Sichere „Südsee“ 

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshauen: Erste Bilanz der DLRG und Wasserwacht

Ein wichtiges Hilfsmittel für die Retter: der Rettungsring.
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Ein wichtiges Hilfsmittel für die Retter: der Rettungsring.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Wenn die Temperaturen steigen, locken die hiesigen freien Gewässer wieder. Auch der lange Lockdown hat wohl dazu beigetragen, dass es die Leute mehr als sonst in die Natur treibt.

Beim Baden in Seen sowie der Isar ist jedoch Vorsicht geboten. Auf die Sicherheit der Badegäste achtet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sowie die Wasserwacht. Nun zog sie eine erste Bilanz zur Saison.

Zwei erfreuliche Nachrichten: Erstens gab es heuer an den regionalen Gewässern laut DLRG und Wasserwacht noch keinen schlimmeren oder gar tödlichen Badeunfall (Stand 9. Juli). Und zweitens ist derzeit der Andrang für Anfänger-Schwimmkurse enorm. Mathias Feichtbauer nennt es eine gewaltige Welle. „Die Hälfte des Bedarfs können wir gerade decken“, so der Vize-Vorsitzende der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen weiter. Schuld daran hatte freilich der Lockdown: „Seit über einem Jahr haben wir keinen Schwimmkurs mehr anbieten können.“

Umso erfreulicher die bisherige Bilanz zur Badesaison: „Wir hatten keine lebensbedrohlichen Badeunfälle“, berichtet Feichtbauer. Dazu trage auch die gute Situation an der Wasserrettungsstation in St. Heinrich bei: „Bei uns geht es bis zu 70 Meter flach ins Wasser rein“, berichtet Feichtbauer. Außerdem gebe es für Kinder dort einen großen Nichtschwimmerbereich. Er lobt indes auch die „vernünftigen Eltern“, die auf ihren Nachwuchs achten.

Obacht beim Schwimmen

Baden Sie nur, wenn Sie sich wohlfühlen. Insbesondere sollten sich Schwimmer und Erfrischungssuchende vorab abkühlen, also duschen, bevor sie ins Wasser gehen. Die DLRG betont auch, niemals mit vollem oder leerem Magen zu baden. Nichtschwimmer sollten sich außerdem nicht zu weit ins tiefe Gewässer hinaus wagen. Als Wasser-Grenze gilt hierbei der Bauchbereich. Rufen sie nie um Hilfe, wenn keine Gefahr besteht. „Aber helfen sie Menschen, wenn diese Hilfe brauchen“, so die DLRG weiter. Auch sollten geübte Schwimmer niemals ihre eigenen Kräfte überschätzen. Und an den hiesigen Badeseen, sollten Schwimmer nicht dort ins Wasser hüpfen, wo Schiffe und Boote verkehren. Besonders gefährlich können auch plötzlich aufziehende Gewitter sein. Dann gilt: „verlassen sie sofort das Wasser und suchen sie ein festes Gebäude auf.“ Tückisch sind zudem die aufblasbaren Schwimmhilfen – sie bieten nämlich keinerlei Sicherheit. Und: „Springen Sie nur ins Wasser, wenn es frei und tief genug ist.“

Zu beklagen gab es heuer, wie sonst auch, die „üblichen Muschelschnitte“ am Badeplatz Karniffelbach, erklärt Feichtbauer. Der Bach spült sie in den See und dort sterben die Muscheln dann ab. Und so könne es ab und an passieren, „dass Jemand auf die Schale tritt und sich dabei am Fuß verletzt. Mehrere DLRG-Einsätze seien auf Schlammschlachten zurückzuführen, da sich die Kinder mit dem Sand vom Grund bewerfen. Das könne im wörtlichen Sinne auch mal ins Auge gehen. Feichtbauer bilanziert. „Das normale Geschäft, das wir sonst auch haben.“

Die DLRG ist neben St. Heinrich auch in Seeshaupt stationiert, dort betreut von der Ortsgruppe Geretsried. Unterstützt werden sie von der Wasserwacht Wolfratshausen und Ammerland. Zusammen kontrollieren sie das Südufer des Starnberger Sees. Oder wie die ehrenamtlichen Helfer ihren Zuständigkeitsbereich liebevoll nennen: „die Südsee“.

Zahlreiche Einsätze der Wasserwacht auf dem Starnberger See

Die Einsatzkräfte der DLRG wurden dieses Jahr auch von den heftigen Unwettern gefordert – allerdings nicht zu Lande, sondern zu Wasser. So gab es laut Mathias Feichtbauer von der DLRG viele Segelboote, die sich von den Bojen losgerissen hatten, gekentert oder gar auf Grund gelaufen sind.

Dies bestätigt auch sein Kollege von der Wasserrettungsstation Am Schwaiblbach in Münsing. Dort leitet Ingo Roeske die Station. Meistens sei es bei Sachbergung geblieben. Allerdings gerieten auch zwei Segler in Seenot und mussten abgeschleppt werden. Roeske blieb ein Fall vom Mai diesen Jahres besonders in Erinnerung.

Hamburger Familie kentert

Damals kenterte eine Familie aus Hamburg vor Ammerland: vier Kinder und zwei Erwachsene gingen dabei über Bord. „Sie klammerten sich noch am Boot fest“, berichtet Roeske von der dramatischen Rettungsaktion. Insbesondere, da nur zwei der Kinder Schwimmwesten trugen. Per Rettungsboot eilten die Wasserwachten Ammerland und Wolfratshausen zum sinkenden Boot. Wasser trat ein, da die Segler den Stöpsel zum Auslass vergessen hatten. „So ist es vollgelaufen.“

Ansonsten war die Wasserwacht bis jetzt eher zu kleineren Einsätzen ausgerückt. Wie Roeske weiter berichtet, hatten die ehrenamtlichen Helfer am Wochenende eher mit „Pflaster kleben“ zu tun. So gab es viele Fahrradstürze auf dem nahegelegenen Radweg Schwaigl­bachweg. Einige mussten jedoch mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus abtransportiert werden. Die schnelle Einsatztruppe der Wasserwacht war aber auch auf der Isar unterwegs: dort galt es des Öfteren Besitzer von verlassenen Schlauchbooten und Kajaks zu finden.

Glatt und idyllisch: Doch der Starnberger See kann auch anders, wenn Wind und Regen übers Wasser peitscht.

Apropos finden: Suchen nach vermissten Personen, gehört oftmals zum Tagesgeschäft der Wasserretter. An den bisher größten Such-Einsatz in diesem Jahr erinnert sich Maiko Alpers. Der Vorsitzende der DLRG-Geretsried war im April mit seiner Mannschaft dabei, als rund 150 Einsatzkräfte die Forstwege sowie den Uferbereich auf der Suche nach einem Zehnjährigen am Sylvensteinsee durchkämmt hatten. Wie berichtet, kehrte der Bub von selbst wohlbehalten zu seinen Eltern zurück.

Was die diesjährige Saison noch an Einsätzen mit sich bringt, wird sich zeigen. Alpers rechnet damit, dass heuer Corona-bedingt mehr Gäste Urlaub im eigenen Land machen werden. Bereits jetzt ziehe es die Leute mehr nach draußen. „Sie machen auch mehr auf dem Wasser.“ So habe etwa die Anzahl der Stand-up-Paddler zugenommen. Wichtig ist: „Wir haben sichere Badestrände“, sagt er, appelliert aber auch an die Eltern: „Lernt euren Kindern das Schwimmen.

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