Es grünt so grün auf der Landkarte

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Beitritt zum Landschaftspflegeverband befürwortet

Blumenwiese bei Wackersberg
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Die Erhaltung „reizvoller Landschaftsbilder“ ist eine der Aufgaben des Landschaftspflegeverbandes.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Es wird immer grüner: Die Karte von Bayern auf der Webseite des Deutschen Verbands für Landschaftspflege ist fast vollständig in der Wald- und Wiesen-Farbe schraffiert.

Darauf gibt es noch ein paar kleine weiße Flecken wie etwa der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Doch auch der will baldigst Farbe bekennen – die Mehrheit der Kommunen sowie die drei Kreisstädte stehen hinter einem Beitritt.

Wie Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt jüngst im Kreis- und Umweltausschuss und berichtete, gibt es in Bayern mittlerweile 64 Landschaftspflegeverbände (LPV) – auf 80 Prozent der Landesfläche. Und auch hier im Landkreis zeigt sich ein mehrheitliches Interesse: Mittlerweile haben alle hiesigen Kommunen ihre Beschlüsse zum Beitritt gefasst. „Jetzt haben wir 14 zustimmende Beschlüsse der 21 Städte und Gemeinden“, lobte Steger. „Das ist eine solide Basis für die Gründung.“

Aufgabe der Landschaftspflege sei es, Natur und Landschaft aufgrund ihres „eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen zu erhalten und zu pflegen“, erklärte Steger weiter. „Auch in Verantwortung für künftige Generationen.“ Sowie die biologische Vielfalt gegebenenfalls wieder herzustellen. Konkret: etwa Biotope und FFH-Gebiete. „Hierzu kann der Landkreis gemeinsam mit den Landwirten und Naturschutzverbänden einen wertvollen Beitrag leisten.“

2019 gab es Infoveranstaltung

Rückblick: Vertreter der Kommunen, Landwirtschaft- und Naturschutzverbände der verbliebenen weißen Flächen auf der Landkarte sind 2017 ins Umweltministerium eingeladen worden. Bei der Veranstaltung hat der Bayerischen Bauernverband und des Umweltministeriums dafür geworben, dass die farblosen Flächen ebenfalls dem LPV beitreten. Danach haben sich in den beiden Nachbarlandkreisen Weilheim-Schongau und Miesbach Landschaftspflegeverbände gegründet.

2019 gab es einen Antrag von der CSU-Fraktion für eine Akzeptanzstudie. Im November desselben Jahres folgte eine Infoveranstaltung für Vertreter aus Landwirt und Naturschutzorganisatoren. „Danach kam von sämtlichen Organisationen die Rückmeldung, dass die Gründung eines Landschaftspflegeverbandes begrüßt wird“, so Steger. Das Orga-Team hat im Juli 2020 den Kreistag und alle Bürgermeister informiert. „Es gab quer durch alle Fraktionen großes Interesse an der Gründung des Landschafpflegeverbandes für unseren Landkreis.“

Nach der Kreistagessitzung formierte sich eine Arbeitsgruppe mit Landrat Josef Niedermaier sowie kommunalen als auch Naturschutz-Vertretern. Die Gruppe befasste sich mit der Satzung sowie der Finanzierung. Sie empfehlen einen Mitgliedsbeitrag von 50 Cent pro Gemeinde- und Städteeinwohner sowie 75 Cent pro Landkreiseinwohner, als Basisfinanzierung für den LPV.

„Wir müssen alle an einem Strang ziehen“ 

CSU-Kreisrat Michael Häsch ist generell für den Beitritt des Landkreises im Landschaftspflegeverband (LBV) hat aber ein Problem mit einigen Details innerhalb der Satzung, um die er sie erweitern möchte und eine Nachbearbeitung wünscht: „Wir sollten darin auch die Almwirtschaft mitaufnehmen.“ Zudem sollte der LPV auch Fortbildungen für Land- und Forstwirte anbieten, so Häsch, dem es wichtig ist, dass alle zusammenarbeiten.

