Die vielen Aufgaben der Mütter

Homeschooling fordert Familien heraus, aber schweißt auch zusammen

Über die Schulter geschaut: ein Kind beim Lernen im Homeschooling
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Über die Schulter geschaut: Auch die achtjährige Nele sehnt ein Ende im Homeschooling herbei und würde gern wieder in ihrem Sportverein Basketball spielen.

Bad Tölz – In der kommenden Woche starten die bayerischen Schulen wieder mit dem Wechselunterricht. Die Kinder werden teilweise wieder von pädagogischen Lehrkräften in der Schule unterrichtet.

Doch wie ist es den Familien eigentlich in den vergangenen sechs Wochen beim Homeschooling ergangen? Das GelbeBlatt hat bei zwei Familien aus der Region nachgefragt.

Die Bad Tölzerin Barbara Fuhrmann ist Mutter von vier Kindern. Drei von ihnen sind in der Schule, das jüngste Kind ist im Kindergartenalter. In die Struktur des Homeschoolings haben sie sich gut eingelebt – aber „mein Nervenkostüm leidet doch zunehmend,“ erzählt Fuhrmann. Da kommt im Alltag so einiges zusammen: Haushalt, kochen, basteln, Schulaufgaben erledigen und die Kinder dafür immer wieder motivieren. Die Herausforderung liegt in der Organisation des Alltags. Fuhrmann sagt: „Ich gebe mein Bestes, kann aber dennoch keinem Kind so richtig gerecht werden.“

Jonathan ist in der sechsten Klasse am Gymnasium und arbeitet selbständig und kann seine Arbeitspläne gut abarbeiten. Schwieriger sei hier die Struktur des Lernens, da die Fachlehrer mit verschiedenen Online-Portalen arbeiten. „Manchmal hatte Jonathan auch Schwierigkeiten an Videokonferenzen teilzunehmen, da das Netz total überlastet war,“ beschreibt die Mutter in Elternzeit. Grundsätzlich wünschte sie sich für ihren ältesten Sohn mehr analogen Unterricht, denn er könne nicht den ganzen Tag am Laptop sitzen.

Die beiden mittleren Kinder Samuel und Elias sind beide Grundschüler der Südschule (4. und 2. Jahrgangsstufe). Auch die beiden haben täglich digitalen Unterricht, „der sich zum Glück nicht überschneidet“, beschreibt Fuhrmann weiter. Den Unterrichtsstoff erhalten sie als Arbeitsaufträge über eine Art digitale Pinnwand. Der Kontakt zu den Lehrern der Südschule funktioniere gut per E-Mail. Mit den Arbeitspensum an sich, kommen die Grundschüler auch gut recht. Aber natürlich geht es trotzdem nicht ohne Unterstützung von Mutter Fuhrmann. „Da springt man dann schon mal hin und her,“ erläutert sie.

Und dann ist da noch die vierjährige Josephina die aufgrund ihres jungen Alters eine ganz andere Betreuung braucht. „Für meine Tochter fehlt einfach die Zeit, da ich bis weit nach dem Mittag mit schulischen Themen beschäftigt bin,“ bedauert Fuhrmann. Sie sei die Hälfte des Tages damit beschäftigt Arbeitspläne auszudrucken, zwischen den Kindern hin und her zu laufen, irgendwas zu erklären, Links zu öffnen, für Ruhe zu sorgen, die Kleine bei Laune halten und die Jungs zu motivieren.

Dennoch, die Tölzer Mutter zeigt sich motiviert: „Eigentlich ist der Alltag der totale Wahnsinn. Aber es ist halt einfach so. Machen wir das Beste draus.“ Dass die Familie nun „wie Pech und Schwefel zusammenhält ist eine der guten Dinge, die wir aus der aktuellen Lage mitnehmen,“ berichtet Fuhrmann weiter. Die Kinder seien „wahnsinnig“ zusammengewachsen und sie unterstützen ihre Eltern, indem sie mithelfen und auch miteinander spielen. Der Zeit mit geöffneten Schulen, sieht die Familie mit Freude entgegen. „In einem Monat endet meine Elternzeit, da möchte ich schon auch gern wieder etwas arbeiten können,“ betont die gelernte Friseurin aus Bad Tölz.

Auch die in Penzberg wohnhafte Familie Ellerbrock hat ein schulpflichtiges Kind Zuhause zu betreuen. Peter geht normalerweise in die sechste Klasse der Tölzer Montessori Schule, seine drei großen Geschwister sind längst aus dem Haus. Mutter Monika ist Schulbegleiterin und konnte sich in den vergangenen Wochen voll auf ihren Sohn konzentrieren.

Die musisch-aktive Montessori Schule sei sehr gut organisiert. „Wir haben alle benötigten Materialien nach Hause bekommen und der Unterricht ist vergleichbarer mit dem Frontalunterricht – nur eben digital,“ berichtet Ellerbrock. Da Peter sehr sportlich ist, Eishockey und Fußball spielt, fehle ihm jedoch der Teamsport besonders. „Die Möglichkeit zum richtigen Auspowern fehlt einfach,“ so die Mutter. Sie hofft wie viele Familien auf Lockerungen, die den Kindern zugute kommen. Franca Winkler

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