Wiederholter Online-Betrug

27-Jähriger verkauft Kfz-Software-Optimierungstool ohne Freischaltung

Ein Richter notiert das Urteil
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Richter Helmut Berger lässt Milde walten: Mehrfach verurteilter Angeklagter kommt mit Bewährung und 400 Geldbuße noch einmal davon.

Wolfratshausen – Das letzte Vergehen eines 27-Jährigen: Am 28. September 2019 verkaufte er auf der Onlineplattform Ebay ein Kfz-Software-Optimierungs-Tool ohne Freischaltung.

Bereits mehrere Male musste sich ein Kfz-Mechatroniker vor verschiedenen Amtsgerichten verantworten.

Das Software-Gerät erwarb ein Käufer aus dem Bundesland Rheinland-Pfalz zum Preis von 1.250 Euro. Er ging davon aus, dass die in der Anzeige versprochene Freischaltung erfolgt ist. Diese sogenannte Masterfreigabe, die erneut rund 500 Euro kosten würde, fehlte jedoch.

Der Angeklagte, der das Tool ein Jahr zuvor selbst für 850 Euro über Ebay erworben hatte, versprach daraufhin nachzubessern. Weil jedoch sein Konto kurz darauf gepfändet wurde, konnte er das Geld für die „Masterfreigabe“ nicht mehr aufbringen. „Das ist blöd gelaufen“, räumte Rechtsanwalt Stevan Krnjaic ein. Er verwies darauf, dass sein Mandant, der damals noch im Nordlankreis wohnte, das Geld zwei Wochen vor der Verhandlung nun endlich überwiesen hat und seit 2019 keine Straftat mehr begangen hat. Davor wurde er jedoch neun Mal verurteilt – unter anderem wegen Sachbeschädigung, Diebstahl, gefährlicher Körperverletzung und Betrug.

„Wenn man das so liest, ist das totaler Bockmist“, erklärte der Kfz-Mechatroniker. Weil er zur Tatzeit des Ebay-Betrugs unter offener Bewährung stand, drohte ihm nun sogar eine Haftstrafe. „Wenn Sie in die Anzeige nicht ausdrücklich auf die Masterfreigabe des Tools hingewiesen hätten, wäre Ihnen nichts passiert“, erklärte Richter Helmut Berger.

Staatsanwalt fordert einjährige Haftstrafe

So aber forderte der Staatsanwalt eine einjährige Haftstrafe. Der Angeklagte bat um ein milderes Urteil. „Ich habe vor einem Jahr geheiratet und meine Frau erwartet in zwei Monaten ein Kind. Außerdem will ich meine Meisterprüfung machen. Ich tue alles dafür, ein anderes Leben zu führen“, versprach er.

Berger drückte trotz der hohen Vorstrafenlast „beide Augen zu“ und setzte die einjährige Haftstrafe noch einmal zur Bewährung aus. Zudem muss der 27-Jährige 400 Euro an den Geschädigten zahlen – was der Summe des verkauften Software-Tools entspricht. ph

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