Es sei nötig, den sieben Kommunen, die einen Beitritt beim LPV abgelehnt haben oder noch nicht beitreten wollen, eine Satzung zu präsentieren, „die es ihnen ermöglicht beizutreten“. Häsch betont weiter: „Wir brauchen eine Satzung, in der sich alle wiederfinden.“ Zu oft habe er bei Diskussionen über die europäischen Richtlinien für Natura 2000 sowie dem Managementplan für FFH-Gebiete den Satz hören müssen: „Der LBV ist nur der verlängerte Arm der Unteren Naturschutzbehörde.“

Es brauche eine „Differenzierung und Klarstellung“

Da werden viele „Dinge vermengt, die eigentlich mit dem Landschaftsschutzpflegeverband nichts zu tun haben.“ Da brauche es innerhalb der Satzung eine „Differenzierung und Klarstellung.“

Landrat Josef Niedermaier (FW) entgegnete, dass er jetzt gerne den LPV für den Landkreis per Kreisausschuss-Beschluss auf den weiteren Weg bringen will. Wenn der Verein gegründet werde, könnten die Mitglieder über einzelne strittige Punkte und Fragen immer noch darüber diskutieren. Geschäftsleiter Wolfgang Krause ergänzte: „Wenn im Zuge der Vereinsgründung die Mitglieder Änderungswünsche bei der Satzung haben, dann befinden wir uns sowieso wieder in der Diskussion.“

Lenggrieser Landwirte sehen keinen Bedarf

Kreisrat Franz Schöttl (CSU) kritisierte indes die Vorlaufzeit zum Beschluss: „Die Kommunikation vorab, war aufgrund der Pandemie innerhalb der Verbände schwierig.“ Das habe insbesondere im Isarwinkel zu einer allgemeinen Unsicherheit geführt. Dort werde derzeit nicht der Bedarf für das Projekt gesehen.

„Von den Voll- und Nebenerwerbslandwirten war eine derart ablehnende Haltung zurückgekommen, dass sich auch der Gemeinderat Lenggries dazu entschlossen hat, nicht beizutreten und erst einmal abzuwarten.“

Experte warnt: Zweidrittel weniger Vögel als sonst

Für Wolfgang Goymann (Grüne) ist der LPV „essentiell“, seine Aussage begründete er auch beruflich. Der Königsdorfer ist Professor der Ornithologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Wir haben dieses Jahr zweidrittel weniger Vögel als letztes Jahr. Das ist ein massiver Einbruch“, betonte Goymann und weiter: „Die Artenvielfalt ist letztendlich durch die Kulturlandschaft bedingt.“

Deshalb brauche es neben den Naturschützern auch die Bauern. Er hofft, dass in ein paar Jahren seine Gemeinde und auch Lenggries beim Verbund mit dabei sind. „Es gibt genügend Flächen, wo der LPV helfen könnte.“

Beschlüsse der Städte und Gemeinden zum LBV

Die drei Kreisstädte Bad Tölz, Geretsried (ab 2022) und Wolfratshausen haben ihren Beitritt zum Landschaftspflegeverband (LBV) bereits beschlossen. Ebenso die Gemeinden Bad Heilbrunn, Benediktbeuern, Dietramszell, Egling, Eurasburg, Greiling, Icking, Kochel am See, Münsing, Reichersbeuern sowie Sachsenkam. Unentschlossen und den Beschluss erst einmal vertagt haben die Kommunen Bichl, Gaißach, Jachenau und Königsdorf. Ihren Beitritt sicher abgelehnt haben Lenggries, Schlehdorf und Wackersberg.

Kreisrat Anton Ortlieb (FW) aus Benediktbeuern berichtete von seinen Erfahrungen mit Landwirten bei der Ausweisung vom FFH-Gebiet im Loisachmoor. Daher befürworte er Häschs Vorschlag: „Wir müssen die Landwirte abholen, das ist ganz Wichtig, um das Projekt vorantreiben, damit wir unsere schöne Natur erhalten.“

Für die Bauern meldete sich Bio-Landwirtschaft Christine Mair (Grüne) zu Wort: „Es ist eine Wertschätzung für die Leistung, die wir für die Naturlandschaft bringen.“ Denn die Landwirte können auch von einem Beitritt beim LPV profitieren. „Für viele sei es ein zweites Standbein“, da 72 Prozent direkt an sie ausgezahlt werde. Mair betonte zudem: „Wir müssen alle an einen Strang ziehen.“

Am Ende empfahl der Umwelt- und Kreisausschuss gegen die Stimme von Franz Schöttl die Gründung und vorgelegte Satzung des LPV. Außerdem den jährlichen Mitgliedsbeitrag von rund 96.000 Euro für den kommenden Haushalt 2022 einzuplanen. Übrigens: Am 26. Juli wird sich der Kreistag mit dem LPV befassen.

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