„Nicht mal nachts ist Ruhe“

Besucherströme bedeuten für Tiere gerade im Winter einen Überlebenskampf

Berufsjäger Christian Millauer bittet um mehr Rücksicht für die Wildtiere
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Berufsjäger Christian Millauer bittet um mehr Rücksicht für die Wildtiere

Landkreis – Die Corona Einschränkungen treffen Familien und Freizeitsuchende extrem schwer. Gerade jetzt zur Hauptsaison des Wintersports sind die Einschränkungen für viele besonders hart.

Sportler und Erholungssuchende lockt es als Alternative hinaus in den Wald und in die Berge. Für die heimischen Wildarten, wie Gams, Hirsch oder Reh, aber auch Auer- und Schneehuhn hat das dramatische Folgen, erklärt Christian Millauer, Berufsjäger aus Bayerisch Zell: „Das Schlimme ist, die Wanderer sind Tag und Nacht in Scharen hier unterwegs. Nicht einmal nachts ist Ruhe, Lichterketten der Freizeitsportler ziehen sich am Berg entlang.“

Die Erholungssuchenden missachten Absperrungen und Hinweisschilder auf Wildruhezonen, sie laufen rücksichtslos durch den Wald, auch bei diesen hohen Schneelagen. Berufsjäger Millauer: „Die Wildfütterungen werden nicht mehr angenommen, die Tiere können wegen dieser Störungen nicht mehr genug für sie überlebensnotwendige Nahrung aufnehmen. Die Folge: Sie schaden dem Wald.“ Außerdem sind die Tiere ständig auf der Flucht und verbrauchen ihre Energiereserven. Das kann schnell zur tödlichen Gefahr werden.

Der Bayerische Jagdverband (BJV) appelliert deshalb an Spaziergänger und Wintersportler, Rücksicht auch auf die Tiere im Wald und auf dem Berg zu nehmen, Betretungsverbote zu respektieren, sich nicht abseits der Pisten und Routen zu bewegen und so die heimischen Wildtiere in der harten Jahreszeit zu schützen. Dr. Claudia Gangl, Referentin für Wildbiologie und Tierschutz beim BJV: „Gerade im Winter haben viele Tiere ihren Stoffwechsel auf „Notzeit“ umgestellt. Sie fahren den Stoffwechsel runter, senken die Körpertemperatur ab und bewegen sich so wenig wie irgend möglich. So sparen sie Energie für das Überleben.“

Dieser Energiesparmodus funktioniert aber nur, wenn die Tiere ungestört bleiben können. Wird das Wild aufgeschreckt und beunruhigt, zehrt das am lebensnotwendigen Energievorrat. Biologin Dr. Gangl: „Die Tiere brauchen jetzt Ruhe, um unbeschadet durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Spaziergänger, Schneeschuhwanderer oder Tourengeher, die fern ab der Wege und Pisten unterwegs sind, schrecken das Wild auf, ohne es selbst zu merken. Das führt zu panikartigen Fluchtreaktionen der Wildtiere und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass sie den Winter nicht überleben.“

So vermeiden Sie die Not der Tiere

Das gilt vor allem für die Jungtiere, wie Rehkitze und Rotwildkälber, Dr. Gangl: „Die Wildtiere haben es bei so hohen Schneelagen schwer genug. Wir können es ihnen leichter machen, wenn wir Rücksicht nehmen und das persönliche Vergnügen vielleicht auch einmal hinten anstellen. Bleiben Sie auf den Wegen und auf den ausgewiesenen Skipisten. Leinen Sie im Wald Ihre Hunde an, damit sie nicht das Wild aufscheuchen. Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten. So kann jeder einzelne von uns seinen Beitrag leisten und Wildtieren in ihrer Not helfen.“ red

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