase eins, der Bestandsaufnahme. Diese auf den Weg zu bringen, dafür plädierten alle Fraktionen im Kreisausschuss. Klaus Koch (Grüne) betonte, „aus Sicht des Ausschusses kann man dafür nur werben. Es ist der einhellige politische Wille“. Das Projekt war bereits in der vergangenen Wahlperiode in den Fachausschüssen besprochen und befürwortet worden. „Es ist eine Bereicherung für unsere Familie als Erziehende im Landkreis“, sagte er.

Meinungen der Kreisräte zum Familienstützpunkt

Auch FW-Kreisrätin Susanne Merk sprach sich ausdrücklich dafür aus, „die Familienstützpunkte zu unterstützen“. Sie sieht das Projekt als eine Stärkung der Sozialräume. Vieles der geforderten Förderrichtlinien, stelle der Landkreis ohnehin schon. „Deshalb braucht der Landkreis, auch keinen Mehraufwand zu betreiben“, betonte Merk weiter: „Für mich ist es ein wichtiges und zukunftsträchtiges Projekt, das unterstützt gehört.“

„Ich schätze die Präventionsarbeit im Landkreis ab dem Schulalter, vermisse aber die soziale Versorgung in der Zeit davor“, sagte ÖDP-Kreisrätin Monika Achermann-Weinert. Sie ist Hebamme und arbeitet in einem „Familienstützpunkt“ im Nachbarlandkreis München. Dort kommen viele Bürger aus Walchensee sowie Großweil auf sie zu und suchen Rat, „weil es dort kein Angebot gibt“, berichtete sie. Daher befürwortet auch Achermann-Weinert die „Familienstützpunkte, „weil wir dann entsprechend handeln können“.

Martin Bachhuber (CSU) stimmte ebenso zu, in die Planungsphase einzusteigen, betonte aber: „Wir müssen das Projekt sehr kritisch begleiten.“ Es gebe bereits sehr viele regionale Maßnahmen im Bereich Jugendarbeit, betonte er. Sollte es Synergieeffekte geben, müssen diese gekoppelt werden. Das Augenmerk sollte seiner Meinung nach stets auf die eigene Haushaltsentwicklung gerichtet sein, insbesondere dann, wenn der Freistaat mit Zuschüssen locke. Daniel Wegscheider

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