Rückkehr zum Kabarett

Ex-Narrenschaukel-Mitglied Claus Steigenberger schreibt neues Bühnenprogramm

Gestaltete vor 30 Jahren die Seitenwand der Kulturbühne Hinterhalt: der Autor und Schauspieler Claus Steigenberger.
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Gestaltete vor 30 Jahren die Seitenwand der Kulturbühne Hinterhalt: der Autor und Schauspieler Claus Steigenberger.

Eurasburg/Landkreis – Als Mitglied der bereits 1983 gegründeten Kabarettgruppe „Narrenschaukel“ prangerte er einst politische Missstände an.

Nach der Auflösung des Ensembles verfasste der in Lengenwies bei Eurasburg lebende Autor Claus Steigenberger unter anderem Texte für bekannte Kabarettisten und trat als Schauspieler in bayerischen Serien sowie im Komödienstadel auf. Nun will der 62-Jährige wieder mit einem eigenen Stück auf die Kabarettbühne.

„Ich habe in den letzten Jahren immer nur für andere gearbeitet und wollte endlich wieder was Eigenes machen. Nach der Auflösung der Narrenschaukel habe ich viele Ideen in Notizbüchern aufgeschrieben, die immer dicker wurden. Nun wurde der Druck größer, daraus etwas zu machen“, verrät Steigenberger. Sein Programm ist für zwei Personen und eine fiktive bayerische Persönlichkeit angelegt. Nach einigen Proben gelang es ihm, die Schauspielerin Caro Hetényi für das Projekt zu begeistern. Darin kommentieren sie und er das Zeitgeschehen aus unterschiedlichen Perspektiven. „Wir waren eigentlich schon im März 2020 fertig und wollten das Programm im Herbst 2020 präsentieren. Dann machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung“, bedauert der Autor. Aufgrund neuer politischer Entwicklungen, musste Steigenberger das Stück umschreiben. „Vieles habe ich neu bewertet. Ich bin jetzt sogar noch schärfer und radikaler geworden. Dieses Programm würde aufgrund seiner Brisanz sicher von keiner öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt gesendet werden“, glaubt der Lengenwieser. Dass Kabarett vor allem in den 1980er-Jahren auf kommunaler Ebene noch einiges bewirken konnte, bewies die Umbenennung der Kolbenheyer-Straße in Geretsried. „Während meiner Studienzeit sprach einer meiner Professoren über Literatur in der Zeit des Nationalsozialismus. Beim Namen Erwin Guido Kolbenheyer schrillten bei mir sofort die Alarmglocken, da sich dieser Schriftsteller im Dritten Reich der NSDAP anschloss“, erinnert sich Steigenberger. Die Narrenschaukel verarbeitete das Thema bei einem Auftritt in der Wolfratshauser Loisachhalle und provozierte eine umfangreiche Berichterstattung und zahlreiche Leserbriefe in der Lokapresse. „Als kurz darauf sogar ein Mitarbeiter des renommierten ZDF-Kulturmagazins ,aspekte‘ bei mir zu Hause anrief, konnte ich es erst gar nicht fassen. Der politische Druck wurde schließlich so groß, dass die Stadt Geretsried die Kolbenheyer-Straße in Graslitzer Straße umbenannte“, berichtet Steigenberger.

Nun sehnt er wie viele andere Künstler das Ende des Lockdowns und eine Öffnung der Kulturbühnen herbei. Vor allem der von seinem einstigen Narrenschaukel-Kompagnon Hias Röttig gegründete Geltinger „Hinterhalt“, an dessen Konzept er auch mitwirkte, liegt ihm sehr am Herzen. „Es wäre sehr schade, wenn es diesen Ort nicht mehr gäbe. Gerade die kleinen Bühnen erhalten weniger öffentliche Zuschüsse als die renommierten Häuser. Sie werden es schwer haben, diese kulturelle Krise zu überstehen“, befürchtet Steigenberger. Im Gegensatz zu vielen Schauspielerkollegen kann er als Dialektcoach regelmäßig für die Serie „Dahoam is Dahoam“ arbeiten. „Die Dreharbeiten wurden nur einmal während des ersten Lockdowns für sechs Wochen unterbrochen. Seitdem arbeiten wir wieder durch“, erzählt der 62-Jährige. Peter Herrmann

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